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Immer mehr kritische Stimmen werden laut

„Journalismus ist kein Umerziehungsprogramm“

Kommt es langsam zu einem Umschwung in den Medien? Vereinzelt werden kritische Journalisten laut, die die politische Einflussnahme und Realitätsverweigerung der Medien offen kritisieren. 

Michael Fleischhacker übt in einem Kommentar in der „NZZ Österreich“ Kritik an der Medienlandschaft: Die verschiedenen Medien ähneln einander immer mehr. Dies unterstützt die Meinung vieler Bürger, die eine mediale „Gleichschaltung“ sehen. Den Journalisten unterstellt Fleischhacker eine „abnehmende Bereitschaft, die Realität zu akzeptieren“. Unter dem Deckmantel des „kritischen Journalismus“ versteckt sich oft nur ein „Umerziehungsprogramm“.

Mediale Gleichschaltung?

Die klassische Medienindustrie steht vor wirtschaftlichen Schwierigkeiten. Dieses „Geschäftsmodell-Problem“ führt dazu, dass die Medienhäuser sparsam mit ihren Personalressourcen umgehen. Daher gibt es auch immer weniger Vor-Ort-Berichterstattung. Stattdessen greift man vermehrt auf das Material von Agenturen zurück.

„Die Websites der überregionalen deutschsprachigen Medien wären (…) ohne ihr typischen Aussehen, das durch Farbcodes und das jeweilige Logo dominiert wird, voneinander kaum bis gar nicht unterscheidbar. Das unterstützt den Eindruck der „Gleichschaltung“, den immer mehr Medienkonsumenten haben, auch dort, wo es zunächst noch überhaupt nicht um Tendenz oder Meinung geht.“

Diese Gleichschaltung setzt sich auch auf der inhaltlicher Ebene fort. Journalisten der etablierten Medien weigern sich, die Realität zu akzeptieren und zu beschreiben. Stattdessen versuchen sie, „das aus ihrer Sicht Wünschenswerte so stark zu machen, dass es die unangenehme Realität überwiegt“. Der Schweizer Roger Köppel, Chefredakteur des Wochenmagazins „Die Weltwoche“, findet in einem ZiB2-Gespräch mit Armin Wolf über den US-Wahlkampf deutliche Worte:

„Aber die größten Versager, das sind heute die Medien. Weil diese Medien, die machen nicht, was sie müssten – nämlich berichterstatten. Sie machen auch Wahlkampf, sie verteufeln und sie diffamieren.“

„Umerziehungsprogramm“ nennen sie kritischen Journalismus

Die Behauptung, die Medien hätten den US-Wahlausgang falsch eingeschätzt, weil sie den Kontakt zu den Bürgern verloren hätten, ist laut Michael Fleischhacker „einfach Quatsch“. Die Journalisten wissen ganz genau, was draußen los ist – „sie dachten nur, dass ihr Umerziehungsprogramm, das sie ‚kritischen Journalismus‘ nennen, greift und der ‚Vernunft‘ doch noch zum Sieg verhelfen würde“. Noch deutlicher kritisiert Roger Köppel die Berichterstattung zum US-Wahlkampf:

„Am schlimmsten ist der Spiegel. Das hat mit Journalismus nichts mehr zu tun. Zuerst war Trump ein Wahnsinniger, jetzt ist er auf dem Cover eine Super Nova, ein Feuerball, der die Erde vernichtet. Das ist nicht nur dumm. Dahinter steckt vor allem die hochnäsige, ja hasserfüllte Verachtung eines einwandfreien demokratischen Volksentscheids, der Trump ins Amt brachte. Der Spiegel ist heute ein Sturmgeschütz gegen die Demokratie, gegen das Volk.“

Medien geben digitalen Filterblasen die Schuld

Warum wählt das Volk plötzlich entgegen der veröffentlichten Meinung? Weshalb wählen die Menschen da draußen den „falschen“ Kandidaten und die „falschen“ Parteien? Die etablierten Medien versuchen sich das mit der Existenz von digitalen „Filterblasen“ zu erklären. In den sozialen Medien würde den Usern nur noch Schwachsinn in die Timeline gespült werden, den sie sowieso schon glauben. Doch Fleischhacker entgegnet diesem Irrtum:

„Wahr ist vermutlich das Gegenteil: Selbst der vorurteilsbeladenste Facebook-Nutzer bekommt heute eine größere Vielfalt an Meinungen präsentiert als der gebildete Kleinstadt-Arzt, der vor 20 Jahren zur österreichischen Bildungselite gehörte.“

Das Problem der etablierten Medien ist laut Fleischhacker ein anderes: Die Journalisten sind es nicht gewöhnt, dass sie ihre herausgehobene Stellung als „Gatekeeper“ allmählich verlieren. Dadurch haben sie immer weniger Möglichkeiten, den medialen Meinungsstrom zu beeinflussen.

Zwar haben die kritisierten Algorithmen der sozialen Medien eine „selbstverstärkende Wirkung“, dennoch ist die Vielfalt an Inhalten heute viel größer als noch vor einigen Jahren. Gerade die wachsende Anzahl und der große Erfolg alternativer Medien wie Info-DIREKT zeigt, dass die Bürger unzufrieden mit dem Zustand der etablierten Medien sind.

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