Ein Kommentar von Julian Wagner

Geilomobil-Politik: Lasst euch nicht einlullen!

Wochenblick Sondermagazin
Sebastian Kurz beim Besuch eines Gymnasiums. Foto: Flickr/Bundesministerium für Europa, Integration und Äußeres/(CC BY 2.0).

Als der gut frisierte und junge Sebastian Kurz vor sechs Jahren im Geilomobil um die Ecke fuhr, fanden es alle lächerlich. Jetzt quatscht Basti ein bisschen von der Balkanroute und alle glauben es ihm.

von Julian Wagner

Chamäleon-Strategie

Die ÖVP ist die Partei der Chamäleons – sie passen sich jederzeit an. Sie wollen überall dabei sein und nirgends, niemanden vergraulen und doch ein bisschen Rückgrat zeigen, ein bisschen mit den Grünen, ein bisschen mit den Blauen, aber nie so wirklich ganz.

Die Anpassungsfähigkeit der Schwarzen ist natürlich historisch bedingt: Sie war immer eine Partei, die viele Strömungen in sich vereinte: Beamte, Bauern, Unternehmer. Doch trotzdem: Wer um jeden Preis regieren will, gehört nicht an die Macht. Wie kann es eigentlich sein, dass die ÖVP mit jeder Partei koalieren kann und will, und dies in den Bundesländern auch schon getan hat?

Ich sage dazu: Ein Politiker mit Rückgrat KANN gar nicht mit jedem paktfähig sein!

Basti ist der Superstar

Österreicher vergessen offenbar schnell – zu schnell. Jetzt ist Basti der Messias, ein Rockstar: Und das, obwohl er als Integrationsminister öffentlich verkündete, dass die Integration gescheitert ist. Seine Rolle beim Schließen der Balkanroute war deutlich geringer, als medial verkündet und überhaupt fragen sich viele Menschen: Was hat Basti in den letzten Jahren eigentlich sonst noch so getrieben? Ähm, ja… vor allem als Außenminister viele Hände geschüttelt und oft rumgereist. Friseurtermin hat er wohl auch keinen verpasst.

Die ÖVP hat sich nicht verändert

Die mediale Kampagne mit der „ÖVP neu“ ist jedenfalls voll gelungen: Den Basti finden einfach viele aus irgendwelchen Gründen toll, sie wissen zwar nicht wieso, aber irgendwie wird er schon alles besser machen, alles zusammenhalten.

Das ist natürlich Blödsinn: Das allumfassende österreichische Problem ist die politische Verkrustung, bedingt durch die ewige Große Koalition aus SPÖ und ÖVP. Und diese ÖVP führt jetzt Sebastian Kurz.

Natürlich war die „Neuerfindung“, die keine ist, der einzige Weg nicht nach maximal vier Jahren wieder abgeschossen zu werden, und diesen Schwenk hat Kurz strategisch perfekt hinbekommen. Falls die Geschichte in die Hose geht, kann er sagen: „Ich war doch gar nicht als ÖVP-ler im Wahlkampf, sondern als ‚Liste Kurz‘!“

Doch zu den Wählern sage ich: Überlegt euch gut, wo ihr euer Kreuz macht! Lasst euch nicht von der Geilomobil-Politik einlullen! Sie sieht von Außen locker und lustig aus, doch im Inneren verbirgt sich der selbe Russ, der auch schon vor Jahren dort war.

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