Nächster Verhandlungstag

Jihadisten-Prozess: Sogar zweijährige Kinder mussten IS-Videos sehen

Bildquelle: APA

Im Grazer Straflandesgericht ist am Mittwoch der Prozess gegen zwei mutmaßliche Jihadisten-Paare fortgesetzt worden. Den Angeklagten wird Teilnahme an der Terrororganisation Islamischer Staat (IS) vorgeworfen. Außerdem müssen sie sich wegen Quälens ihrer Kinder verantworten, da sie ihnen grausame IS-Propaganda-Filme gezeigt haben sollen. Befragt wurde am dritten Tag eine der beiden Frauen.

Der Partner der Angeklagten, die als Dritte befragt wurde, ist auch wegen versuchten Mordes angeklagt. Er soll als Scharfschütze in einer Kampftruppe mindestens einen Gegner schwer verletzt haben. Das Paar hat fünf Kinder und lebte in der Weststeiermark. Laut Aussagen der 39-Jährigen wurde sie dort immer wieder angegriffen und beleidigt, meist wegen ihres Kopftuchs bzw. Nikab. Sie selbst ist in Österreich geboren und erst wegen ihres Lebensgefährten zum Islam übergetreten. „Ich liebe alles, was mit dem Islam zu tun hat. Ich habe ihn durch meinen Mann nur von der schönsten Seite kennengelernt“, zeigte sie sich nach wie vor begeistert.

Kinder mussten IS-Gräuelvideos sehen

Die ganze Familie ging im Dezember 2014 nach Syrien. Dort musste der Mann eine Ausbildung machen, die Frau blieb mit den Kindern in der vom IS zugeteilten Wohnung meist allein. Gelebt hat sie nach eigenen Angaben von jenem Geld, das sie aus Österreich mitgebracht hatte. Womit sie selbst nicht gerechnet hatte war, dass die Kinder – das kleinste war erst zwei Jahre – auf Schritt und Tritt mit den Gräuelvideos des IS konfrontiert waren, die in der Stadt auf großen Leinwänden dauernd gezeigt wurden. Das habe sie nicht gewusst, wie so vieles andere nicht. „Ich habe gedacht, Syrien ist schön und Gott wird helfen, wenn man hinuntergeht“, erklärte sie. Politisch habe sie „so gut wie nichts verfolgt“, sie war der Überzeugung „Böses passiert Gläubigen nicht“.

Mann soll Anführer einer IS-Kampfgruppe gewesen sein

Der Richter wollte wissen, wie die Kinder auf die brutalen Videos reagiert hatten: „Unterschiedlich, von grauslich bis cool“, antwortete die 39-Jährige. Es seien auch Filme von „Sportübungen“ dabei gewesen, und das hätte den Kindern eben gefallen, versuchte sie zu erklären. Ihr Partner hatte vom IS eine Kalaschnikow bekommen, aber das fand sie ganz normal: „Das hat jeder gehabt“. Sie reinigte die Waffe mitunter, und einmal fuhr er mit ihr zum Übungsschießen. Dass er tatsächlich gekämpft hat, schloss sie aus, wenn auch nur „vom Gefühl her“. Laut Anklage war der 38-Jährige aber nicht nur in einer Kampfgruppe aktiv, sondern soll diese sogar angeführt haben.

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