In Rotterdam mussten Wasserwerfer eingesetzt werden

Türkische Proteste nach verhinderten Wahlkampf-Auftritten

Wochenblick Sondermagazin
Symbolbild, by Wouter Engler (Own work) [CC BY-SA 4.0 (http://creativecommons.org/licenses/by-sa/4.0)], via Wikimedia Commons

Der Konflikt mit der Türkei spitzt sich immer mehr zu. Nachdem am Samstagabend eine Rede der türkischen Familienministerin Fatma Betül Sayan Kaya verhindert wurde, weigerte sich diese, das Land zu verlassen. Als Reaktion gingen in ganz Europa türkische Protestanten auf die Straße.

Bereits am Tag zuvor verweigerte die niederländische Regierung dem Flugzeug des türkischen Außenminister Mevlüt Cavusoglu die Landung. Der Minister wollte trotz einer klaren Absage der niederländischen Regierung im türkischen Konsulat eine Rede halten.

Ministerin zur „unerwünschten Ausländerin“ erklärt

Auch der türkischen Familienministerin Fatma Betül Sayan Kaya wurde bereits vor ihrer Reise in die Niederlande deutlich gemacht, dass ihr geplanter Auftritt im türkischen Konsulat „unerwünscht“ sei. Dass sie dennoch kam, bezeichnete die niederländische Regierung als „unverantwortlich“. Der marokkanisch-stämmige Bürgermeister der Stadt Rotterdam erklärte heute Morgen in einer Pressekonferenz, dass die Ministerin zur „unerwünschten Ausländerin“ erklärt und deshalb wieder nach Deutschland eskortiert worden sei.

Widerstand und zahlreiche Proteste

Zuvor leistete Sayan Kaya aber heftigen Widerstand und weigerte sich mehrere Stunden lang, den Anweisungen der Behörden Folge zu leisten. Erst nach stundenlangen Verhandlungen konnte sie dazu gebracht werden, in das Auto zu steigen, das sie wieder zurück nach Deutschland brachte. Begleitet wurde die diplomatische Affäre von zahlreichen Protesten in ganz Europa. So gingen auch in mehreren Städten in Deutschland Hunderte Türken auf die Straße, um gegen die aus ihrer Sicht ungerechte Behandlung türkischer Politiker zu protestieren. Neben anderen Parolen riefen sie unter anderem auch „Holland Nazi“.

Wasserwerfereinsatz gegen tobende Menge

In Rotterdam selbst versammelten sich etwa 2.000 Demonstranten vor dem türkischen Konsulat und lieferten sich Auseinandersetzungen mit der Polizei. Durch eine Notverordnung und den Einsatz von Wasserwerfern gelang es dieser, die Protestanten schließlich zu vertreiben. Auch in der Türkei selbst kam es zu mehreren Demonstrationen, woraufhin die türkische Polizei in Ankara und Istanbul die niederländischen Vertretungen abriegeln musste.

Ministerpräsident kündigt Konsequenzen an

Die offiziellen Reaktionen der Türkei fielen, wie zu erwarten war, heftig aus. Der türkische Ministerpräsident kündigte Konsequenzen an. Es solle eine „harte Vergeltung gegen die unakzeptable Behandlung der Türkei und ihrer Minister“ geben. Dem geladenen niederländischen Geschäftsträger wurde umgehend mitgeteilt, dass der sich derzeit im Ausland befindliche Botschafter nicht länger in der Türkei willkommen sei. Der türkische Staatspräsident Recep Tayyip Erdogan bezeichnete nach Angaben der staatlichen Nachrichtenagentur Anadolu die Niederländer als „Nachfahren der Nazis“ und als „Faschisten“.

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