Französisches Unternehmen zahlte dem IS Schutzgeld

Europäischer Konzern machte Deal mit IS

Wochenblick Sondermagazin
lafarge
By Phil Sangwell (IMG_0218) [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Die meisten Firmen in Syrien ergriffen die Flucht, als sich der IS näherte. Der französische Zementhersteller Lafarge will jedoch weiter in Syrien produzieren. Nun beschäftigt sich die französische Justiz mit dem Fall. Eine Reihe von brisanten E-Mails und Dokumenten wurden der Justiz in Frankreich zugespielt.

„Die Mudschahedin-Brüder werden gebeten, diesen Wagen mit Zement der Fabrik Lafarge durch die Kontrollpunkte passieren zu lassen, nachdem ein Übereinkommen mit der Fabrik über Handel mit dieser Fracht getroffen wurde.“

Wie mehrere Medien wie N-TV und Daily Mail berichten, steht dieses Zitat auf einen Zettel – darunter ein Stempel des Islamischen Staates. Der weltweit größte Zementhersteller Lafarge Holcim wird der Terrorfinanzierung und der Mittäterschaft an Kriegsverbrechen und Verbrechen gegen die Menschlichkeit beschuldigt.

Verstoß gegen Ethik des Unternehmens

Um die Produktion in der Zementfabrik in Jabalia (Nordsyrien) aufrecht zu halten, wurden Passierscheine und Öl vom IS abgekauft. Dies geht aus der Anklage von zwei Menschenrechtsorganisationen hervor. Das Unternehmen selbst hat bereits Anwälte beauftragt, um den Fall zu prüfen. In der Stellungnahme des Unternehmens heißt es, es sei ein Verstoß gegen den eigenen Ethik-Code.

Im Jahre 2010 nahm Lafarge für 600 Millionen Euro ein Werk in Syrien in Betrieb. Als sich der Arabische Frühling auch in Syrien langsam ausbreitete, folgte daraus ein bis heute währender Krieg zwischen der Regierung, dem IS und anderen Rebellen.

Nicht am Krieg verdienen

Jacob Waerness, der damalige Manager des Werkes, sagt in einem Interview: „Wir wollten die Fabrik am Laufen halten, um zu verhindern, dass sie zerstört wird. Es sei nicht darum gegangen, am Krieg zu verdienen“. Die Regierung zog zunächst ihre Armee aus Nordsyrien zurück. Das Werk lag nun im Einflussgebiet der Kurden. Obwohl sich alle anderen Firmen aus der Region zurückzogen, blieb der französische Konzern dort. Man wollte das Geschäft so lange aufrechterhalten, wie es zu verantworten sei.

Mitarbeiter vom IS entführt

Ab dem Jahr 2013 rückte der IS immer näher an das Werk. Die Verantwortlichen gaben zu, die Lage falsch eingeschätzt zu haben. Waerness berichtet: „Wir konnten in der Region nicht arbeiten, ohne dass diese Gruppen direkt oder indirekt von unseren Geschäften profitierten.“ Die beiden Menschenrechtsorganisationen werfen dem Unternehmen vor, dass von ihren 240 Mitarbeitern zeitweise welche vom IS entführt wurden. Die ausländischen Mitarbeiter wurden bereits 2012 alle in ihrer Heimat zurückgeschickt, während die einheimischen weiterarbeiteten.

Lafarge besorgte gegen Geld Passierscheine für seine Mitarbeiter und panzerte die Fahrzeuge. Obwohl Menschenleben in Gefahr waren, produzierte das Unternehmen unter diesen Umständen weiter. Am 19. September 2014 wurde die Produktion eingestellt und der IS besetzte das Werk. Das Werksgelände dient jetzt als Basis für Spezialeinheiten der Anti-IS-Koalition.

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