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Das Geschäft mit den Flüchtlingen

Die Caritas, ein Musterbetrieb der Flüchtlingsindustrie

von Bernd Stracke

Als Musterbetrieb der boomenden „Asylindustrie“ betreibt die Caritas mit einem hunderte Millionen Euro schweren Budget 82 Häuser für Asylwerber und 31 Beratungsstellen für Flüchtlinge. Hauptfinancier der Caritas ist der Steuerzahler. Die Kirche trägt kaum zwei Prozent zur Finanzierung der Caritas bei, wobei ein Großteil davon auch wieder aus den Börseln der Arbeitnehmer stammt – nämlich der kirchenbeitragszahlenden! An Raffinesse fehlt es der Caritas nicht, wenn es ums Anzapfen von Förderungstöpfen geht: Um bei Subventionsanträgen nicht mit zu hohen Summen aufzufallen, teilt man Ansuchen auf Bundesländerzweigvereine auf. Regionale Projekte nennen sich z. B. „peppa – Interkulturelles Mädchenzentrum“, „Netzwerk Integrationscoaching“, „Multiplikatorinnenschulung“ oder „Integrationszentrum Paraplü“. Der Salzburger Polizeijurist Hermann Winkler beschreibt in seiner lesenswerten Dokumentation „Asylconnection – es ist fünf nach zwölf“ gut, wie sich die Praxis abspielt. O-Ton aus einem Vernehmungsprotokoll:

„Ich habe nicht gewusst, was Asyl ist. Erst Anna Maria von der Caritas, die mich im Polizeigefängnis besuchte, sagte mir, dass ich um Asyl ansuchen soll. Sie erklärte mir, mit welchen Gründen man einen Asylantrag stellen darf. Das sind politische oder religiöse Gründe. Wenn man diese Gründe sagt, bekommt man eine Unterkunft.“

Die Macht der Caritas-Präsidenten

Österreichs Caritas-Präsident Dr. Michael Landau verdiente schon 2010 monatlich 3.800 Euro netto. Erfreut sich der Caritas-Chef bundesweit eines schon fast unheimlich anmutenden medialen Wohlwollens, scheint seit Jahren eine Zeitung ganz besonders vernarrt in ihn zu sein: die „Krone“. In den letzten Jahren brachte sie es auf Dutzende Konterfeis des offenbar hochfotogenen Spenden-Eintreibers. Bisweilen lacht er gleich zwei Mal aus derselben Ausgabe. Mal solo, mal staatstragend mit Bundespräsident Fischer, mal fromm mit Kardinal Schönborn, mal seitenblickend mit Barbara Stöckl, mal herzzerreißend mit einem kulleräugigen afrikanischen Kind, mal medial-bedeutsam mit Krone-Chefredakteur Christoph Dichand. Ganz schön anstrengend für den 55jährigen, der ja nicht nur Medientermine wahrzunehmen hat, sondern sich auch laufend in der Ferne (z. B. heuer im Irak und im Sudan) ein Bild vom Elend in der Welt machen muss.

Politisch scheint Landau noch nicht so tief verankert zu sein wie sein Vorgänger Franz Küberl, der über enormen politischen Einfluss verfügte: Einerseits sitzt er im ORF-Stiftungsrat (welcher der Kontrolle und Leitung der größten Medienorgel Österreichs dient), andererseits ist er einer der Stifter im „Katholischen Medien Verein“. Diesem Verein, Österreichs zweitgrößtem Medienkonzern, sind u. a. die „Styria Media Group“ mit der „Kleinen Zeitung“ und der „Presse“ zuzuordnen. In seiner Diktion gebärdet sich der Caritas-Direktor gern wie ein über der Regierung stehender Oberbefehlshaber. Es klingt bisweilen so, als müssten Kanzler und Minister bei ihm zum Rapport antreten. So verkündete Landau vor einer Regierungsklausur: „Bei Förderungen darf es auf gar keinen Fall zu Einsparungen kommen. Die Mittel für das EZA (Europäisches Zentrum für Arbeitnehmerfragen, ein Netzwerk von 70 Arbeitnehmerorganisationen aus 27 Ländern, die sich auf christlich-soziale Werte berufen, Anm.) müssen angehoben werden.“

Das Geschäft mit den Altkleidern

Generell werden gesammelte Altkleider nicht, wie viele Spender meinen, kostenlos an Bedürftige verteilt, sondern auf – z. B. afrikanischen – Märkten zum Verkauf angeboten. Wie der Privatradiosender FM4 aufdeckte, fand die Caritas in der von der Familie Rosendorfsky gegründeten Großenzersdorfer Firma ÖPULA (Abkürzung für „österreichische Putzlappen“) einen kongenialen Partner. Je nach Zustand werden die Textilien zu Putzlappen verarbeitet, „entsorgt“ oder nach Afrika transportiert. Nur ein kleiner Teil findet den Weg zu Bedürftigen in Österreich. Für die Dritte Welt vorgesehene Ware bildet die Basis für einen schwunghaften Handel. Afrika importiert pro Jahr Altkleider für eine Milliarde Euro. Gleichzeitig wird das afrikanische Textilgewerbe konkurrenziert und oft in den Ruin getrieben.

