USA und Nordkorea verfangen sich im Krieg der Worte

Hört auf mit dem Säbelrasseln!

Wochenblick Sondermagazin
Bildkomposition: Info-DIREKT / Hintergrund (pixabay) /Trump (flickr; Gage Skidmore - Donald Trump [CC BY-SA 2.0] / Kim Jong-Un (flickr; Zennie Abraham - Kim Jong Un [CC BY-ND 2.0] )

Politik in unserer schnelllebigen Zeit besteht zu einem relativ hohen Prozentsatz aus Symbolen, Gesten und starken Worten. Doch man kann es auch übertreiben, wie der US-amerikanische Präsident Donald Trump und der Staatschef von Nordkorea, Kim Jong-Un, aktuell demonstrieren. Ein brandgefährliches Spiel, das sofort aufhören muss.

Von Jan Ackermeier

Die meisten Menschen in der westlichen Welt dürften in der Meinung übereinstimmen, dass Nordkorea nicht eben das Stammland von Demokratie und Menschenrechten ist. Auch der derzeitige Staatschef Kim Jong-Un dürfte, trotz gesundem Misstrauen gegenüber der hierzulande veröffentlichten Meinung, kein besonderer Freund von Bürgerrechten und Freiheit sein. Martialische Sprüche war man immer schon aus dem Norden Koreas gewohnt.

Ebenso kann man geteilter Meinung zum Engagement der US-Amerikaner überall in der Welt für Demokratie, Frieden und Freiheit sein. Ganz im Gegenteil sind die Amerikaner in den vergangenen Jahrzehnten nicht eben durch besondere Friedfertigkeit aufgefallen. Nun hat das Land jenseits des Atlantischen Ozeans einen Präsidenten bekommen, der sein Herz auf der Zunge trägt. Ein bisweilen erfrischendes Charaktermerkmal, besonders für einen Politiker. Vor allem im vergangenen Wahlkampf hat Donald Trump damit das Establishment das Fürchten gelehrt und viele enttäuschte Amerikaner für sich an die Wahlurnen gelockt. In der Außenpolitik und vor allem im diplomatischen Umgang der Staaten untereinander sorgt scharfe Kampfrhetorik gepaart mit dem riesigen Potential an Zerstörungskraft im militärischen Arsenal der USA aber stattdessen für Sorge und Furcht und nur mehr für wenig Erfrischung.

Besonnenheit ist eine wichtige Führungsfähigkeit

Verantwortungsbewusste Ausübung von Macht und überlegte Wahl der Worte sollten Politiker – vor allem an der Spitze von Staaten und vor allem in der Außenpolitik – auszeichnen. Das ist gewiss ein hehrer Anspruch. Wer Wahlkämpfe und deren Rhetorik nicht nur in den USA, sondern auch in Österreich und Deutschland beobachtet, der wird schnell feststellen, dass Polarisierung, Verteufelung und das Zuschreiben von niederen Charakterattributen für den jeweiligen politischen Gegner an der Tagesordnung sind.

Dissens muss eine Demokratie bis zu einem gewissen Maße aushalten und ist auch enorm wichtig im Wettstreit der Meinungen. Der Wähler muss schließlich in der Lage sein zu wissen, welche politische Kraft für welche Inhalte steht. Aber gewisse Grenzen des guten Geschmacks dürfen dabei nicht überschritten werden.

Abrüstung der Worte tut not

Ist der Wahlkampf vorbei, so sollte der Gewinner idealerweise versuchen, mit allen gesellschaftlichen Kräften zum Wohle des Landes zu arbeiten. Je mehr man im Wahlkampf mit Schmutz geworfen hat und Kampfrhetorik bedient hat, desto schwieriger ist die Abrüstung. Gleiches gilt auch im Umgang der Staaten miteinander. Natürlich wissen wir, dass es den Amerikanern traditionell schwer fällt, bescheiden und rücksichtsvoll aufzutreten, dennoch täte eine Abrüstung der Worte dringend not. Das gilt vor allem für Länder und Politiker, die sich selbst gerne als demokratisch bezeichnen. Von einem Staatschef des mächtigsten Landes der Welt, der noch dazu angetreten ist, die amerikanische Politik nachhaltig zu verbessern, sollte man mehr Gewissenhaftigkeit und Besonnenheit erwarten können. „Make America great again“ heißt nicht, den Rest der Welt in eine Wüste zu verwandeln – und sei es auch nur rhetorisch.

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