Attentäter schrie „Allahu akbar“

Russischer Botschafter in der Türkei erschossen

Wochenblick Sondermagazin
Von diesem Mann wurde der russ. Botschafter erschossen.
Von diesem Mann wurde der russ. Botschafter erschossen.

Am Montag erschoss ein türkischer Polizist den russischen Botschafter in Ankara. Die grausame Tat wurde von einer Fernsehkamera gefilmt. Hinter dem Attentat verbirgt sich offensichtlich ein radikal-islamistisches Motiv. Am Dienstag kam es zu ersten Festnahmen.

Ein Mann erschoss am Montagnachmittag den russischen Botschafter, Andrej Karlow, bei einer Fotoausstellung in einem Kulturzentrum in Ankara. Bei dem Täter handelte es sich um einen Beamten einer Sondereinheit der Polizei. Er soll nach Regierungsangaben allerdings nicht im Dienst gewesen sein. Dennoch konnte er mit seinem Dienstausweis unbehelligt zum Diplomaten vordringen.

Der Attentäter kam gut gekleidet in Zivil und wurde wahrscheinlich für einen Personenschützer des russischen Botschafters gehalten. Karlow war gerade dabei, eine Rede zu halten, als der Bewaffnete von hinten auf ihn feuerte, wie ein AP-Fotograf berichtete. Der Täter wurde später von Spezialeinheiten „neutralisiert“.

Attentat auf Botschafter vor laufender Kamera

„Vergesst Aleppo nicht, vergesst Syrien nicht.“, schrie der Attentäter anschließend auf Türkisch. „Solange unsere Städte nicht sicher sind, seid ihr auch nicht sicher.“ Auch „Allahu akbar“ („Gott ist groß“) ist zu hören. Eine Fernsehkamera, mit der die Rede des Botschafters aufgenommen werden sollte, filmte die schreckliche Tat.

Der Bewaffnete forderte die Besucher der Ausstellung auf, das Gebäude zu verlassen. Nach ungefähr einer halben Stunde stürmten schließlich Spezialeinheiten der türkischen Polizei das Gebäude und erschossen den Angreifer. Der am Boden liegende russische Botschafter erlag wenig später seinen schweren Verletzungen.

Familienmitglieder und Mitbewohner festgenommen

Wie die amtliche Nachrichtenagentur Anadolu am Dienstag berichtete, kam es zu ersten Festnahmen: die Eltern, die Schwester und zwei weitere Verwandte des Attentäters seien in der westlichen Provinz Aydin in Gewahrsam genommen worden. Außerdem nahmen die Behörden den Mitbewohner des Attentäters in Ankara fest.

Russische Ermittler sind auf dem Weg nach Ankara und arbeiten mit den türkische Behörden zusammen. Darauf haben sich der russische Präsident Wladimir Putin und der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan geeinigt, wie der „Deutschlandfunk“ berichtet.

Sollen türkisch-russische Beziehungen gestört werden?

Der russische Außenminister Sergej Lawrow sieht im Attentat auch einen Anschlag auf die Beziehungen zwischen Russland und der Türkei:

„Wir sind überzeugt, dass das wichtigste Ziel derjenigen, die diesen barbarischen Akt planten und ausführten, darin besteht, den Prozess der Normalisierung der Beziehungen zwischen Russland und Türkei zu untergraben. Im Wesentlichen geht es darum, den effektiven Kampf gegen den Terrorismus in Syrien nicht zuzulassen. Das ist ein schlechtes Ziel mit schlechten Mitteln. Es wird nicht klappen.“

Der Vorsitzende des Verteidigungsausschusses des Föderationsrates, Frank Klinzewitsch, macht sogar die NATO für das Attentat verantwortlich. „Es ist sehr wahrscheinlich, dass die NATO-Geheimdienste dahinter stecken. Das ist eine Provokation, eine echte Herausforderung für Russland“, schrieb die regierungsnahe türkische Tageszeitung unter Berufung auf Klinzewitsch.

Ibrahim Karagül, Chefredakteur der Erdogan-nahen Zeitung „Yeni Safak“, spricht gar von Spuren hin zur islamischen Gülen-Bewegung und des amerikanischen Geheimdienstes CIA.

Am Dienstag trilaterales Treffen in Moskau

Als Reaktion auf das Attentat wollen die Außenminister Russlands und der Türkei ihre Anstrengungen im Kampf gegen den Terrorismus verstärken, erklärte das russische Außenministerium.

Der Angriff auf den russischen Botschafter Karlow erfolgte einen Tag vor dem trilateralen Treffen in Moskau.  Die Außen- und Verteidigungsminister Russlands, Irans und der Türkei besprechen dort das künftige Vorgehen im Syrien-Konflikt.

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