Nach „Talk im Hangar-7“: Jetzt spricht Martin Lichtmesz

Martin Lichtmesz, ein in Wien lebender Autor der „Neuen Rechten“, wurde vorgestern von ServusTV zur Diskussionssendung „Talk im Hangar-7“ eingeladen. Es ergab sich eine spannungsreiche aber umso interessantere Diskussion. Wir wollten allerdings mehr wissen und haben noch einmal nachgehakt. 

Ihr Auftritt bei Talk im Hangar-7 sorgte ja bereits im Vorfeld für Empörung bei gewissen Kreisen. Was war der Grund dafür?

Die übliche Nummer eben, man dürfe mir kein Forum geben, weil ich angeblich so „gefährlich“ sei – für ihre eigene Dummheit wahrscheinlich. Ich bin nun nicht sonderlich traurig, wenn sich meine Spezis schon bei meiner bloßen Namensnennung in Luft auflösen und den „Diskurs verweigern“, es ist mir vielmehr sehr angenehm, wenn ich mir deren Diskussionsverhalten ansehe.

Um zum Thema zu kommen: ihre Gegner unterstellen den „Populisten“ ja meist Angstmache, den Aufbau von Feindbildern und Komplexitätsreduktion. Betreibt die Gegenseite nicht dasselbe Spiel?

Angst und Panikmache ist heute oft nahezu das einzige Argument, das die Linken und Globalisten haben – Ängste schüren, die Katastrophe herbeireden, Feinde erfinden, wie Genosse Eilersberger formulierte. Sie leben in einer rückwärtsgewandten, imaginären Welt, die ständig von „Hitler“ und nur von „Hitler“ bedroht ist, wie auch die Videoeinspielungen der Sendung zeigten, die reine Gruselpropaganda waren. Sie haben „einfache Erklärungen“ dafür, warum ihre apperzeptionsverweigernde Realitätsfilterblase zunehmend versagt und ihre hegemoniale Eisscholle immer kleiner wird: an allem sind die „Rechtspopulisten“ schuld, die offenbar aus purer Bosheit und psychotischem Wahn Probleme erfinden, die es ohne sie nicht gäbe. Die „Rechten“ oder Populisten sind die Sündenböcke, denen das Scheitern des multikulturalistischen Experiments – das ihm aufgrund seiner schiefen Konzeption inhärent ist – aufgehalst wird. Wenn z.B. die Bevölkerung eines Landes (Polen und Österreich wurden genannt) mehrheitlich muslimische Einwanderung ablehnt, hat dies in ihren Augen allein mit bösen Rechtspopulisten, aber nichts mit dem Verhalten von Muslimen oder den Folgen muslimischer Masseneinwanderung zu tun, wie man sie in Deutschland, Frankreich, Großbritannien, Belgien oder Schweden beobachten kann (auch von Polen und Ungarn aus).

Mir war es wichtig, in dieser Diskussion überhaupt einmal die Tatsache zu thematisieren, daß die Debatte in einem heillosen „Ich seh etwas, was du nicht siehst“-Spiel feststeckt, als lebe man in Paralleluniversen, was uns bewußt ist, unserer Gegenseite aber kaum, die naiverweise glaubt, es gäbe keine Alternativen zu ihrer angeblich faktensicheren Sichtweise. Beide Seiten werfen sich dabei spiegelbildlich dieselben Dinge vor, wie man auch in der Talk-im-Hangar-Diskussion sehen konnte: die Fakten zu ignorieren, Angstmache zu betreiben, psychopathologisch geschädigt oder „undemokratisch“ zu sein, usw. Es wäre schon einiges gewonnen, wenn allein dafür ein Bewußtsein geschaffen wird, so wir uns nicht gegenseitig psychiatrisieren oder gar die Schädel einschlagen wollen.

Von Wolfram Eilenberger und Herbert Lackner, aber auch von ServusTV selbst wurde in Bezug auf Trump das Narrativ des „starken Mannes“ eingebracht. Trifft das zu? Wenn nein, was lässt sich dem entgegnen?

Sicher ist Trump ein „starker Mann“. Was soll dagegen per se einzuwenden sein? Das Problem schien mir eher, daß der Populismus reduziert wird auf die „Sehnsucht nach dem starken Mann“, nach der „autoritären Führerfigur“, die auch noch „die Demokratie abschaffen“ will, weil die Leute „genug von der Demokratie“ hätten. Das geht völlig am aktuellen populistischen Phänomen vorbei, das im Gegenteil wieder die demokratische Kernidee der Volkssouveränität stärken will, die im repräsentantiven Filter zunehmend supranationaler Strukturen unterzugehen droht. Der Populismus fordert mehr direktdemokratische Partizipation, besonders, wenn es um Themen geht wie sichere Grenzen, Einwanderung und kulturelle Identität, besonders, wenn es sich um die Anliegen von Wählerschichten handelt, von deren Lebenswirklichkeit sich die kosmopolitisch orientierten politisch-medialen Eliten sehr weit entfernt haben.

