Kritik an Rettungseinsätzen

Frontex: NGOs unterstützen Schlepper im Mittelmeer

Wochenblick Sondermagazin
By Ggia (Own work) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Frontex wirft den Hilfsorganisationen vor, die Geschäfte der Schlepper zu unterstützen, wenn sie Migranten immer näher an der libyschen Küste aufnehmen.

Der Direktor der EU-Grenzschutzagentur Frontex, Fabrice Leggeri, hat die Rettungseinsätze von Hilfsorganisationen im Mittelmeer vor Libyen kritisiert.

„Wir müssen verhindern, dass wir die Geschäfte der kriminellen Netzwerke und Schlepper in Libyen nicht noch dadurch unterstützen, dass die Migranten immer näher an der libyschen Küste von europäischen Schiffen aufgenommen werden“, sagte Leggeri im Interview mit der Welt“.

Das führe dazu, dass Schleuser noch mehr Migranten als in den Jahren zuvor auf die seeuntüchtigen Boote zwingen.

Wir sollten deshalb das aktuelle Konzept der Rettungsmaßnahmen vor Libyen auf den Prüfstand stellen“, so Leggeri weiter.

Probleme beim Kampf gegen Schlepper

Die Rettungseinsätze der NGOs erleichtern nicht nur die Arbeit der Schlepperbanden, sondern führen auch zu Problemen beim Kampf gegen ebendiese.

„Zuletzt wurden 40 Prozent aller Aktionen durch Nichtregierungsorganisationen durchgeführt“, sagte der Frontex-Direktor. „Das führt auch dazu, dass es für die europäischen Sicherheitsbehörden schwerer wird, über Interviews der Migranten mehr über die Schleusernetzwerke herauszufinden und polizeiliche Ermittlungen zu starten.“

Migration aus Libyen wird steigen

Leggeri rechnet damit, dass die Zahl der Migranten aus Libyen in diesem Jahr erneut ansteigt. Seit Beginn des Jahren hätten trotz des schlechten Wetters bereits mehr als 4500 Migranten die Überfahrt nach Italien gewagt.

Hunderttausende Migranten leben derzeit in Libyen. Aus Westafrika reisen zudem weiterhin viele in die libyschen Küstenorte. Wir müssen in diesem Jahr bereit sein, unter hohem Druck zu stehen. Man sollte damit rechnen, dass 2017 mehr kommen als 2016″, warnte Leggeri.

Frontex sieht Spanien als Vorbild

Gefragt, wie eine kurzfristige Lösung für die Mittelmeerroute aussehen könnte, antwortete der Frontex-Direkt:

„Schauen Sie sich Spanien an. Vor etwa zehn Jahren kamen im Jahr Zehntausende Afrikaner über den Atlantik auf die Kanaren. Tausende starben. Spanien startete daraufhin eine enge Zusammenarbeit mit den afrikanischen Staaten, aus denen die Boote losfuhren. Die Migranten wurden schnell zurück an die afrikanische Küste und oftmals auch in ihre Heimatländer zurückgebracht. Die Route wurde praktisch geschlossen, weil gar nicht mehr die Chance bestand, die Kanaren und damit Europa zu erreichen.“

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