Der fraktionslose Abgeordnete Marcus Franz über seine politische Zukunft nach der Wahl

„Parteien – das sind alte Konzepte“

Marcus Franz
Bildrechte: Marcus Franz

Für die vier „wilden“ Abgeordneten im Nationalrat könnten die Neuwahlen im Herbst das Ende ihrer politischen Karriere bedeuten. Info-DIREKT sprach heute mit einem dieser fraktionslosen Nationalräte über dessen politische Zukunft. 

Herr Franz, Sie sind parteifreier und fraktionsloser Abgeordneter im österreichischen Nationalrat. Es scheint so gut wie sicher, dass im Herbst Neuwahlen stattfinden. Ist damit auch das Ablaufdatum ihrer politischen Arbeit festgelegt?

Marcus Franz: Ich hoffe nicht, weil ich bin gerne in der Politik und ich denke, ich habe einiges zu sagen und will mich weiter einbringen. Österreich kann wertkonservative und wirtschaftsliberale Patrioten wie mich gut gebrauchen.

Wie war während ihrer Zeit im ÖVP-Parlamentsklub das Verhältnis zu Sebastian Kurz?

Marcus Franz: Wir haben uns natürlich kennengelernt und ich habe das Gefühl, wir sind uns sympathisch, auch sind wir in etlichen wichtigen Punkten einer Meinung.

Könnten Sie sich vorstellen, für die neue „Liste KURZ“ anzutreten?

Marcus Franz: Bis jetzt hat mich keiner gefragt. Ich persönlich habe meine bürgerliche und konservative, durchaus nationale, aber auch proeuropäische Haltung nie verändert. Wer Franz will, weiß was er bekommt. Zum Glück musste ich mich in meiner politischen Tätigkeit nie verbiegen und bin allen meinen Grundsätzen treu geblieben. Das liegt natürlich auch daran, weil ich nicht von der Politik ökonomisch abhängig bin. Wenn Sie mich einordnen wollen: Nach internationalen Kriterien bin ich ein klassischer US-Republikaner wie etwa der amerikanische Arztkollege Ron Paul, der auch Präsidentschaftskandidat war oder auch wie sein Sohn Rand Paul. Der ist ebenfalls Arzt und in der Politik.

Hat es zu Ihrer Zeit bereits Überlegungen der ÖVP gegeben bei der nächsten Wahl nicht mehr unter dem Namen ÖVP anzutreten?

Marcus Franz: Nein, davon ist mir nichts bekannt.

Auch die Brücken zum Team Stronach dürften nicht vollkommen abgebrochen sein. So schreiben Sie für das Magazin „Frank&Frei“, welches vereinfacht gesagt eng mit der Team Stronach Akademie verbunden ist. Das Team Stronach wird vermutlich unter geänderten Namen wieder antreten. Wäre das dann auch für Sie wieder eine Option?

Marcus Franz: Wie gesagt, ich stehe für ein wirtschaftsliberales und wertkonservatives Weltbild, man findet da im rechten Lager mit einigen Gruppierungen Überschneidungen und Konsens in grundsätzlichen Fragen. Ich glaube auch, dass die Zeit der unbedingten und fixen Parteizuordnungen vorbei ist, siehe Frankreich. Es geht eher um Strömungen und Haltungen, die auf der persönlichen Weltanschauung basieren. Es bilden sich ständig neue Allianzen.

Warum haben Sie sich damals vom Team Stronach zur ÖVP gewechselt?

Marcus Franz: Ich war damals wirklich enttäuscht, dass der Arztkollege und von Frank Stronach persönlich ernannte Partei-Vize Wolfgang Auer in einer unschönen Art und Weise und aus mir nicht nachvollziehbaren Gründen von seiner Position wieder entfernt wurde. Mit ihm hätte ich mir eine gute Zukunft vorstellen können. Da sich aber die Pläne zerschlagen haben, sah ich für mich die Zeit gekommen, über meine politische Zukunft nachzudenken. Kurz danach kam das Angebot der ÖVP.

Gibt es schon einen Gesprächstermin mit der FPÖ über ihre politische Zukunft? Bei der Ärtzekammerwahl in Niederösterreich sind Sie ja bereits für die FPÖ angetreten. Wäre es eine Option für Sie auch bei der Nationalratswahl für die Freiheitlichen zu kandidieren?

