Bereits 66 Tote und mehr als tausend Verletzte

Venezuela: Weiter gewalttätige Proteste gegen sozialistischen Präsidenten

Bildquelle: APA

In Venezuela haben Demonstranten das Verwaltungsgebäude des Obersten Gerichts in Brand gesteckt. Bei Protesten gegen Präsident Nicolas Maduro in der Hauptstadt Caracas warfen vermummte Demonstranten am Montag Steine und Brandsätze auf das Behördengebäude im Stadtteil Chacao. Dabei geriet die Fassade in Brand, wie APA-Korrespondenten berichteten.

Das Oberste Gericht hatte zuvor eine Klage gegen Maduros Verfassungsreform abgewiesen. Die Klage von Generalstaatsanwältin Luisa Ortega Diaz sei unzulässig, erklärten die Richter. Die Regierungsgegner in Venezuela werfen dem Obersten Gericht seit langem Parteinahme für Maduro und gegen das von der Opposition beherrschte Parlament vor. Das Verwaltungsgebäude des Gerichts in Chacao war schon mehrfach Ziel von Protestzügen.

Demonstranten plünderten Bank

Dutzende Demonstranten drangen am Montag auch in das vierstöckige Gebäude ein und plünderten die Räume einer Bank. Sie holten Computer und andere Elektrogeräte aus der Filiale und zündeten sie auf der Straße an. Soldaten und Polizisten setzten Tränengas und Schrotkugeln ein, um die Demonstranten zu vertreiben. Die Demonstranten bewarfen auch das Gebäude des Wohnungsministeriums mit Steinen. Alle Mitarbeiter waren bereits zuvor wegen der Tränengasschwaden in Sicherheit gebracht worden.

66 Tote: Proteste seit Ende April

In Venezuela gehen seit Ende April beinahe täglich tausende Menschen auf die Straße, um den Rücktritt des sozialistischen Staatschefs zu fordern. Bei den Protesten wurden bereits 66 Menschen getötet und mehr als tausend weitere verletzt. Die konservative und rechtsgerichtete Opposition kämpft für eine Amtsenthebung Maduros. Sie macht ihn für die schwere Wirtschaftskrise in dem südamerikanischen Land verantwortlich, die zu dramatischen Versorgungsengpässen geführt hat.

Anfang Mai hatte Maduro angekündigt, eine 500-köpfige Verfassungsgebende Versammlung einzuberufen, deren Mitglieder zur Hälfte aus gesellschaftlichen Gruppen wie Gewerkschaften und nicht aus den politischen Parteien stammen sollen. Die Opposition wirft Maduro hingegen vor, die Versammlung mit seinen Anhängern besetzen und mithilfe der neuen Verfassung seine Macht zementieren zu wollen. Die Opposition verweigert auch eine öffentliche Debatte.

Generalstaatsanwältin Ortega, die eigentlich dem Regierungslager angehört, hatte die nun abgewiesene Klage gegen die Verfassungsreform eingereicht. Beobachter werteten ihren Vorstoß als Versuch, Brücken zwischen der Opposition und verärgerten Angehörigen des Regierungsapparates zu bauen.

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on LinkedInShare on VKShare on TumblrEmail this to someone