Sie haben gestern hingegen das Schlagwort des„Globalismus“ eingebracht. Was hat es damit auf sich und welche Rolle spielt es in der aktuellen Diskussion um Populismus?

Es war mir von vornherein klar, dass so eine Sendung formatbedingt nur an der Oberfläche des Themas kratzen kann. Gerade deshalb war es mir wichtig, das irreführende und begrenzte Narrativ aufzubrechen, das sowohl von den Machern der Sendung als auch von meinen Opponenten wie selbstverständlich als Referenz- und Interpretationsrahmen präsentiert wurde. Das Thema der Debatte selbst sollte sein, dass die Mainstreammedien kein alternatives Narrativ zulassen, also alternative Meinungen nicht repräsentieren, wie sich auch die liberale Demokratie schlechthin in einer Repräsentationskrise befindet. Der wesentliche Punkt ist, dass der Globalismus dialektisch den Populismus hervorbringt. Wer vom einen reden will, darf vom anderen nicht schweigen. Es ist das enorme Verdienst von Trump, als erster westlicher Machthaber diesen Konflikt klar benannt und zum politischen Thema gemacht zu haben. Er stellte den „false song of globalism“ gegen die Parole „America First!“

Das wird der wesentliche Konflikt der nächsten Jahrzehnte: Globalismus vs. Souveränismus/ Nationalismus/ Patriotismus/ die identitäre Idee. Der Populismus ist die Antwort und Reaktion auf eine exzessive Machtausdehnung, die zunehmends mehr desktruktive als positive Folgen hat. Globalismus will den freien Strom vom Waren, Kapital und Menschen gewährleisten, der nicht durch Grenzen gestoppt werden soll, die darum auch möglichst abgeschafft werden sollen. Es handelt sich hier um nichts anderes als das, was die Linke „Neoliberalismus“ nennt. Globalismus – oder wie sie es nennen: „Demokratie“ – ist ein Elitenprojekt, das sich die herrschenden Eliten nicht durch lästige Plebiszite (wie etwa den Brexit) verderben lassen wollen. Zu diesem Projekt gehört auch die aggressive Ideologie des Multikulturalismus und der „Diversity“, die nach EU-Kommissar Frans Timmermans „Schicksal der ganzen Welt“ sein soll und muß. Mit ihr werden nach dem Prinzip „Teile und Herrsche“ die Staatsvölker fragmentiert, entkernt, aufgelöst. Doch der Aufstand gegen die übernationalen Oligarchien hat begonnen.

Wie Michael Klonovsky sagte: „Wenn Globalisierung heißt, dass die Staaten zerfallen, dass die Völker entwurzelt und aufgelöst und die Kulturen verramscht werden, dann spucken wir auf sie. Wenn Globalisierung heißt, dass der Planet in die graue Tristesse der Diversity getaucht wird, dann pfeifen wir auf sie.“ Der Begriff des Globalismus muß also unbedingt in den Diskurs über Populismus eingeführt werden, ansonsten man ihn stets im Sinne der globalistischen Eliten und zugunsten ihrer Machterhaltung führen wird. Diese geben sich zwar allerorts als „die Demokratie“ aus, streben jedoch einen Endzustand an, der mit Demokratie im eigentlichen Sinne nichts mehr zu tun haben wird. Der Einspruch dagegen wird seltsamerweise stets als „antidemokratisch“ gebrandmarkt. An dieser Stelle muß das dicke Fragezeichen gesetzt werden, wenn das Thema des Populismus aufgeworfen wird.

Bekennen Sie sich denn nun zur Verfassung, wie Herr Eilersburger Sie fragte?

Das geschah in denunziatorischer Absicht, darum habe ich ihm selbstredend die Antwort verweigert. Ein Philosoph, der mit dem Verfassungsschutz argumentiert, ist nichts weiter als ein selbsternannter Büttel. Da diese Leute merken, dass ihnen die Felle davonschwimmen, werden sie nur noch aggressiver. Trump ist letztlich das Spiegelbild, in dem sie die eigene Häßlichkeit erblicken. Er hat auch nicht gesagt, welche Verfassung er eigentlich meint: die amerikanische, deutsche, österreichische? Also, ich bin kein „Feind“ irgendeiner dieser Verfassungen. Warum auch? In der österreichischen etwa stehen immerhin so populistische Sätze wie: „Österreich ist eine demokratische Republik. Ihr Recht geht vom Volk aus.“ Und in der amerikanischen: „Wir, das Volk der Vereinigten Staaten“ sind „von der Absicht geleitet, unseren Bund zu vervollkommnen, die Gerechtigkeit zu verwirklichen, die Ruhe im Innern zu sichern, für die Landesverteidigung zu sorgen, das allgemeine Wohl zu fördern und das Glück der Freiheit uns selbst und unseren Nachkommen zu bewahren.“ What’s not to like?

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