Marcus Franz: Mit der FPÖ gibt es einer hervorragende Zusammenarbeit und auch sehr gute persönliche Verhältnisse. Bei der Kammerwahl haben wir knapp den Einzug verpasst, aber da stehen wir erst am Anfang und werden in Niederösterreich weiter Standespolitik für die Ärzte betreiben.

Sind Sie überhaupt „parteitauglich“? Oder haben Sie sich mittlerweile als Einzelkämpfer zu sehr an die Vorzüge des freien Mandats gewöhnt?

Marcus Franz: Gute Frage! Ich bin ein Mensch, der klar seine Meinung sagt und diese auch argumentieren kann, das ist manchmal für andere schwierig. Vor allem, wenn man selber eine Meinung hat oder haben muss, die man gewissen Interessen unterordnet oder weil überhaupt Lobbys die Meinung bestimmen. Aber grundsätzlich bin ich ein verträglicher Mensch, der sich auch einordnen kann. Ohne Kompromisse geht es im Leben nicht, soviel ist sicher. Für mich gilt: Zuerst Konflikt und Diskussion, dann erst Konsens. Nicht umgekehrt!

Was hat Sie dazu veranlasst in die Politik zu gehen? Sie waren Primar in einem Wiener Krankenhaus – Langeweile und Geldsorgen werden es wohl nicht gewesen sein, die Sie in die Politik gelockt haben?

Marcus Franz: Mich hat das Programm von Frank Stronach damals angesprochen. Es war einfach, zielsicher und hat gepasst. Viele Teile daraus passen noch immer. Aus meiner Sicht war vor allem auch Frank anfangs sehr authentisch, weil er weltberühmt ist und reich, er musste nichts mehr beweisen und nichts mehr verdienen. Deswegen war sein Anspruch, etwas Politisches für Österreich tun zu wollen, absolut glaubwürdig.

Der Einzug als parteifreier Abgeordneter in den Nationalrat dürfte kaum möglich sein. Wo sehen Sie sich selbst Ende Oktober 2017 nach den Wahlen? Sind Sie dann noch im Parlament und bei welcher Partei wäre Ihnen das am liebsten?

Marcus Franz: Ich werde keiner Partei mehr beitreten. Am Beginn meiner politischen Tätigkeit war „Partei“ überhaupt kein Thema, im Team Stronach war Parteizugehörigkeit nicht gefragt, da sich das Team Stronach als Bewegung verstanden hat und noch immer versteht. Das war damals auch ein Grund, mit zu machen. Und wie schon gesagt: ich glaube, in Zukunft werden persönliche Haltungen und Persönlichkeiten mit Überzeugungen viel mehr zählen als „die Partei“. Parteien – das sind alte Konzepte. Wahlplattformen und Allianzen auf der Grundlage von Überzeugungen sind die Zukunft. Die neue Demokratie wird sich in diesen Begriffen abspielen, weniger in Parteien. Umso wichtiger ist die Haltung!

Sofern Sie es nicht mehr ins Parlament schaffen, wie werden sie dann weiterhin für Ihre Überzeugung eintreten?

Marcus Franz: Sollte ich es nicht mehr ins Parlament schaffen, werde ich mit den echten Patrioten in diesem Land weiter zusammenarbeiten und darauf schauen, dass wir eine eigenständige Nation in Europa bleiben. Vielleicht gelingt dann in 5 Jahren ein Wiedereinzug. Jetzt wird einmal alles diskutiert. Und weil „Parteiwechsel“ immer so ein Thema ist: Winston Churchill hat vier Mal die Fraktion gewechselt, er ist trotzdem oder gerade deswegen einer der größten Politiker des 20. Jahrhundert geworden.

Vielen Dank für das Interview!

Zur Person

Marcus Franz ist praktizierender Arzt. Er begann seine politische Karriere 2013 als Quereinsteiger beim Team Stronach. Nach einem kurzen Ausflug in die ÖVP, ist er nun seit 2016 parteifreier Abgeordneter ohne Klubzwang. Vielen unserer Leser ist er durch seine Gastbeiträge auf info-direkt.eu und im Magazin Info-DIREKT bekannt. Marcus Franz bezeichnet sich auf seinem Blog als „konservativen Rebell“.

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