Das Caritas-Netzwerk

Die Flüchtlingsindustrie, die dringend und laufend „Nachschub“ braucht, um sich und ihre Jobs am Leben zu erhalten, ist nahezu ungeschlagen, was ihre Kreativität beim Erfinden neuer Initiativen, Plattformen, Arbeitsgemeinschaften, Kampagnen und Projekte mit den seltsamsten Namen und Abkürzungen anlangt. Wechselseitige Vernetzungen, mehr oder weniger enge Interessensverknüpfungen, sind schier unüberschaubar und zeigen nicht selten personelle wie organisatorische Überschneidungen auf. Bis zur Perfektion getrieben wird die Kunst des Miteinander-Verlinkens im Internet. Und immer wieder taucht die Caritas auf.

Als internationale katholische Organisation der Friedensbewegung versteht sich die „Pax Christi“, deren Tiroler Ableger vor kurzem ganz unfriedlich auf seiner Internet-Seite just den sich für die Erhaltung sowie den Schutz der christlich geprägten Abendlandkultur engagierenden Verein Pegida (Patriotische Europäer gegen die Islamisierung des Abendlandes) als eine Organisation abqualifizierte, die „dem Hass, nicht dem Frieden“ diene. Zu Pegidas zutiefst christlichen Anliegen Abertausender friedlicher Demonstranten geht „Pax Christi“ allerdings so weit wie möglich auf Distanz – und mit ihr auch die Caritas: Pax Christi-Präsident ist der – in der Bischofskonferenz für den Bereich Caritas zuständige – Innsbrucker Hirte Manfred Scheuer, der auch dem von „Zara“ unterstützten Komitee „gegen Unmenschlichkeit“ angehört. Die Wiener „Zara Training GmbH“, Nachfolgeorganisation des Vereins „Zivilcourage und Anti-Rassismus-Arbeit“, will eine „rassismusfreie Gesellschaft in Österreich“. Die Caritas zählt zu Dutzenden „verwandten“ bzw. „befreundeten“ Organisationen und Plattformen, mit denen Zara über Internet-Drehscheiben (u.a. www.zara.or.at) verlinkt ist.

Einige davon:
Asylkoordination Österreich, Beratungsstelle für AsylwerberInnen, Deserteurs- und Flüchtlingsberatung, Verein Fraueninitiative bikulturelle Ehen und Lebensgemeinschaften, Forum gegen Antisemitismus, Arbeiten gegen Rassismen, Afrikaner in Wien, Anne Frank Verein Österreich, Antifa-Info, Dokumentationsarchiv für Islamophobie, Gedenkdienst–Zivilersatzdienst–Holocaust Education, Gewerkschaft der Privatangestellten, Plattform der Initative Minderheiten, Land der Menschen OÖ – aufeinander zugehen (einer ihrer Trägervereine ist die Caritas), Kein Mensch ist illegal – No Racism, Österreichische HochschülerInnenschaft, Internationale Liga gegen Rassismus und Antisemitismus, Schwarze Frauen Community, SOS-Mitmensch, TschuschInnenpower, Anti-Defamation-League Austria, Anti-Rassismus-Büro Bremen, Antirassistisch–Interkulturelles Infozentrum Berlin, Commission for Racial Equality Great-Britain, European Network Against Racism, Magenta Foundation Antirassismus Niederlande, United against Racism, Fascism and Nationalism, Hip-Hop gegen Rassismus Schweiz, Europäische Kommission gegen Rassismus und Intoleranz, Forschungszentrum für internationales und europäisches Ausländer- und Asylrecht.

Direkte Partner sind „Zara“ und Caritas Wien beim Gesellschaftsklimabündnis, das von einer NGO-Plattform namens „Netzwerk Rechte-Chancen-Vielfalt“ initiiert wurde, deren Mitglieder – eben u. a. „Zara“, Caritas Wien, „SOS Mitmensch“ und Volkshilfe – in den Bereichen Integration, Asyl und Antidiskriminierung tätig sind. Die Caritas zählte 2013 nebst „Zara“, „Amnesty International“ und „SOS Mitmensch“ zu den Unterstützern der „Initiative gegen Unmenschlichkeit“.

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Der Beitrag erschien in der Printausgabe des Magazins Info-DIREKT Nr. 5-2015 im September diesen Jahres. Wenn Sie stets aktuell informiert sein wollen und unsere Arbeit unterstützen möchten, schließen Sie ein Jahresabo um nur 30,- pro Jahr ab!

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