Wir müssen reden

Islam, Terror und eine verbotene Frage



Am Donnerstag konnten viele Österreicher nur noch mit Kopfschütteln reagieren, als der BVT-Chef Peter Gridling bei „Talk im Hangar-7“ so tat, als hätten Islam und Terror eigentlich nichts miteinander zu tun.

Von Patrick Lenart

Peter Gridling ist Direktor des Bundesamtes für Verfassungsschutz und Terrorismusbekämpfung (BVT). Der Behörde also, die unsere Verfassung und die Handlungsfähigkeit unseres Staates sichern soll.

Patrioten pfui, Muslime hui

Als unsere Regierung im Jahr 2015 die Grenzen öffnete und einen der skandalösesten und gefährlichsten Gesetzesbrüche der Geschichte Österreichs vollzog (ohne dass Gridling eingeschritten wäre), prognostizierte er trocken: Dass Terroristen die „Flüchtlingsroute“ nutzen, sei „wenig wahrscheinlich“. Wenig später zeitigte diese Fehleinschätzung in Bataclan ihre tödlichen Folgen.

Mir ist er vor allem wegen seiner Antifa-Abschreib-Übung (genannt „VS-Bericht“) bekannt und weil seine Behörde liebend gerne friedliche, patriotische Aktivisten wegen Gedankenverbrechen drangsaliert. So machte der Verfassungsschutz nicht nur 2014 Hausdurchsuchungen, um eine Fahne der „Roten Falken“ zu finden, sondern ermittelt wegen dem Spruch „Islamisierung tötet“ bereits seit über einem Jahr.

Ganz in diesem Sinne ist Gridling auch bei jedem öffentlichen Auftritt darum bemüht, eine angebliche Fremdenfeindlichkeit der Österreicher zu betonen, während eine Gefahr des islamistischen Terrorismus relativiert wird. So sagte er im Gespräch am Donnerstag wortwörtlich:

„Ja, aber die österreichische Gesellschaft ist ja noch nicht in dem Ausmaß bedroht. Wir haben in anderen Ländern ja ganz andere Situationen.“

Sogar der Gründer des BVT und dessen ehem. Leiter Gert-Renè Polli sagte daraufhin, dass es die beunruhigendste Aussage des ganzen Abends gewesen sei.

Terror hat nichts mit dem Islam zu tun – oder doch?

Schockierender waren aber seine Aussagen zum Zusammenhang von Islam und Terror. Und ich meine hier nicht die selbstverständliche Feststellung, dass nicht alle gläubigen Muslime Terroristen sind und ein großer Teil der Gezählten (besser: Geschätzten, exakte Zahlen verschweigt die Regierung!) ohnehin nur Papier-Muslime sind.

Gridling sagte:

„Wenn man sich die Anschläge der letzten zwei Jahre ansieht und die Täter vergleicht, zum Beispiel mit den 9/11-Attentätern, dann sieht man: Diese Täter kommen nicht aus guten Familien. Diese Täter haben keine gute religiöse Ausbildung. Diese Täter sind der Polizei bekannt gewesen als Kleinkriminelle, als Drogendealer auf der Straße und die plötzlich in eine Gemeinschaft kommen und die plötzlich einen anderen Sinn sehen. Dann kann es schon sein, dass die Religion eine Motivation spielt. Aber es ist nicht der typische Verlauf, wie wir ihn in der Vergangenheit gesehen haben. Ich glaube es kommt ein Konglomerat von Gründen in Frage. Da kommt Perspektivenlosigkeit, Arbeitslosigkeit etc. und da sind wir wieder bei der Integration.“

Bäm! Also „Religion“ (Islam sagte er NICHT) spiele laut Gridling typischerweise keine Rolle für die Motivation. Ja, die Täter hätten nicht einmal „eine gute religiöse Ausbildung“. Sowas aber auch. Dabei würde jedem Blinden mit Krückstock etwas ganz anderes auffallen, wenn er die tödlichen Terroranschläge in Europa der letzten zwei Jahre betrachtet:

