2016 war ein schlechtes Jahr für die „etablierte Presse“

Mainstream-Medien feiern Silvester nicht



Donald Trump als neuer US-Präsident zieht neue Saiten auf. Zu CNN-Chef Jeff Zucker sagte er: „Ich hasse Ihren Sender, jeder bei CNN ist ein Lügner, und Sie sollten sich schämen.“ Bild: Gage Skidmore, Wikimedia Commons (CC BY-SA 3.0)

Schon Jean-Jacques Rousseau soll vor über 200 Jahren die Presse als die „vierte Säule des Staates“ bezeichnet haben, spätestens seit den 1950er Jahren ist die Titulierung als „vierte Gewalt“ gebräuchlich. Heute sind die Massenmedien die erste und bedeutsamste Gewalt der westlichen Hemisphäre.

Ein Gastbeitrag von Stefan Magnet

Sie können Staatsmänner stürzen, richten und verurteilen, oder Helden erschaffen und krönen. Exekutive, Legislative und Judikative sind dagegen behäbig und wenig einflussreich. Die angeblich in Stein gemeißelte Alleinherrschaft der Massenmedien bekam 2016 aber – für die meisten Menschen überraschend – schwere Risse. Aus der Sicht des Establishments und der Systemmedien war 2016 kein gutes Jahr.

Herrschaft durch Meinungsbildung

In den letzten Jahren setzte sich auch hierzulande der englische Begriff für Massenmedien durch: „Mainstream-Medien“. An diesem Begriff haftet aber mittlerweile etwas Abstoßendes. Mainstream-Medien sind nicht nur jene Kommunikationsmittel, die zur massenhaften Verbreitung von Inhalten in der Öffentlichkeit dienen. Mainstream-Medien sind nicht länger nur jene Publikationen und Informationskanäle, die das meiste Publikum haben, sondern Mainstream-Medien werden flächendeckend als Herrschaftsinstrumente der Eliten und Regierungen begriffen.

Die einen finden das gut, immer mehr Menschen erfüllt dies aber mit Ekel und Abscheu. Der von Medienfachleuten noch immer gern zitierte italienische Marxist Antonio Gramsci ging davon aus, dass Herrschaft nicht allein durch bloßen Zwang erzeugt wird, sondern die Menschen würden überzeugt, dass sie „in der besten aller möglichen Welten“ leben würden. Kapitalistische Herrschaftssysteme würden demnach durch Mainstream-Medien aufrechterhalten – sie bestimmen wer gut und wer böse ist, was modern und was überholt ist. Das jeweilige Establishment ist so auf Gedeih und Verderb mit den Medien verbunden: Die Regierung sorgt für die Geldflüsse zu den Medien, die Medien sorgen für das Wohlwollen des Volkes.

„Flüchtlinge sind keine Vergewaltiger“

Zur Machterhaltung hat der Mainstream ein paar nicht niedergeschriebene, innere Gesetze. Einige lauten: Bleibe deiner Linie treu und korrigiere nicht deine Meinung. Gestehe Fehler nicht ein. Versuche Fakten, die dem zuwiderlaufen zu verschleiern. Rede nicht mit Abtrünnigen und lasse diese nie unkontrolliert zu Wort kommen, denn sie könnten deine Mainstream-Propaganda entzaubern.

Hatten die Medien die letzten Jahre sinkende Auflagen und weniger Umsatz zu beklagen, haben sie 2016 auch ihre Glaubwürdigkeit verloren. Grafik: Statista 2016
Hatten die Medien die letzten Jahre sinkende Auflagen und weniger Umsatz zu beklagen, haben sie 2016 auch ihre Glaubwürdigkeit verloren. Grafik: Statista 2016

Wenn man das weiß, erkennt man, dass 2016 ein Mediendesaster das nächste jagte. Der Prozess, dass weite Teile die Glaubwürdigkeit der Medien hinterfragen, bekam 2014 mit dem Putsch in der Ukraine und der einhergehenden Berichterstattung einen deutlichen Schub. Als die TV-Anstalten im Jahr 2015 den Flüchtlingsstrom wohlwollend begleiteten, tappten sie von einem Fettnäpfchen in das nächste.

Besonders dreist: Die beharrliche Behauptung, dass die unkontrollierte Einwanderung von Männern aus der ganzen Welt „kein Sicherheitsrisiko“ darstellen würde. Als ein Beispiel von vielen können die Puls4-Moderatoren Isabelle Richtar und Thomas Mohr genannt werden, die in einer Fernsehsendung wortwörtlich sagten:

„Flüchtlinge sind bitte kein Sicherheitsrisiko, sind keine Vergewaltiger, sind keine potentiellen Kinderschänder. Man muss Kinder nicht vor Flüchtlingen in Sicherheit bringen. Mit freundlichen Grüßen von Puls 4.“

Und dann kam die Silvesternacht – wo nicht nur in Köln hunderte Frauen bedrängt, sexuell belästigt und vergewaltigt wurden.

Brexit, ServusTV, Trump …

Die Glaubwürdigkeit nach Köln war zwar schwer angekratzt, doch die großen medialen  „Erdbeben“ sollten erst später im Jahr 2016 folgen. Terroranschläge in Europa, auch in Deutschland – Flüchtlinge verstrickt, allerorten und immer wieder. Die großen Medien hatten all das kategorisch und pauschalisierend vorweg ausgeschlossen.

Der Wahlsieg Norbert Hofers nach der ersten Runde zur Bundespräsidentenwahl – auch das hatten die heimischen Medien anders prophezeit. Brexit und Trump-Wahl: Mittlerweile gilt die Regel, dass gegen die Weissagungen der Mainstream-Medien gewettet werden sollte, um das Ergebnis zu erraten. Die Glaubwürdigkeit der Massenmedien ist Ende 2016 so angeschlagen wie noch nie zuvor, und deshalb verwundert es nicht, dass es zum innenpolitischen Skandal

ServusTV Diskussion am 20. Oktober. Der Identitäre Martin Sellner im Fernsehen, ein Tabubruch: Vom Establishment als „Rechtsextreme“ diffamierte Personen dürfen zur besten Sendezeit im Hauptabendprogramm diskutieren und ihre Standpunkte artikulieren. Bild: Bild Servus TV: Screenshot Youtube
ServusTV-Diskussion am 20. Oktober. Der Identitäre Martin Sellner im Fernsehen – ein Tabubruch: Vom Establishment als „Rechtsextreme“ diffamierte Personen dürfen zur besten Sendezeit im Hauptabendprogramm diskutieren und ihre Standpunkte artikulieren. Bild: Bild Servus TV: Screenshot Youtube

wird, wenn ein Fernsehsender wie ServusTV politisch-unkorrekt berichtet oder gar Oppositionelle in eine Talkshow einlädt. Denn das Herrschaftsinstrument „Mainstream-Medien“ verliert dann seine Wirkung, wenn Alternativen sichtbar werden. Und das dürfte im neuen Jahr 2017 das große Thema werden.

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