Die Zahlen aus dem letzten Jahr schockieren

Italien: Weniger als drei Prozent der Ankommenden sind Flüchtlinge

Wochenblick Sondermagazin
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Von Vito Manzari from Martina Franca (TA), Italy - Immigrati Lampedusa, CC BY 2.0, https://commons.wikimedia.org/w/index.php?curid=8976081

Der Ansturm auf Italien sorgt derzeit für Schlagzeilen: Nicht nur dass NGOs mit Schleppern zusammenarbeiten, sorgte auch Alexander Van der Bellen für Wirbel: Er will nicht, dass die Mittelmeer-Route geschlossen wird. Dabei erhielten nicht einmal drei Prozent der Ankommenden einen Flüchtlingsstatus in Italien.

von Patrick Lenart

Alexander Van der Bellen sprach sich diese Woche dafür aus, dass die Mittelmeer-Route offen bleiben muss. Die Menschen würden sonst „zugrunde gehen“. Nicht nur, dass viele Kritiker (wie der Sizilianische Bürgermeister Luigi Ammatuna) den NGOs und Behörden Mitschuld am Sterben im Meer geben – auch die Zahlen aus dem letzten Jahr sprechen eine ganz andere Sprache.

Über 180.000 Migranten

Ein UN-Bericht vom Februar zeigt für das Jahr 2016 nämlich, dass 181.436 Migranten über das Mittelmeer nach Italien gelangten. Sie kamen vor allem aus Nigeria (37.551), Eritrea (20.718), Guinea (13.345), Elfenbeinküste (12.396), Gambia (11.929), Senegal (11.929), Mali (10.327), Sudan (9.327), Bangladesch (8.131) und Somalia (7.281). Nur 5200 kamen aus Syrien, wobei es im zweiten Halbjahr nur noch 1200 waren.

Die Zahlen geben naturgemäß nur diejenigen Migranten wieder, die von NGOs und Behörden registriert wurden. Unter den Ankommenden waren rund 71 Prozent Männer. Nur 13% waren Frauen, der Rest wurde als unbegleitete Minderjährige gezählt.

Nicht einmal drei Prozent erhielten Flüchtlingsstatus

Die „Asylum Information Database“ von ECRE (eine Asyllobby-Organisation, die unter anderem von der EU-Kommission und der UNHCR finanziert wird) gibt mit Verweis auf Eurostat wieder, wie es für die Ankommenden nach ihrer Ankunft weiterging.

Nur 123.370 der Ankommenden stellten einen Asylantrag in Italien. 89.875 abgeschlossene Verfahren zeigen wiederum folgendes Bild:

  • 4800 wurden als Flüchtlinge anerkannt (5,3%)
  • 12.090 erhielten subsidiären Schutz (13,5%)
  • 18.515 erhielten humanitäres Schutz (20,6%)
  • In 54,470 wurde der Antrag abgelehnt (60,6%)

Setzt man die 4800 anerkannten Flüchtlinge mit den 181.436 Migranten in Beziehung, wurden nur 2,64 Prozent aller  registrierten Ankommenden in Italien als Flüchtling anerkannt. Warum Alexander Van der Bellen trotzdem pauschal von Flüchtlingen spricht, bleibt ein Rätsel.

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