Ein Resümee:

Die Buntheit, die sie meinen: Felix Baumgartner und der Spiegel der Gerechtigkeit

Wochenblick Sondermagazin
By SZERVÁC Attila (Own work) [CC BY-SA 4.0], via Wikimedia Commons

Mit verschiedenen Narrativen – mit sinnstiftenden Erzählmotiven – wird versucht, über Medien und Politik eine positive Stimmung für Masseneinwanderung in der Bevölkerung zu schaffen. In der Serie »Die Buntheit, die sie meinen« wurde jede Woche eine dieser Lügen aufgegriffen und kritisch betrachtet. Heute ziehen wir ein Resümee.  

Ein Kommentar von Siegfried Waschnig

Narrative sind sinnstiftende Erzählungen, die unsere Wahrnehmung beeinflussen und dafür mitverantwortlich sind, wie wir auf Vorkommnisse reagieren. Sie bilden sozusagen eine Blase, aus der wir unsere Welt beurteilen, unsere Werte beziehen und Entscheidungen treffen. Gerade die »Flüchtlingskrise« bietet eine wunderbare Möglichkeit diese Blasen zu erkennen und unterschiedliche Reaktionen auf ein und dieselbe Aussage zu beobachten. Oft wird mit zweierlei Maß gemessen. Mit einem Facebook-Post hat Felix Baumgartner der Gesellschaft einmal mehr einen Spiegel vor Augen gehalten und eine dieser »Blasen« sichtbar gemacht. Die Hysterie auf seinen Post ist symptomatisch für eine tief gespaltene Gesellschaft.

Zweierlei Maß für ein und dieselbe Aussage

Die Aufregung nahm ihren Anfang als Felix Baumgartner einen Artikel aus der Info-DIREKT-Reihe „Die Buntheit, die sie meinen“ auf seiner Facebook-Seite teilte. Besonders das Zitat wonach Flüchtlinge selbst in ihrer Muttersprache nur sehr eingeschränkt lesen und schreiben könnten, sorgte für Aufregung. Felix Baumgartner wettere und hetze gegen Flüchtlinge – das war der Grundtenor der Bewohner der »guten« Blase.

Nur »die Guten« sagen das Richtige

Eineinhalb Jahre zuvor hatte schon einmal jemand zum gleichen Thema Stellung bezogen. Auch er hielt es für unrealistisch, dass die erwachsenen Flüchtlinge bei uns den Fachkräftemangel lösen werden. Er warnte, dass die Mehrheit der jungen Flüchtlinge an einer Vollausbildung mit hohem Theorieanteil scheitern würde, da zwei Dritteln der jungen Syrer als funktionale Analphabeten gelten. Hier blieb die Aufregung aus. Die Meinung wurde in der etablierten Wochenzeitung »Die Zeit« geäußert. Auf Einladung darf man das und auch nur dann wenn man in der richtigen Blase lebt.

Déjà-vu an der Grenze

Vor eineinhalb Jahren standen hunderte Menschen am Grenzübergang Spielfeld und verliehen ihrer Sorge um die unkontrollierte Masseneinwanderung Nachdruck. Sie forderten sichere Grenzen und Hilfe vor Ort in den Ursprungsländern. Gleichzeitig hat die FPÖ wegen des unverantwortlichen Vorgehens der Regierenden Neuwahlen gefordert und wollte die Bevölkerung bei diesen gravierenden Veränderungen unseres Landes miteinbeziehen. In den Medien wurden die einen als Rechtsextreme und Rassisten dargestellt und die anderen als Hetzer verunglimpft.

Die Blase macht blind

Zu dieser Zeit war ÖVP-Kanzlerkandidat Kurz noch vom hohen Bildungsniveau der Zuwanderer überzeugt und forderte mehr Willkommenskultur. Auch die AMS-Chefs Kopf und Draxler waren beeindruckt vom vermeintlichen Bildungsniveau der Zuwanderer. Gleichzeitig gaben sie zu, dass die Angaben der Zuwanderer über Matura und Studium nicht überprüft werden. Für sie gab es keinen Hinweis, dass „die Menschen uns anlügen“ und sie gingen davon aus, dass „sie uns das Richtige sagen“. Die Blase sollte nicht in Aufregung geraten, die Blase duldete keine Kritik. Heute wissen wird, dass es anders ist.

Der »geläuterte« Polit-Star

Eineinhalb Jahre später gibt es noch immer verschiedene Blasen. Aber die, die vor Monaten noch empört auf die andere Blase gezeigt haben, scheinen nun doch anderer Meinung zu sein. Zumindest wollen sie uns das glauben machen. Kurz fordert Hilfe vor Ort, da sie „nachhaltiger ist und wir mehr Menschen damit erreichen“. Auch den Schutz der EU-Außengrenzen hält er nun für wesentlich. Eine Parteikollegin forderte gar die »Festung Europa«. Selbst SPÖ-Kanzler Kern, der bei seinem politischen Gegner gerne von »Kräften der Finsternis« spricht, hat nun scheinbar auch seine Meinung geändert und ist für Lösungen, die er vor Monaten noch für verächtlich hielt. Vielen dämmert nun, dass gravierende Missstände auf deren Blauäugigkeit beruhen.

Der Spiegel der Gerechtigkeit

Der Unterschied zwischen den Blasen liegt in den Möglichkeiten, die sie bereithalten. Während Staatsversagen, Kurzsichtigkeit und Unverantwortlichkeit in der einen Blase mit Aussicht auf den Kanzlerposten belohnt wird, ist man in der anderen Blase für das Aussprechen von unangenehmen Wahrheiten – die dann doch irgendwann übernommen werden – mit einem gesellschaftlichen Stigma belegt. Darum ist das Eintreten für Rationalität und Fakten durch Postings wie von Felix Baumgartner so wichtig. Sie halten Entscheidungsträgern einen Spiegel vor und gleichzeitig erweitern sie den Argumentationsspielraum auf die »andere Blase«. Mutlosigkeit, Mitläufertum und Verantwortungslosigkeit dürfen nicht in Posten und Pfründe münden. Der Spiegel der Gerechtigkeit, gepaart mit eigenverantwortlicher und mutiger Auseinandersetzung mit den Tatsachen, zeigt das wahre Kleid der Kaiser und entzaubert sie ihrer Lügen. Und das kann einer Gesellschaft Flügel verleihen.

Siegfried Waschnig ist Doktorand im Fach Philosophie, parlamentarischer Mitarbeiter, Vater von fünf Kindern. Er hält die Debatte über Kultur, Heimat und Zuwanderung nur auf Vernunftebene lösbar.

 

 

 

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