Kampagnen-Auftakt für Stichwahl

Fabrik besucht: Pfiffe für Macron, Jubel für Le Pen

Wochenblick Sondermagazin
Bild: Screenshot Youtube (euronews)

Die beiden Präsidentschaftskandidaten besuchten eine Fabrik in Macrons Heimatstadt Amiens. Die streikenden Arbeiter buhten Macron jedoch aus und jubelten stattdessen Le Pen zu.

Der Kandidat des Establishments Macron hat am Mittwoch zum Auftakt der Stichwahl einen Rückschlag hinnehmen müssen. Macron wurde nämlich bei seinem Besuch eines Werks der US-Firma „Whirlpool“, das nach Polen ausgelagert werden soll, von den dort streikenden Arbeitern ausgebuht und ausgepfiffen.

Le Pen stiehlt Macron die Schau

Kurz zuvor besuchte Macrons Konkurrentin um das Präsidentschaftsamt, Marine Le Pen, überraschend die Fabrik. Im Gegensatz zum später eintreffenden Macron wurde die Chefin des Front National jubelnd begrüßt. Die Arbeiter machten sogar Selfies mit der patriotischen EU-Kritikerin. Den Arbeitern versprach sie, den US-Konzern mit einem Strazoll von 35 Prozent zu belegen, sollte „Whirlpool“ in Zukunft von Polen aus seine Produkte nach Frankreich importieren.

Bei ihrem Besuch verwies Le Pen außerdem darauf, dass sie auf der „Seite der Arbeiter“ sei und „jeder wisse, dass Macron auf der Seite der Unternehmen stehe“, berichtet „Ö24„. Als wenige Stunden später Macron eintraf, riefen einige Menschen „Marine présidente“ („Marine Präsidentin“). Laut Nachrichtenagentur AFP sollen auch Mitarbeiter des Front National in der Menge gestanden haben.

Steigen nun Le Pens Chancen?

Der amerikanische Haushaltsgerätehersteller „Whirlpool“ hatte im Jänner angekündigt, die Fabrik mit derzeit 290 Arbeitern bis Juni 2018 schließen zu wollen und die Produktion nach Polen zu verlegen. Beim ersten Wahlgang gaben in der nordfranzösischen Region Hauts-de-Fance, zu der Amiens gehört, gut 31 Prozent der Wähler Le Pen ihre Stimme, während Macron nur auf 19 Prozent kam.

Bei der Stichwahl gilt der linksliberale Macron dennoch als Favorit, der laut ersten Umfragen bei ungefähr 60 Prozent liegt. Spannend bleibt jedoch, ob sich die neuesten Ereignisse sich auch auf die Umfrageergebnisse auswirken und Le Pen den Abstand verringern kann.

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