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Gender-Gap: Für diese Worte feuerte Google seinen Top-Wissenschaftler

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Google kündigte den Mitarbeiter James Damore wegen eines zehnseitigen Memos. Etablierte Medien schreiben von einem „sexistischen Pamphlet“, doch in erster Linie schrieb er über ein Klima des Schweigens aufgrund der herrschenden Politischen Korrektheit. Er wollte Wege aufzeigen, wie man mehr Frauen für die Technologie-Branche gewinnt, ohne dabei Männer diskriminieren zu müssen. Google kündigte den Entwickler wegen „dem Festhalten an Genderstereotypen“ – und bestätigte damit seine Ansichten.

von Patrick Lenart

Kritiker werfen dem Konzern eine Einschränkung der Meinungsfreiheit vor. Das Memo trägt den Titel „Googles ideologische Echokammer. Wie Vorurteile unser Denken über Vielfalt und Inklusion vernebeln“ und kritisiert, dass Google zu einer „ideologischen Echokammer werde, wo manche Ideen zu heilig sind, um ehrlich diskutiert zu werden.“ Viele Kollegen würden sich nicht trauen, diese Probleme auszusprechen – aus Sorge vor einer Kündigung.

Google von linken Vorurteilen geprägt

Der Großteil des Dokuments besteht aus Brainstorming-Ideen, wie man Google zu einem frauenfreundlicheren Unternehmen machen könne. Dabei attestiert Damore, dass Diskriminierung zugunsten einer 50/50-Gleichheit von Männer und Frauen unfair, spaltend und schlecht für das Geschäft sei.

Bei Google gäbe es wie bei Medien und Sozialwissenschaften eine herrschende linke Ideologie, die zu einer politisch-korrekten Monokultur führe, die Abweichler zum Schweigen bringt. Eine funktionierende Gesellschaft und funktionierende Unternehmen würden jedoch sowohl „linke“ wie auch „rechte“ Standpunkte brauchen. Beide Seiten hätten ihre Vorurteile und es wäre nicht gut für ein Unternehmen, zu weit links oder rechts zu stehen.

Auszug aus dem Memo

„Ungleichheit beruht nicht auf Vorurteilen“

Damore konzentriert sich auf die „Extremposition“, dass alle Unterschiede zwischen Männern und Frauen auf eine Ungleichbehandlung zurückzuführen seien und dass nun tatsächlich diskriminiert werden muss, um Gleichbehandlung herbeizuführen. Konkret geht es um den Gender-Gap in der Technologie-Branche und seine möglichen Ursachen, die nicht auf Vorurteilen beruhen.

Damore, der ein Masterstudium in Biologie in Havard abgeschlossen hat, schreibt von biologischen Unterschieden von Männern und Frauen und belegt diese mit diversen Verweisen. Er betont mehrmals, dass man aufgrund dieser Tatsachen trotzdem nichts über das Individuum aussagen kann und die Grenzen zwischen Männer und Frauen fließend seien.

Frauen hätten demnach generell einen größeren Fokus auf Menschen. Das würde erklären, warum Frauen soziale und künstlerische Arbeitsfelder bevorzugen. Sie würden sich eher gesellig als behauptend ausdrücken. Deshalb seien Gehaltsverhandlungen, Widerspruch und Führung für Frauen härter. (Er betont an dieser Stelle noch einmal, dass dies nichts über die Einzelperson aussagt). Frauen seien auch Angstanfälliger und hätten eine niedrigere Stresstoleranz. Das würde erklären, warum Frauen weniger in Stress-Berufen vertreten sind.

Für Männer hingegen wäre Status wichtiger, da sie vor allem danach bewertet werden. Deshalb würden sie häufiger nach Führungspositionen streben, die zwar besser bezahlt, aber weniger erfüllend sind. Das wäre auch der Grund dafür, dass Männer gefährlichere Berufe ausüben (93% von allen arbeitsbedingten Todesfällen sind Männer). Zusammengenommen würden diese Unterschiede erklären, warum es in der Technologie-Branche keine 50/50-Verteilgung gäbe.

Nicht-Diskriminierende Wege zur Reduzierung des Gender-Gap

Damore will deshalb Wege aufzeigen, wie man den Anteil von Frauen in der Technologie-Branche erhöhen könnte, ohne gleichzeitig Männer zu diskriminieren. Weil Frauen mehr auf Menschen bezogen sind, könnte die „Software-Entwicklung menschenorientierter gestaltet werden. Mit Programmieren in Paaren und mehr Zusammenarbeit“. Google sollte auch diejenigen unterstützen, die ein kooperatives Verhalten an den Tag legen.

In der Technologie und bei Führungskräften sollte nach einer Stressreduzierung gestrebt werden. Da Frauen einen stärkeren Fokus auf eine gute „Life-Work-Balance“ haben, sollten Teilzeitmöglichkeiten ausgebaut werden. Und letztlich hätte der Feminismus zwar viel zu Befreiung von Frauen beigetragen, aber Männer seien noch immer stark an ihre Männerrolle gebunden. Man sollte deshalb auch Männern erlauben, von dieser Rolle abzuweichen.

Seine Konkreten Empfehlungen:

  • De-Moralisierung von „Vielfalt“, die blind mache
  • Stopp der Ausgrenzung von Konservativen
  • Die Vorurteile bei Google ansprechen
  • Stopp der Programme für bestimmte Geschlechter und Rassen
  • Eine offene und ehrliche Diskussion über Kosten und Nutzen von Diversity-Programmen
  • Fokus auf psychische Sicherheit, statt auf Rassen-/Geschlechtervielfalt
  • Betonung von Empathie
  • Offenheit gegenüber der Wissenschaft über die menschliche Natur
  • Verpflichtende Vorurteils-Trainings für Promo-Komitees

Damore will klagen

Google-CEO Sundar Pichai unterbrach extra seinen Urlaub, um den Mitarbeiter James Damore zu entlassen. In einer Email schrieb er, dass mit der Verbreitung schädlicher Stereotype über Geschlechter eine Grenze überschritten sei. Die etablierten Medien schreiben inzwischen sogar von einem „sexistischen Pamphlet“.

In der Technologie-Szene wird das Memo unter dem Hashtag #GoogleManifesto inzwischen heftig diskutiert und es hagelt Kritik am Google-Konzern. Julian Assange twitterte: „Zensur ist für Verlierer“ und bot Damore einen Job bei Wikileaks an:

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