Wenn mich eine Sache wirklich aufregt...

Müller mault… darüber, dass sich keiner mehr aufregt

Wochenblick Sondermagazin

Wenn mich eine Sache wirklich aufregt… dann ist es, dass sich keiner mehr aufregt.

Ich meine damit nicht die kopfeinzieherische Mentalität des „der Klügere gibt nach“ (auch darüber kann und werde ich mich noch einmal ausgiebig äußern), sondern das emotionale Abstumpfen.

Es macht mich traurig, dass ich mich selbst dabei erwische, wie ich auf diesen Anschlag oder jene Vergewaltigung angesprochen, mittlerweile automatisch antworte: „Wundert dich das noch?!“

Es sollte mich wundern. Es sollte uns alle wundern. Ja, es sollte uns zum Kotzen bringen, in welchen Misthaufen sich unsere Welt verwandelt hat. Aber wir haben uns daran gewöhnt zu hören, dass ein Zehnjähriger von einem Asylanten vergewaltigt wird, dass heute, morgen oder letzte Woche wieder x Menschen bei Anschlägen getötet werden, dass ein Polizist auf offener Straße geköpft wird, dass Pakistanis in einer europäischen Stadt 1400 Kinder über Jahre systematisch misshandelt und sexuell versklavt haben, dass syrische Flüchtlinge in Schweden eine Frau entführen und sie im Keller ihres – mit Hilfe unserer Weltverbesserer errichteten – Geschäftes als Sexsklavin für sich und ihre Freunde halten.

Das halten wir verdammt nochmal für normal! Das ist unser Alltag geworden! Und die niedersten Subjekte unserer Gesellschaft können nicht aufhören, das Ganze auch noch zu relativieren: „Das machen Deutsche auch“, „Denk doch mal an Fritzl“,… Nein! Sowas machen wir normalerweise nicht! Und wenn es das gegeben hat, dann hat es uns schockiert. Wir sind nicht zur Tagesordnung übergegangen, weil es ein „regionaler Einzelfall“ war!

Wir haben uns gefragt, wie so etwas in unserer Gesellschaft passieren kann. Heute werden wir nur noch hin und wieder aus unserer Lethargie gerissen, nachdem etwas besonders Widerwertiges passierte. So wir es überhaupt erfahren. Ich erinnere daran, dass den Opfern im Pariser Club Bataclan stundenlang Unbeschreibliches angetan wurde und manche Opfer den Angehörigen zur Identifizierung nur teilweise gezeigt wurden. Die Begründung? Man wollte ihnen den Anblick ersparen. Unsere Medien? Das ich nicht lache! Die Latte für emotionale Empörung liegt so hoch, ich kann sie kaum noch sehen.

Ich “ tröste“ mich mit dem Gedanken, dass in naher Zukunft etwas so Schlimmes passieren wird, dass man es nicht mehr vertuschen kann. Etwas so Ungeheuerliches, dass sich Polizisten ins Auto setzen und nach Berlin fahren, um Heiko Maas persönlich dafür zu ohrfeigen, dass er sie zu seinen Komplizen gemacht hat. Etwas, das das Volk auf die Straße treibt und es dazu bringt, endlich die Bindung an den Volkswillen einzufordern und das Verbrechergesocks, welches sich Regierung schimpft, endlich bis zum Sankt-Nimmerleinstag in den finstersten Kerker zu sperren.

Doch dann denke ich: Vielleicht gibt es das nicht mehr. Vielleicht haben wir den Punkt überschritten, an dem uns etwas noch derartig schockieren könnte. Ich hoffe es nicht. Nachdem ich mich dazu gezwungen habe, mich damit auseinanderzusetzen, ist mir ziemlich schlecht. So sollte es Ihnen auch gehen.

Passen Sie auf Ihren Kopf auf!
Müller

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