Der konservative Rebell:

Ohne Grenzen ist alles nichts

Bild: By Bőr Benedek [CC BY 2.0], via Wikimedia Commons

Eine Grundlage dafür, dass überhaupt etwas ist und nicht nichts, ist die Grenze an sich. Die Gesetze der Physik, der Chemie und der Biologie sind ohne Grenzen nicht vorstellbar.

Kommentar von Marcus Franz

Begrenzungen sind die conditio sine qua non für Atome, Moleküle und geometrische Körper. Chemische Prozesse wären ohne Grenzen und definierte Räume nicht möglich. Zellen brauchen Zellwände, Organe brauchen Grenzen und Lebewesen ihre Reviere. Ganz grundsätzlich ist das Leben in der Grenzenlosigkeit weder möglich noch denkbar. Die Grenze stellt also ein Apriori dar, über dessen Bedeutung als Seins-Bedingung man gar nicht vernünftig streiten kann. Jede Infragestellung von Grenzen führt unweigerlich ins Metaphysische und ins Unendliche. Dort aber findet der rationale Diskurs bekanntlich rasch sein Ende und damit auch seine Grenze.

Grenzen als Grundlage des Lebens und der Kulturen

Grenzen sind ein Garant für die in der gesamten Biologie notwendige Ungleichheit der Entitäten, sie halten die Unterschiede aufrecht. Ohne Unterschiede kann Leben nicht funktionieren, weil es sich ohne Differenzierung gar nicht entwickeln kann. Anders gesagt: Die Grenze ist Naturgesetz. Und Naturgesetze gelten in jedem Bereich und immer. Dabei ist es letztlich egal, ob wir über die Biologie, das Soziale oder über das Politische sprechen: Grenzen sind, was sie sind und wir können uns nicht über sie hinwegsetzen. Für die Kulturräume gilt dasselbe: Es kann keine Kultur ohne Grenze geben. Leugnet man diese Grenze, unterstützt man entweder ein expansives und letztlich aggressives Kulturverständnis oder man gibt sich auf und unterwirft sich.

Wenn wir also heute Forderungen hören, dass wir die politischen Grenzen öffnen oder überhaupt abschaffen sollen, so muss uns klar sein, dass diese Wünsche entweder naiv oder perfide sind: Naiv sind sie, wenn sie dem Unwissen und dem romantischen Wunsch nach Einheit und Gleichheit entspringen und perfide sind sie, wenn sie von gebildeten Ideologen geäußert werden, die es insgeheim besser wissen. Grenzen sind Teil der dinglichen Welt und Grenzen sind nicht abschaffbar.

Politik ist immer auch Außenpolitik

Grenzen gehören daher zum Politischen genau so wie die Sicherheitstür zur Wohnung: Kein vernünftiger Mensch würde seine Wohnung Tag und Nacht offen stehen lassen und dann nicht nachsehen, ob wer hereinkommt. Politische (Staats-) Grenzen sind zwar verschieblich und durchlässig – wie etwa im Schengen-Raum – und man kann deren Verlauf diskutieren. Aber keine Argumentationskette der Welt ist in der Lage, sie wegzureden oder gänzlich aufzulösen. Auch der Schengen-Raum hat Grenzen und die EU ebenso. Was aus vernachlässigten, missachteten und schlecht gesicherten Grenzen wird, das erleben wir hautnah: Die Negation der Grenze führt ins Desaster. Für jene, welche die de facto unsichtbar gemachten Grenzen illegal überschritten und für jene, die sie nicht ausreichend bewacht haben.

Und gerade durch die Tatsache, dass einige der aktuellen Grenzüberschreitenden dies aus Not tun, viele andere aber einfach probieren, in Europa illegal Fuß zu fassen und ihre fremde Kultur importieren möchten und wieder andere sogar in definitiv böser Absicht kommen, erlangt die Grenze täglich mehr Bedeutung: Als Ort der Definition, der Kenntnisnahme und der Klärung, wer überhaupt kommen darf. Auch und vor allem als Ort der Abwehr hat die Grenze in diesem Zusammenhang ihre enorm wichtige, ja überlebenswichtige Bedeutung. An Grenzen kann differenziert und dort können Entscheidungen getroffen werden. Und Grenzen sind per definitionem auch Orte, wo man Nein zu bestimmten Grenzüberschreitern sagen kann. Man kann sogar Nein zu allen sagen, die da herbeiströmen: Wenn nämlich Not am Manne und der Bestand der Nation gefährdet ist – das ist völkerrechtlich gedeckt und in Ordnung. Bei genauer Betrachtung ist dieser Bedrohungsfall bereits eingetreten, die Grenzen gehören also längst geschlossen.

Schengen ist gescheitert

Im Gegensatz zu den noch immer verbreiteten Botschaften der von falscher Humanität und dubiosen Motiven gesteuerten EU-Politik ist es in höchstem Maße sinnvoll, sichere Grenzen zu haben – natürlich und vor allem auch nationale. Die Grenze ist Bedingung, siehe oben. Und wir sollten es endlich es zugeben: Das Schengen-Projekt ist in Wirklichkeit längst gescheitert, die Nationen müssen wieder selbst für ihren Schutz und ihre Grenzsicherung sorgen. Die Formel ist einfach: Wer seine Grenzen aufgibt oder diese nicht sichern kann, der verliert auch seine Souveränität. Jeder Tag, an dem die österreichischen Grenzen nicht lückenlos kontrolliert und überwacht werden, ist ein schlechter Tag für Österreich und täglich erhöht sich die Gefährdung für das österreichische Staatsvolk. Zeit zu handeln!

 


Marcus Franz ist praktizierender Arzt und begann begann seine politische Karriere 2013 als Quereinsteiger beim Team Stronach. Nach einem kurzen Ausflug in die ÖVP, ist er nun seit 2016 parteifreier Abgeordneter ohne Klubzwang. Marcus Franz ist ein „konservativer Rebell“. Unter diesem Titel schreibt er eine wöchentliche Kolumne für Info-DIREKT.

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Rüdiger

Schon mal von der Unendlichkeit des Universums gehört? Grenzenlosigkeit ist also das Grundprinzip, ohne das wir nicht existieren könnten.

schrex

Das “ Universum“ endet genau da bis wohin sich es gerade im Moment ausgedehnt hat. Ergo…ist es endlich. Bzw begrenzt

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