Lattakia_20_june_2010

USA nutzten Assads Kampf gegen al-Kaida für ihre eigenen Ziele

Von Daniel McAdams (Ron Paul Institute)

Die US-Regierung hat sich lange Zeit auf ihre für die Öffentlichkeit fabrizierte Geschichte verlassen, wonach die syrische Krise entstanden sei, nachdem eine im Geiste des „Arabischen Frühlings“ spontan entstandene Protestbewegung von der syrischen Regierung brutal unterdrückt wurde. Die gesamte US-Invasion sollte auf diese Weise gerechtfertigt werden, wobei die Obama-Administration auf gleiche Weise, wie sie es in der Ukraine tat, versuchte, ihre Rolle bei der Aufwiegelung des Aufstandes und ihre Verantwortung für die dadurch entfachte Gewalt zu leugnen.

Aber wie vieles andere in der US-Außenpolitik war auch diese Geschichte von A bis Z erlogen; sie ist lediglich ein Konstrukt, welche das amerikanische Volk zugunsten der US-Intervention beeinflussen und die US-Regierung vor etwaigen negativen Reaktionen schützen sollte.

Tatsächlich hatte die US-Regierung schon seit langem einen Regimewechsel in Syrien im Visier, und zwar spätestens seit dem von George W. Bush ausgeheckten Plan eines „Projekts für ein neues amerikanisches Jahrhundert“ [1], aufgrund dessen er fünf Länder in fünf Jahren unterwerfen und den gesamten Nahen Osten neugestalten wollte. Die Neocons lieben es eben, große Pläne zu schmieden, aber sie liefern nie das, was sie versprechen – wie man das von einem schleimigen Verkäufer gewohnt ist. Ihr irakischer „Spaziergang“ erwies sich letztlich als ein Todesmarsch.

Einer geheimen Kabeldepesche an das State Department zufolge, das durch Wikileaks öffentlich gemacht wurde, hatte die US-Botschaft in Damaskus im Jahr 2006 ein umfangreiches Memorandum [2] verfasst, in dem neun „Schwachstellen“ der syrischen Regierung aufgelistet sowie entsprechende „mögliche Aktionen“ empfohlen werden, mittels welcher die USA diese „Schwachstellen“ zur Destabilisierung der Regierung Syriens nutzen können.

Die Kabeldepesche war von William V. Roebuck verfasst worden, der damals als politischer Berater an der US-Botschaft in Damaskus tätig war. Roebuck wurde später für seine „gute Arbeit“, d.h. für seine Konzepte zur Destabilisierung Syriens, belohnt und ist heute US-Botschafter in Bahrain, wo ernatürlich eine ganz andere Rolle spielen dürfte, als dies in Syrien der Fall war.

Roebucks Biografie liest sich wie die eines Rockstars, der sich auf Regimewechsel spezialisiert hat: Er stand hinter den von den USA gelenkten Operationen zum Regimewechsel in Ägypten, Libyen und dem Irak, erfüllte aber auch sein Pflichtpensum an der US-Botschaft in Israel.

Welche Ratschläge für Operationen in Syrien hatte also Roebuck im Jahr 2006 erteilt? Sie lassen sich kurz auf einen Nenner bringen: Die USA sollen den Kampf der syrischen Regierung gegen islamistische Extremisten dazu benützen, um Assads Position in der Region zu untergraben.

Richtig: Syriens Kampf gegen Al-Kaida sollte zum Kampf gegen Syrien umstilisiert werden.

Lassen wir am besten Roebuck selber zu Wort kommen. Er beschreibt eine der „Schwachstellen“ der syrischen Regierung wie folgt:

Extremistische Elemente benutzen zunehmend Syrien als Basis, während die syrische Regierung einige Operationen gegen Gruppen unternimmt, die Verbindungen zu Al-Kaida haben. Die Tötung eines Al-Kaida-Führers an der Grenze zum Libanon Anfang Dezember und die darauf folgenden Terroranschläge in Syrien, die ihren Höhepunkt in dem Attentat gegen die US-Botschaft am 12. September fanden, zeigen deutlich, wie die syrische Politik im Irak und die Unterstützung von Terroristen in anderen Ländern nunmehr aufs eigene Land zurückschlug.

