Die verrückte Welt und Sprache der „Social Justice Warrior“

Demonstration für Transgenderrechte
"Social Justice Warrior" beim Aufmarsch; Foto: Ted Eytan; commons.wikimedia.org (CC BY-SA 2.0)

Wer sich regelmäßig im Internet und insbesondere auf Youtube bewegt, stolpert unweigerlich über Beiträge sogenannter „Social Justice Warrior“ oder ihrer Gegner. Die aufmerksamkeitsbedürftigen und oftmals auch verhaltensauffälligen SJWs haben sich – mit Unterstützung des Gendermainstreamings – ein eigenes Neusprech zusammengezimmert, das für Uneingeweihte meist nur sehr schwer verständlich ist. Nachstehend wird versucht, fünf Begrifflichkeiten aus dem Kuriositätenkabinett der Gutmenschenkults kurz und bündig zu erklären. Selbstverständlich erhebt diese Begriffserklärung keinen Anspruch auf Vollständigkeit.

Ein Beitrag von Hugo Stain

Cisgender“ (gemeinhin auch: Cis) sind Menschen, deren Geschlechtsidentität mit dem bei der Geburt (medizinisch) festgestellten Geschlecht übereinstimmt. Dies trifft auf den überwiegenden Teil der Bevölkerung zu und wird weitgehend als natürlich angesehen. Durch SJWs wird diese Begrifflichkeit zumeist abwertend gebraucht, um die eigene moralische Überlegenheit zu betonen. Es wird dabei unterstellt, dass „Cisgender“ ihre privilegierte Stellung ausnutzen würden, um andere Gruppen zu tyrannisieren. Das Gegenteil von „Cisgender“ wird als „Transgender“ bezeichnet.

Gender“ bezeichnet in den modernen Sozialwissenschaften die durch Gesellschaft, Kultur oder persönliche Neigungen geprägten Geschlechtseigenschaften einer Person in Abgrenzung zu ihrem biologischen Geschlecht (engl. „Sex“). Eine eigene begriffliche Unterscheidung zwischen dem sozialen und dem biologischen Geschlecht war im Deutschen bisher unüblich. Mit dem Gendermainstreaming hat der gedehnte Genderbegriff auch im deutschsprachigen Raum Einzug gehalten und wurde durch SJWs inhaltlich aufgeladen. Auf die Spitze getrieben, ist das Geschlecht ein fließender und nicht mehr abzugrenzender Begriff  (auch „Gender Fluid“). Es kann also jederzeit (nach jeweiliger Tagesverfassung) neu ausgewählt oder geändert werden.

Privilege“ ist eine soziologische Theorie, die beanstandet, dass eine bestimmte Person oder eine Gruppe besondere Vorrechte und Vorteile genießt, die der übrigen Gesellschaft nicht zugestanden werden. Ein „Privilege“ wird insbesondere im Kontext sozialer Ungleichheit aufgrund von Alter, Behinderung, Geschlecht, Ethnie, sexuelle Orientierung oder Religion vermutet.  Echte SJWs fordern ihr Gegenüber regelmäßig mit der Phrase „Check Your Privilege“ dazu auf, die eigenen Vorrechte zu überprüfen. Dabei sollen eigene Vorteile kritisch reflektiert werden, die sich aus einer vermeintlichen Privilegierung ergeben (zB weiß, männlich oder heterosexuell). Ein „Privilege“ ist zumeist nicht empirisch belegt, wird aber durch SJWs insbesondere beim weißen Mittelstand als gegeben vorausgesetzt.

Social Justice Warrior“ (gemeinhin auch: SJW) ist eine abwertende Bezeichnung für Personen, die sich offensiv für Gendermainstreaming, Multikulturalismus, Feminismus, künstliche gruppenbezogene Identitäten, soziale Umverteilung und andere (vermeintlich fortschrittliche) Anschauungen einsetzen. „Social Justice“ ist in diesem Sinne nicht wörtlich mit „soziale Gerechtigkeit“ zu übersetzen. Den SJWs geht es bei ihrem Kampf oftmals um sehr persönliche Zielsetzungen und um die Ausweitung des Einflusses ihrer eigenen Interessengruppe (zB Schwarze, Homosexuelle, Transgender-Personen).

White Supremacy“ ist eine Sammelbezeichnung für Ideologien, die heute (angeblich systematisch) die Vorrechte der Weißen erweitert. Es wird dabei unterstellt, dass Weiße sich selbst als die überlegene Hautfarbe begreifen und diese Überlegenheit auch faktisch verteidigen oder ausbauen würden. Stichhaltige empirische Beweise für eine Verschwörung der Weißen in Europa und Nordamerika konnten bisher nicht vorgelegt werden. Ähnlich dem „Privilege“ wird auch „White Supremacy“ insbesondere im Kleinbürgertum und der Arbeiterschaft vermutet. Sich als weißer Mann von dem Vorwurf ein „White Supremacist“ zu sein, freizubeweisen, ist in den meisten Fällen unmöglich. Im Gegensatz zum Strafrecht gilt hier grundsätzlich die Schuldvermutung und ein Gegenbeweis wird nicht zugelassen.

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