22.05.17 Manchester (22 Tote) – islamistisch
20.04.17 Champ-Elysees (1 Toter) – islamistisch
07.04.17 Stockholm (4 Tote) – islamistisch
03.04.17 St. Petersburg (14 Tote) – islamistisch
24.03.17 Chechnya  (6 Tote) – islamistisch
22.03.17 London (5 Tote) – islamistisch
18.03.17 Paris-Orly (1 Toter) – islamistisch
03.02.17 Paris (1 Toter) – islamistisch
19.12.17 Berlin (12 Tote) – islamistisch
26.07.16 Saint-Etienne (1 Toter) – islamistisch
14.07.16 Nizza (85 Tote) – islamistisch
13.06.16 Magnaville (2 Tote) – islamistisch
22.03.16 Brüssel (38 Tote) – islamistisch
18.11.16 Sarajevo (2 Tote) – islamistisch
13.11.16 Paris (130 Tote) – islamistisch
26.06.15 Saint-Quentin (1 Toter) – islamistisch

Irgendwas müsste doch auch Gridling auffallen. Nämlich, dass JEDER EINZELNE tödliche Terroranschlag in den letzten zwei Jahren in Europa von Islamisten begangen wurde. Anstatt diesen Zusammenhang anzusprechen, widerlegt Gridling lieber einen Vorwurf, den niemals jemand ernsthaft aufgestellt hat und betont: „Es sind ja nicht alle Muslime so“. Ja, Herr Gridling, es sind nicht alle Muslime so. Aber das hat auch nie jemand behauptet.

Wäre es stattdessen nicht vielmehr Ihre Aufgabe gewesen, anzusprechen, dass alle tödlichen Terroranschläge von Islamisten begangen wurden? Dass Muslime zwar nicht mit Terroristen gleichzusetzen sind, aber der Islam beim Terror keine unwesentliche Rolle spielt? Oder dass jeder dritte Muslim in Österreich „hochfundamentalistisch“ ist? Nein, darüber verlieren sie kein Wort.

Unehrliche Debatte

Es ist nur ein Sympton der gänzlich unehrlichen Debatte. Um den Zusammenhang zwischen Islam und Terror zu verstehen, muss auch eingestanden werden, dass Gridling nicht vollständig Unrecht hat: Der Islam ist nämlich nicht die einzige Ursache für Terrorismus. Hinzu kommen die gescheiterte Integration und die Entstehung einer ethnisch gespaltenen Gesellschaft.

Doch Leute wie Gridling haben Mitschuld daran, dass diese Politik des Multikulturalismus überhaupt betrieben werden kann. Sein impliziter Pauschalvorwurf lautet: Wer den Zusammenhang von Islamisierung und Terrorismus thematisiert, unterstellt allen Muslimen Terroristen zu sein. Damit unterstellt er implizit Rassismus und Hetze und sorgt für ein Klima der Angst. Obwohl beispielsweise 80 Prozent der Österreicher der Überzeugung sind, dass der Islam nicht zu Österreich gehört, kassiert man dafür harte Strafen und Drangsalierung durch den Verfassungsschutz. Kaum jemand traut sich mehr, öffentlich auszusprechen, was er sich denkt.

Wer sind wir?

Dabei ist die Klärung dieser Frage, wer „Wir“ sind, fundamental zur Lösung der Integrationsfrage. Die Globalisten und Multikultis haben Österreich zum Einwanderungsland und den Islam zum Teil Österreichs erklärt, nicht die Österreicher. Diese wurden nicht gefragt, sondern ihr Wille ignoriert und unter Strafe gestellt. Das könnte auch der Grund sein, warum es in der ganzen Diskussion am Donnerstag niemand wagte, diese entscheidende Frage zu stellen.

Das ist nicht nur unehrlich gegenüber den Österreichern, sondern vor allem auch gegenüber den Muslimen. Diese glauben, ein Teil Österreichs werden zu können, ohne österreichisch zu sein. Es ist eine Lüge: Denn unser Angebot an Zuwanderer lautet, dass sie dazugehören, wenn sie werden wollen wie wir – nicht wenn sie unsere kulturelle Identität nicht annehmen und stattdessen verändern wollen. Selbst Polli sprach deshalb unbewusst von „Gästen“, wenn er von Muslimen sprach. Bleibt die Frage, ob Polli jetzt auch beim Verfassungsschutz vorgeladen wird.

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