Wie also diese Schwachstelle ausnutzen? Dazu Roebuck mit eigenen Worten:

Mögliche Aktionen: – Lassen wir unsere Medien über die Anwesenheit von extremistischen Gruppen in Syrien berichten, egal ob sie sich nur vorübergehend hier aufhalten oder von außen her gelenkt werden, und zwar nicht bloß über Hamas und den Islamischen Dschihad Palästinas. Lassen wir sie zugleich auch über die syrischen Bemühungen im Kampf gegen extremistische Gruppen in einer Form berichten, dass daraus die Schwäche des syrischen Regimes sowie dessen innere Instabilität und dessen militärische Rückschläge deutlich werden. Das gerne von der syrischen Regierung verwendete Argument, dass sie ebenfalls ein Opfer des Terrorismus sei, sollte gegen sie selber verwendet, d.h. als Anzeichen der zunehmenden Instabilität in Syrien interpretiert werden.

Die Vereinigten Staaten hatten offenbar schon lange vor 2011 geplant, Assad zu stürzen und wandten viel Zeit, Mühe und Geld auf, um Pläne zur Ausnutzung der besagten „Schwachstellen“ mit dem Ziel eines Regimewechsels zu entwickeln. Roebuck fasst dies in seiner geheimen Kabeldepesche aus dem Jahr 2006 wie folgt zusammen:

Aus oben Gesagtem ergibt sich, dass Bashar al-Assad dieses Jahr in einer stärkeren Position als bisher auftritt, doch diese Stärke inkludiert (bzw. verbirgt) auch etliche Schwachstellen. Wenn wir bereit sind, diese Schwachstellen für unsere Zwecke zu nutzen, werden sie uns Möglichkeiten bieten, seine Entscheidungsprozesse zu stören, ihn aus dem Gleichgewicht zu werfen und ihn für seine Fehler einen hohen Preis zahlen zu lassen.

„Wenn wir bereit sind, diese Schwachstellen für unsere Zwecke zu nutzen…“

Ja, die USA waren bereit, diese Schwachstellen zu nutzen. Es kostete bisher mehr als 200.000 Menschen das Leben, als die USA Schwachstellen bei Assads Kampf gegen Terroristen nutzten, die infolge des US-Angriffs auf den Irak in Richtung Syrien vertrieben wurden. Ab diesem Zeitpunkt war die US-Außenpolitik gegenüber Syrien bereits zu grotesk geworden, um sie in kritischer Weise würdigen zu können. In früherer Zeiten hätte auf Figuren wie Roebuck und seine Spießgesellen beim Massenmord eine Nürnberger Anklagebank gewartet. Heutzutage haben sie allerdings nichts mehr zu befürchten, zumal die gelenkten US-Medien unentwegt nur die widerliche Propaganda des US-Regimes wiederkäuen.

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Copyright © 2015 by RonPaul Institute

Übersetzung ins Deutsche durch info-DIREKT.at, © 2015.

Englisches Original: http://ronpaulinstitute.org/archives/peace-and-prosperity/2015/september/24/us-exploited-assads-fight-against-al-qaeda/

Beitragsbild: Massenkundgebung zur Unterstützung Assads, https://en.wikipedia.org/wiki/File:Lattakia_20_june_2010.jpg (Sammy.aw / Creative Commons Attribution 3.0 Unported license)

[1] http://www.globalresearch.ca/the-neocons-project-for-the-new-american-century-american-world-leadership-syria-next-to-pay-the-price/5305447

[2] https://wikileaks.org/plusd/cables/06DAMASCUS5399_a.html

[3] http://www.state.gov/r/pa/ei/biog/237201.htm

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