Russlands Selbstverständlichkeit als Vorbild

Was wir von Russland lernen wollen



Andrei Kondrashov, Nikas Safronow, Nathalie Holzmüller
Andrei Kondrashov, Nikas Safronow, Nathalie Holzmüller (Bilder: Stefan Magnet, Collage: Info-DIREKT)

Das Establishment in Russland ist nur optisch mit dem von Westeuropa vergleich-
bar. Werte, Haltung und Gesinnung sind gänzlich anders.

Eine Reportage aus dem Herzen Russlands von Stefan Magnet

Bereits bei der Taxifahrt vom Flughafen ins Moskauer Zentrum fällt auf, dass Russland den verstaubten Kommunismus längst überwunden hat. Blinkende Werbereklamen, Autohäuser westlicher Premiummarken prunkvoll beleuchtet, Shoppingpaläste – der Blick aus dem Taxi zerstört das erste Klischee, das uns westliches Fernsehen eingetrichtert hat.

Der Taxifahrer hat, so wie viele seiner Kollegen, das gelb-schwarze Sankt-Georgs-Band um den Rückspiegel geschlungen. Das ist vergleichbar mit den schwarz-weiß-roten Farben in Deutschland, handelt es sich doch um bedeutende Nationalfarben der russischen Volksgeschichte. Die schwarz-gelben Streifen stehen für nationale Ehre und Kampfbereitschaft, die Farben symbolisieren Feuer und Asche. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde ein Ehrenabzeichen der Roten Armee, die Medaille „Sieg über Deutschland“, gemeinsam mit dem Sankt-Georgs-Band verliehen. Nach dem Anschluss der Halbinsel Krim im Jahr 2014 wehten die gelb-orangen Flaggen wieder überall in Russland. Auch auf der Krim. „Das starke Vaterland ist zurück“, sagte mir damals eine aus St. Petersburg stammende Freundin, nach ihrer Eigendefinition „National-Bolschewistin“.

Historische Unbefangenheit

Russland geht offener mit seiner Vergangenheit um. Auf uns Österreicher, die wir den Gang nach Canossa als Teil unseres Lebens akzeptiert haben, wirkt das erfrischen frei. Als Stalin-Darsteller verkleidete Straßenkünstler werben für Fotos mit Touristen, Reiterstandbilder russischer Nationalhelden zieren jeden größeren Platz und Kerzen und Kränze vor den toten Helden der Nation an der Kremlmauer. In Russland kann man sich anschauen, wie es ist, wenn man zur Siegernation gehört.

Dass Russland heute technisch und militärisch fortschrittlich aufgestellt ist und es modern und zugleich traditionell wirkt, ist keine Selbstverständlichkeit. Die Souveränität musste gerade nach dem Ende der Sowjetunion erstritten werden. Damals verstanden es westliche „Geschäftsleute“ ganz ausgezeichnet die Orientierungslosigkeit und Naivität des Ostens auszunutzen und führten das Land fast in den Ruin. Jetzt ist Russland längst auf der Weltbühne zurück und die Menschen konnten in 25 Jahren ein neues Selbstverständnis entwickeln.

Im Gespräch mit Russlands Medienmachern

Andrei Kondrashov und Stefan Magnet
Andrei Kondrashov im Gespräch mit Stefan Magnet.

Die in Wien lebende Russin Nathalie Holzmüller, die in Österreich beispielsweise den traditionellen „Russenball in der Hofburg“ veranstaltet, ist bei unserer Russlandreise so etwas wie ein magischer Türöffner. Sie kennt hochrangige Politiker, Künstler, Medienmacher – kurzum, sie hat beste Kontakte zum Moskauer Establishment.

Neben vielen interessanten Gesprächen war ein Interview mit dem Fernsehmoderator und Filmproduzenten Andrei Kondrashov besonders aufschlussreich. Kondrashov ist „Head of News“ des größten russisch Staatssenders „Russland 1“ und moderiert die Hauptnachrichten. Er ist so etwas wie der Armin Wolf von Russland, nur eben mit 100 Millionen Zusehern statt einer Million.

Wir treffen Andrei Kondrashov in seinem Büro in Moskau – ein mächtiger Komplex, aber im Vergleich zum Wiener Küniglberg des ORF mit wenig äußerlichem Prunk. Auch die Büros sind schlicht, gedanklich höre ich unsere heimischen Journalisten tuscheln, dass alles „etwas kommunistisch wirkt“. Doch diese Schlichtheit ist geradezu vorbildlich, ja im wahrsten Sinne des Wortes notwendig, wenn es darum geht, …

Lesen Sie diese Reportage im aktuellen Info-DIREKT Magazin weiter! Dann erfahren Sie, warum Andrei Kondrashov seine Kollegen im Westen bedauert und sind zudem bei einem Besuch im mehrstöckigen Penthouse von Wladimir Putins Lieblingsmaler Nikas Safronow dabei. Dieser erzählt uns, was aus seiner Sicht die Aufgabe der Kunst in der heutigen Zeit ist …

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