Analyse von Philipp Vierer

Skandinavien: Paradies oder Pulverfass – eine kurze Analyse

Bildquellen: Pixabay (Public Domain)

Immer wieder hört man es: Skandinavier sind die glücklichsten Menschen der Welt. Das Glück resultiert offensichtlich aus einer Kombination von hohen Steuern, einem massiven Wohlfahrtsstaat und einem erfolgreichen Krieg gegen den herzlosen Kapitalismus.

Analyse von Philipp Vierer

Das kleine Problem dabei: es stimmt einfach nicht. Dieses Modell ist, wie jedes andere staatskapitalistische auch, abhängig von einer nicht aufrechterzuhaltenden Kreditblase.

Die Illusion

Das beliebte Mediennarrativ, vor allem seit 2008, ist dabei folgendes: Staatskapitalismus kreiert eine sorgenlose, glückliche Gesellschaft, wenn man die Steuern nur hoch genug anhebt, um einen riesigen Wohlfühlapparat für jedermann zu schaffen. Das Volk ist glücklich über die hohen Steuern, weil es die exzellenten Leistungen des Staates schätzt. Das Zauberwort heisst „Sorglosigkeit“. Es wird bewusst mit Existenzängsten gespielt, um dieser Idee Vorschub zu leisten. Anstatt jedoch diese Ängste, die jeden befallen können, in positive, produktive Motivation und Energie umzuwandeln, wird Entmündigung und Enteignung Bessergestellter vorgeschlagen.

Die Botschaft dahinter ist klar: Jede staatskapitalistische Gesellschaft könnte rundherum glücklich sein, wenn es nur gelänge, die Steuern derart anzuheben, dass es großzügige staatliche Leistungen für alle gibt. Es gibt viele Varianten dieses Unsinns, die bekannteste und plakativste wird jedoch das vielfach diskutierte UBI/BGU (universal basic income/bedingungsloses Grundeinkommen) sein, welches wir in einem anderen Artikel näher erläutern werden.

Oder anders gesagt: Staatskapitalismus funktioniert, wenn Vielverdiener und Unternehmer genug Steuern zahlen, um signifikante Umverteilung von Vermögen und Einkommen via Sozialtransfers zu finanzieren. Auch bei vielen Profis, die es eigentlich besser wissen müssten, hat dieser Unfug bereits Fuß gefasst. Ob sie wirklich daran glauben oder ihn nur für positive PR bzw wirtschaftliche oder persönliche Vorteile nutzen, sei dahingestellt. Das Ergebnis ist eine Diskussion, die so unsinnig ist, dass es sie eigentlich nicht geben dürfte.

Die Realität

Die Realität sieht jedoch völlig anders aus. Die skandinavischen Volkswirtschaften durchlaufen gerade denselben Prozess, den andere staatskapitalistische Volkswirtschaften schon schmerzlich durchlaufen mussten, nämlich das Inkaufnehmen von tödlichen Blasen in verschiedenen Märkten, um die strukturelle Insolvenz zu „reparieren“ bzw hinauszuzögern.

Ausgelassen wird ebenfalls die massive Abhängigkeit von Importstaaten, wie etwa den USA. Sollte die Wirtschaft dort einen empfindlichen Dämpfer erleiden, ist ganz Skandinavien erledigt. (Deutschland übrigens auch). Eine generelle, riesige Schwachstelle von Exportstaaten, die nirgends erwähnt wird, stattdessen beklatscht man sich zB in Berlin als Exportweltmeister, während man sich hier in totale Abhängigkeit begibt. Nirgends erwähnt wird auch, dass viele ehemalige Vermögenswerte im Ausland aus der Kolonialzeit einen signifikanten Beitrag zum Vermögen Skandinaviens leisten.

Norwegen ist ein besonderer Fall, da es riesige Vorkommen an Öl und Gas in der Nordsee besitzt und diese exportiert. Nachhaltig ist das nicht, die Reserven schrumpfen rapide. An die Zukunft scheint keiner zu denken. Norwegen hat in der Vergangenheit einen Staatsfonds aufgebaut, der riesige Reserven angehäuft hat, ist aber bereits gezwungen, diesen anzuzapfen.

Die Folgen: Tanz auf dem Vulkan – zu Lasten aller Leistungsträger und der Zukunft – mit garantiertem Armageddon.

Einfache ökonomische Daten untermauern dies, der geneigte Leser möge sich nur das Wachstum der Geldmenge M2 in Norwegen, den Real Property House Price Index Schwedens oder Dänemarks  Verhältnis zwischen Haushaltsschulden und dem BIP anschauen. Mit 531% Verschuldung sind Dänemarks Haushalte übrigens die meistverschuldetsten der Welt.

Diese Zahlen zeigen, dass die „glücklichsten Nationen der Welt“ jetzt abhängig von Blasen im Kreditmarkt und auf dem Häusermarkt sind, nachdem beide von einem massivem geldpolitischen Stimulus aufgeblasen wurden und damit im Moment eine Illusion von Solvenz erzeugen. Die klassischen kapitalistischen Gesetze von Kredit gegen Zins (Risk/Reward) wurden mit der Nullzinspolitik eliminiert. Bei einem praktischen Nullzins und unendlicher Liquidität ist nämlich der theoretische Wert von „harten“ Vermögenswerten unbegrenzt.

Wie glücklich werden denn die Staaten des „Happy-high-tax-welfare-capitalism“ aber wohl sein, wenn diese Blasen eines Tages platzen?

 


Philipp Vierer ist ein professioneller Fondsmanager und Immobilieninvestor aus Österreich.

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