Kurdisch-arabisches Bündnis und US-Armee:

Anti-IS-Koalition dringt in die Altstadt von Raqqa ein

Wochenblick Sondermagazin
Bildquelle: APA

Nach monatelangen Kämpfen sind die Syrischen Demokratischen Kräfte (SDF) erstmals in die Altstadt der syrischen IS-Hochburg Raqqa vorgedrungen. Luftangriffe der Anti-IS-Koalition hätten zwei „kleine Lücken“ in der Altstadtmauer geöffnet, erklärten das kurdisch-arabische Bündnis und die US-Armee in der Nacht zum Dienstag.

Im kasachischen Astana begann inzwischen eine neue Runde von Friedensgesprächen zum Syrien-Konflikt. „Es gibt heute seit Tagesanbruch erbitterte Kämpfe in der Altstadt und wir haben 200 Kämpfer in der Gegend mobilisiert“, sagte der Sprecher einer mit den SDF verbündeten Einheit. Die Altstadt von Raqqa ist von einer 2,5 Kilometer langen Stadtmauer umgeben, die auf das späte 8. Jahrhundert zurückgeht, als die Stadt kurze Zeit das Zentrum der islamischen Welt war.

Sprengstofffallen an den Stadttoren

Die Terrormiliz „Islamischer Staat“ (IS) habe an den alten Stadttoren Sprengstofffallen platziert, um den Vormarsch der SDF-Kämpfer zu behindern, erklärte die US-geführte Anti-IS-Koalition. Der US-Koordinator für den Kampf gegen die IS-Miliz, Brett McGurk, erklärte, der Durchbruch durch die Mauer sei ein „wichtiger Meilenstein“ bei der Befreiung der Altstadt.

Allerdings kontrolliert die IS-Miliz weiterhin 70 Prozent der Stadt, wie die Syrische Beobachtungsstelle für Menschenrechte erklärte. Die echte Schlacht um Raqqa habe begonnen, doch gebe es in der Altstadt viele Zivilisten und Minen, erklärte die oppositionsnahe Organisation. Die größte Herausforderung für die SDF werde es sein, den Zivilisten die Flucht zu ermöglichen.

2.500 Jihadisten in Raqqa

Die Anti-IS-Koalition schätzt, dass noch 2.500 Jihadisten in der informellen Hauptstadt der Extremistengruppe sind. Dies sind weit mehr als die rund 200 IS-Kämpfer, die noch in der Altstadt der irakischen Großstadt Mossul vermutet werden, die nach monatelangen Kämpfen kurz vor dem Fall steht. Die irakische Armee rechnet noch mit zwei Tagen bis zum Sieg.

Russland, Iran und Türkei bei Gesprächen in Astana

In Astana kamen inzwischen Vertreter Russlands, des Irans und der Türkei zu Gesprächen über „Deeskalationszonen“ zusammen, mit denen eine Beendigung der Kämpfe vorbereitet werden soll. Russlands Syrien-Gesandter Alexander Lawrentiew sagte, die Grenzen der vier Zonen und die Art und Weise ihrer Überwachung sei noch „in der Diskussion“.

Russlands Präsident Wladimir Putin hatte die Zonen im Mai ins Gespräch gebracht. Sie sollen Gebiete unter Kontrolle der Rebellen in den Provinzen Idlib und Homs, in der Region Ost-Ghuta bei Damaskus und im Süden des Landes umfassen. In ihnen soll eine Waffenruhe zwischen Regierung und Opposition gelten, doch ist unklar, wer diese überwachen soll.

Garantiemächte sollen Deeskalationszonen überwachen

Laut Lawrentiew sollen die drei Garantiemächte Russland, Iran und Türkei die Zonen überwachen. Eine Beteiligung der Türkei und des Iran ist aber umstritten, da beide Länder ihren Einfluss auszudehnen versuchen.

Am Ende der zweitägigen Gespräche in Astana sollen Vertreter der drei Garantiemächte mit den Abgesandten der syrischen Regierung und der Opposition zusammentreffen. Auch der UN-Sondergesandte für Syrien, Staffan de Mistura, soll teilnehmen. Kommende Woche soll in Genf eine neue Runde von Gesprächen zu Syrien unter UN-Vermittlung stattfinden.

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