Domainregistrierungen erlauben Spekulationen.

Neuer Beweis: „Liste Kurz“ von langer Hand geplant

Wochenblick Sondermagazin
By GuentherZ (Own work) [CC BY 3.0], via Wikimedia Commons

Es ist nur ein kleiner Eintrag in einer Datenbank, aber was man daraus ableiten kann, hat es in sich. Douglas Hoyos, Vorsitzender der NEOS-Jugendorganisation JUNOS, registrierte bereits am 20. März die Domains listekurz.at und liste-kurz.at. Der am 10. Mai zurückgetretene Reinhold Mitterlehner galt offensichtlich schon lange nur noch als Platzhalter für den ehrgeizigen Sebastian Kurz und seine weitgehend unbekannten Hintermänner. Ob der Junos Vorsitzende aus „herausragend gutem Haus“ einer dieser Hintermänner oder Mitstreiter ist, darf spekuliert werden.

von Florian Machl

Wer ist dieser Douglas Hoyos, der schon am 20. März wusste, dass Sebastian Kurz am 14. Mai mit der Idee einer Liste „Sebastian Kurz – die neue Volkspartei“ an die Öffentlichkeit treten würde? Die Adelsfamilie Hoyos hat in Österreich lange Tradition, große Besitztümer und weitreichenden Einfluss. Vor allem in Niederösterreich ist eine enge Beziehung mit den Platzhirschen der ÖVP zu beobachten. Ebendort begann Douglas Hoyos seine Karriere – zuerst als Praktikant, dann als Geschäftsführer im Erlebnispark Rosenburg – im Eigentum der Familie Hoyos. Danach, und das ist im Kontext durchaus interessant, führte die berufliche Karriere zur Raiffeisen Bank International. Hoyos ist aber keineswegs, wie man vielleicht denken könnte, Mitglied der ÖVP oder JVP, sondern startete seine politische Karriere in der Jugendorganisation der NEOS, den JUNOS. Ebendort, wo Kurz seit geraumer Zeit nachgesagt wird, mit Vehemenz um Mitglieder aber auch Funktionäre und Abgeordnete zu buhlen.

Steht die Raiffeisenbank hinter Kurz?

Es gibt eigentlich nur zwei logische Möglichkeiten für die „seherische“ Vorwegnahme der Ereignisse durch die Domainregistrierung vor zwei Monaten. Entweder Hoyos hat über sein Freundesnetzwerk von Kurz‘ Plänen erfahren, die beispielsweise auch im ÖVP-nahen CV (Cartellverband) seit Monaten intern diskutiert werden. Die Domainregistrierung erfolgte dann aus politischer Rivalität, also gewissermaßen als Streich. Oder aber, Hoyos zählt zu den Hoffnungsträgern der Liste Kurz und wird in weiterer Zukunft in deren Nähe zu finden sein. Wenn dem so ist, wäre sicherlich zu durchleuchten, ob die Pläne des Herrn Kurz nicht auch mit der mächtigen Hausbank der ÖVP, der Raiffeisen akkordiert sind.

Lange Vorarbeit nötig

Dass Kurz im Prinzip die Österreichische Volkspartei „sterben lassen will“ und daraus die „Liste Kurz – die neue Volkspartei“ macht, erstaunt und beeindruckt zur Zeit viele. So ein Vorgang wäre aber niemals im Alleingang möglich. Der Umbau der Partei und die Entmachtung der Bünde wäre niemals ohne starke Partner im Hintergrund schaffbar. Dass dazu mehrere Monate Vorarbeit benötigt wurden, muss einem Kenner der heimischen Politszene klar sein.

Die Internet-Domains neuevolkspartei.at, neue-volkspartei.at und dieneuevolkspartei.at wurden jedenfalls erst am 12. Mai von einem Roland Fenk registriert. Der Unternehmer aus Eisenstadt steht der Volkspartei, insbesondere der JVP, nicht sehr fern.

 

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