Überdurchschnittlich viel Zustimmung

Mehrheit der Türken in Europa steht hinter Erdogan

Wochenblick Sondermagazin
© Raimond Spekking / , via Wikimedia Commons (CC BY-SA 4.0)

Am Sonntag stimmten die Türken mit etwa 51,3% der Stimmen für die Einführung eines Präsidialsystems. Auffallend ist, dass überdurchschnittlich viele in Europa lebenden Türken den Machtausbau ihres Staatspräsidenten Erdogan unterstützen.

Zu Jahresbeginn 2017 lebten in Österreich offiziell 116.879 Personen mit türkischer Staatsbürgerschaft und waren damit für das türkische Verfassungsreferendum wahlberechtigt. Während in der Türkei selbst nur eine knappe Mehrheit für ein „Evet“ stimmte, waren es in Österreich insgesamt 73,23 Prozent und damit deutlich mehr. Das meldete heute unter anderem die „Krone“ unter Berufung auf die amtliche Agentur „Anadolu“.

Große Unterstützung unter „Austro-Türken“

Doch auch ein großer Teil der sogenannten „Austro-Türken“, welche die österreichische Staatsbürgerschaft besitzen, unterstützt die Großmachtpolitik des türkischen Staatspräsidenten Erdogan. Diesen Schluss legt etwa eine Reportage des „Kuriers“ in Wien nahe:

„Wir sind Austro-Türken, wie ihr immer sagt“, erzählen sie. Sie stellen schnell klar, Anhänger von Erdoğan zu sein. Mitgestimmt beim Referendum hätten sie aber nicht, schließlich seien sie österreichischer Staatsbürger.

Zu erwähnen ist außerdem, dass zumindest ein kleiner Teil der „Austro-Türken“ illegal auch die türkische Staatsbürgerschaft besitzt. Info-Direkt berichtete.

Europaweiter Trend

Doch nicht nur die Türken in Österreich stehen zu einem großen Teil hinter Erdogan. Belgien erzielte mit 75,1% „Evet“-Stimmen den europäischen Höchstwert, die Niederlande liegen mit 71 Prozent nur knapp hinter Österreich. Deutschland belegt mit 63,1 Prozent den vierten Platz. Zu beachten ist jedoch, dass ein Teil der türkischen Staatsbürger in Europa auch Kurden oder Aleviten sind und infolgedessen wohl für „Nein“ gestimmt haben. Damit ergibt sich für die tatsächlichen Türken eine noch höhere Zustimmung. Darauf weist unter anderem der prominente Islamkritiker Hamed Abdel-Samad in einem Facebook-Posting hin und erklärt die Integration folgerichtig für gescheitert:

Kein Mensch kann mir danach erzählen, dass die Integration nicht gescheitert ist. Propaganda für das „Ja“ in Deutschland haben nicht etwa die benachteiligten oder arbeitslosen Türken gemacht, sondern jene Krawatten-Islamisten, die gute Berufe haben und perfekt Deutsch sprechen. Es waren jene grinsende Kopftuch-Muslimas, die uns verkaufen wollen, dass das Kopftuch ein Zeichen ihrer Emanzipation sei.

Erdogan: Türken sind Zukunft Europas

Erdogan selbst ist sich der Unterstützung „seiner“ in Europa lebenden Türken mehr als nur bewußt. Er setzte sie in seinem Wahlkampf gezielt zur Stimmungsmache und zum Schüren europa-feindlicher Ressentiments ein. Die diplomatischen Konflikte zwischen der Türkei und westeuropäischen Ländern wie Deutschland und der Niederlande aufgrund türkischer Wahlkampfauftritte zeugen davon. Doch Erdogan geht noch weiter – in einem seiner letzten Wahlkampfauftritte kündigte er unverhohlen eine „Türkisierung Europas“ an:

„Was sie auch tun, es ist vergeblich. Die Zukunft Europas werden unsere fünf Millionen Brüder formen, die sich aus der Türkei dort angesiedelt haben. Für Europa, dessen Bevölkerung altert, dessen Wirtschaft erlahmt und dessen Kraft versiegt, gibt es keinen anderen Ausweg.“

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