Über eine halbe Milliarde US-Dollar für gefälschte „Al Qaida“-Videos

Wochenblick Sondermagazin
Foto: pixabay.com

Die Non-Profit-Organisation „The Bureau of Investigative Journalism“ deckt wahrlich Haarsträubendes auf. Das Pentagon soll mit einem Budget von über einer halbe Milliarde US-Dollar Fake „Al Qaida“-Propagandavideos produziert haben. Das US-amerikanische Verteidigungsministerium soll dabei bei der verdeckten Operation eine umstrittene britische PR-Firma namens „Bell Pottinger“ beauftragt haben.

Einem ehemaligen Angestellten zufolge, sollte die PR-Firma Nachrichtensendungen im „arabischen Stil“, sowie Videomaterial, das wie Al Qaida-Propagandamaterial aussieht produzieren. Ziel sei es gewesen, mögliche Zuschauer von solchem Videomaterial ausfindig zu machen.

Die Mitarbeiter von „Bell Pottinger“ sollen dabei in Bagdad im Camp Victory im Beisein von hochrangigen US-Offizieren gearbeitet haben. Der ehemalige Vorstandsvorsitzende von „Bell Pottinger“ Lord Tim Bell  bestätigte der Sunday Times, dass sein Unternehmen damals in sogenannten „covert military operations“ eingebunden war.

Die Produktionen wurden anschließend vom damaligen General und Anführer der Streitkräfte der Koalition David Petraeus oder dem Weißen Haus abgesegnet.

Während der Zeit im Iraq produzierte das Unternehmen Unmengen von Videomaterial für das Pentagon und beschäftigte dabei an die 300 Britische und Iranische Mitarbeiter. An der Tagesordnung waren „normale“ Nachrichtenformate, die in einem „arabischen Stil“ erstellt wurden, um den Zusehern zu suggerieren, die Produktion sei durch ein lokales iraqisches Unternehmen erstellt worden. Die US-Amerikanische Quelle der Nachrichtenvideos sollte so verschleiert werden.

Neben diesen Produktionen wurden auch klassische „Al Quaida“-Propagandavideos produziert. Die Mitarbeiter sollten diese anschließend in einem bestimmten Videoformat exportieren und auf CDs speichern. Das Videoformat, sollte dabei lediglich mit „Real-Player“, einem Programm abgespielt werden, das eine bestehende Internetverbindung benötigt, um das Video abzuspielen. Über einen Code mit dem das Video versehen wurde, wurde bei jedem Abspielen der Standort des Gerätes an ein Google-Analytics Konto zu verschicken.

Bei Hausdurchsuchungen hinterlegten US-Soldaten heimlich die CDs mit den Propagandavideos und eine Einheit von Analysten wertete anschließend die Videoaufrufe aus. Besonders von Interesse seien für den Geheimdienst Aufrufe aus dem Ausland gewesen. Unter diesem Vorwand wurden bei den Verdächtigen weitere Überwachungsmaßnahmen eingeleitet.

Ein ehemaliger Angestellter gestand gegenüber dem „Bureau of Investigative Journalism“, dass seine damaligen Erlebnisse in Camp Victory „schockierend und augenöffnend“ waren und sein Leben verändert hätte. Aus diesem Grund entschloss er sich nach zwei Jahren mit seiner Arbeit dort aufzuhören.

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