Europa sei auf die 5 Millionen Türken angewiesen

Präsident Erdogan droht mit der „Türkisierung“ Europas

Wochenblick Sondermagazin
Recep Tayip Erdogan, via Pixabay

In einer Wahlkampf-Rede zum anstehenden Verfassungsreferendum in der Türkei drohte Staatspräsident Erdogan unverhohlen mit einer „Türkisierung“ des europäischen Kontinents.

Der Wahlkampf in der Türkei ist in der finalen Phase angekommen. Am morgigen Sonntag sollen die 55,3 Millionen wahlberechtigten Türken über die geplante Einführung eines Präsidialsystems abstimmen. Dieses System würde dem derzeitigen Staatspräsidenten Recep Tayip Erdogan wesentlich mehr Macht einbringen. Kritiker waren vor einer Bedrohung für die Demokratie und vor dem Untergang der türkischen Republik nach Atatürk.

„Europa wird bald türkisch sein“

Wie die Krone berichtet, soll Erdogan im Zuge eines Wahlkampfsauftritts vergangen Donnerstag unverhohlen mit der „Türkisierung“ von Europa gedroht haben. Die Europäer wären laut Erdogan auf die in Europa lebenden Türken angewiesen:

„Was sie auch tun, es ist vergeblich. Die Zukunft Europas werden unsere fünf Millionen Brüder formen, die sich aus der Türkei dort angesiedelt haben. Für Europa, dessen Bevölkerung altert, dessen Wirtschaft erlahmt und dessen Kraft versiegt, gibt es keinen anderen Ausweg.“

Kein Ende des Konflikts in Sicht

Ein Ende des derzeitigen Konflikts zwischen Europa und der Türkei ist derzeit also keineswegs in Sicht. In seiner Rede warf Erdogan den Europäern erneut Islamfeindlichkeit und Rassismus vor:

„Das Make-up im Gesicht Europas zerfließt. Das darunterliegende faschistische, rassistische, fremdenfeindliche, islamfeindliche Gesicht hat angefangen, sich zu zeigen. Sie haben nun angefangen zu zeigen, dass sie islamfeindlich sind. Sie können Muslime nicht ertragen.“

Die Türkei sei nicht länger der „Prügelknabe“ Europas, bald werde „jeder ihren Platz kennen“, fährt Erdogan fort.

Deutschland fordert verbale Abrüstung

Unterdessen forderte der deutsche Außenstaatsminister Michael Roth (SPD) laut der „Welt“ eine „verbale Abrüstung“. Die ständigen „Die Nazi-Beschimpfungen“ seien unerträglich. Außerdem wies er auf die gegenseitige Abhängigkeit zwischen Deutschland und der Türkei hin:

„Eine diplomatische Schockstarre würde uns, wie auch der Türkei schaden. Die Türkei braucht uns mindestens genauso sehr wie wir sie.“

Erdogan sieht das offenbar anders. Es bleibt abzuwarten, wie sich das deutsch-türkische Verhältnis nach dem Referendum entwickeln wird.

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