Regierungschefin May fordert mehr Überwachung

Nach Terror: Britische Regierung will radikalen Islamismus „ausrotten“

Bildquelle: APA

Nach einem Terroranschlag in London mit mindestens sieben Toten hat die britische Premierministerin Theresa May dem radikalen Islamismus den Kampf angesagt. Sie wolle diese extreme Strömung in der britischen Gesellschaft „ausrotten“, kündigte die Regierungschefin am Sonntag – wenige Tage vor der Parlamentswahl – an. „Jetzt reicht’s.“

Die Polizei nahm in der Hauptstadt zwölf Menschen fest, die sie mit dem Anschlag in Verbindung bringt. Drei Angreifer waren am Samstagabend am Tatort im Herzen Londons erschossen worden, nachdem sie Menschen mit einem Lieferwagen und langen Messern attackiert hatten. Die Polizei geht davon aus, dass es keine weiteren Attentäter vor Ort gab. Das Verbrechen trägt die Handschrift des „Islamischen Staats“ (IS).

Parlamentswahl steht vor der Tür

In der kommenden Woche wählen die Briten ein neues Parlament. May kündigte an, am Termin festzuhalten. Am Sonntagabend sollte ein Gedenkkonzert im nordenglischen Manchester ein Zeichen gegen Terror setzen – zu Ehren der 22 Opfer, die dort vor zwei Wochen von einem Selbstmordattentäter in den Tod gerissen worden waren.

May: „Viel zu viel Toleranz für Extremismus“

„Wir können und wir dürfen nicht so tun, als ob alles einfach so weitergehen könnte. Etwas muss sich ändern“, sagte May. Ihre Pläne richten sich nicht nur gegen Terroristen, sondern auch gegen den radikalen Islam. „Wir müssen viel stärker daran arbeiten, ihn zu erkennen und ihn aus dem öffentlichen Dienst und der Gesellschaft auszurotten.“ Mit dem Begriff „öffentlicher Dienst“ spricht May vermutlich das Schulwesen an. Es gebe „viel zu viel Toleranz für Extremismus in unserem Land“, betonte sie. Internet und Messengerdienste dürften Extremisten keinen Rückzugsort mehr bieten. Vielmehr müsse besser überwacht und reguliert werden, um die Kommunikationswege von Terroristen zu stören. Dazu brauche es internationale Vereinbarungen, sagte die Regierungschefin.

Premierministerin Theresa May kam laut PA am Sonntag zu einem privaten Besuch ins King’s College Hospital, um Verletzte zu besuchen und mit dem Personal zu sprechen. Von den etwa 50 Menschen, die beim Terroranschlag von London verletzt worden sind, befinden sich 21 noch in kritischem Zustand, wie die britische Gesundheitsbehörde NHS nach Angaben der britischen Nachrichtenagentur PA am Sonntag mitteilte. Bei dem Attentat am Samstagabend waren mindestens sieben Menschen getötet worden. Die Polizei erschoss drei Täter.

12 Festnahmen nach Attentat

Der Anschlag begann am späten Samstagabend auf der London Bridge und ging auf dem nahe gelegenen Borough Market weiter, der bei Touristen sehr beliebt ist. Die Terroristen griffen ihre Opfer zuerst mit einem Kleintransporter und dann mit langen Messern an. „Das war wie ein Amoklauf“, zitierte die BBC einen Zeugen. Die Täter seien zu Bars und Restaurants gelaufen und hätten gerufen: „Dies ist für Allah“. Vom Notruf bis zur Erschießung der Angreifer vergingen acht Minuten. Zur Verwicklung der zwölf Festgenommenen gab es zunächst keine Angaben.

Erst vor knapp zwei Wochen hatte ein Selbstmordattentäter nach einem Konzert des Teenie-Stars Ariana Grande in Manchester mit einer Bombe 22 Menschen in den Tod gerissen. Die Terrorattacke vom Samstag erinnert auch an einen Angriff in London mit sechs Toten am 22. März.

Zu dem jüngsten Anschlag bekannte sich zunächst niemand. Jedoch verwies die auf jihadistische Propaganda spezialisierte Site Intelligence Group darauf, dass Anhänger der Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) den Anschlag in ihren Foren und Chat-Kanälen feierten und den IS hinter der Tat vermuteten.

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