Statt Inhalte gibt es das "große Fressen"

Parteien-Idiotie: Pizza gegen Sushi-Politik

Hintergrund: 71. UN Generalversammlung, by Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres, via Flickr (CC BY 2.0)

Wer glaubt die Show-Politik der etablierten Politdarsteller könnte peinlicher nicht werden, der wird von den kreativen Protagonisten täglich eines Besseren belehrt.

Gastbeitrag von Stefan Magnet

Längst geht es nicht mehr um Inhalte, Grundsätze oder Lösungsvorschläge für das Land oder Europa. Es geht nur mehr um Floskel, Symbole, Events, Frisuren – oder die Wahl zwischen Pizza und Sushi.

Kanzler hat Haare schön

Werner Faymann (zur Erinnerung: Der Mann war mal SPÖ-Bundeskanzler) etwa war ganz stolz darauf, dass er vom Modemagazin „Vanity Fair“ unter die „Top Ten der modischsten World Leader“ gewählt wurde, weil er eine so schön sitzende Frisur hatte. Das Land ging den Bach hinunter – aber hauptsache, die Frisur sitzt. Die Arbeitslosigkeit steigt, die Ausländerkriminalität explodiert, die Politik schläft – doch die Frisur sitzt. Und die Kosten für die weltberühmte Föhnfrisur ließ Faymann als gelernter Sozialdemokrat den Steuerzahler blechen. 21.786 Euro für „Visagistendienstleistungen“ gab der schöne Kanzler von 2013 bis 2015 aus. Wichtig für die Zukunft unseres Landes, oder?

Präsident löst Sudoku statt Probleme

Alexander Van der Bellen, als Bundespräsident das Oberhaupt dieses Narrenschiffs, gestand unlängst in einem Interview ein, dass er sich nach dem Aufstehen nicht via Medien über die internationale Politik informieren würde: „In der Früh löse ich erst mal ein Sudoku.“ Warum auch nicht, die globalen und nationalen Probleme können warten. Zumindest aus der Sicht eines 73-jährigen Mannes mit fürstlichem Gehalt und Wohnsitz in der Hofburg.

Fressen statt Inhalte

Das „große Fressen“ dürfte jetzt endgültig auch Wahlkampfschlager in der alpenländischen Innenpolitik sein. ÖVP-Chef Sebastian Kurz lud 100 „Freunde und Wegbegleiter aus Wirtschaft, Wissenschaft und Kultur“ zum „Sushi-Heurigen“ nach Wien ein. SPÖ-Kanzler Christian Kern kritisiert Kurz dafür – verständlich, ist Kern doch spätestens seit seinem Pizzaboten-Video als Pizzaliebhaber bekannt. Und Kern selbst löste das Rätsel um die versteckten Codes von Sushi und Pizza, bevor der Spuk begann, indem er vorausschickte: „95 Prozent der Politik bestehen aus Inszenierung.“

Crash steht bevor

Es soll uns ständig eingeredet werden, dass wir in der „Blüte der Demokratie“ leben würden und mit den medialen und gesellschaftlichen Möglichkeiten „eine Hochzeit der Pluralität und Mitbestimmung“ genießen dürften. Blödsinn! Das Narrenschiff steuert auf den Crash zu! Die Politiker sind für ihre Taten nicht verantwortlich, das Wahlvolk hat das Interesse am Theaterstück verloren und die Probleme ufern immer mehr aus. Daraus eine „veredelte Herrschaft des Volkes“ zu machen ist – gelinde gesagt – äußerst frech. Vielmehr erleben wir gegenwärtig die Endzeit der Parteien-Idiotie. Früher entschied das Volk zwischen sozial-demokratischen und christlich-konservativen Werten. Heute zwischen Pizza und Sushi.

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