„Wir schaffen das“

ORF und ZDF präsentieren Habsburgerin als feministische Merkel-Vordenkerin



Grab Marias von Burgund in der Liebfrauenkirche in Gent: Wikimedia, Napoleon Vier aus nl, https://creativecommons.org/licenses/by-sa/3.0/deed.de / Merkel: Foto: Flickr, Dirk Vorderstraße, https://creativecommons.org/licenses/by-nd/2.0/, Bearbeitung Info-Direkt

Am 30. Jänner 2017 wurde der Historienfilm „Maximilian – das Spiel von Macht und Liebe“ in Wien erstausgestrahlt. Der von den durch Zwangsgebühren finanzierten Sendern ORF und ZDF unterstützte Dreiteiler über den deutschen Kaiser und Habsburger Maximilian I. erreichte im deutschen und österreichischen Fernsehen mehrere Millionen Zuschauer. Eine Szene, bei der es sich eindeutig um politische Propaganda handelt, blieb indes weitestgehend unbeachtet.

In einer Szene, in der die spätere Frau Maximilians I. Maria von Burgund auftritt, wird die deutsche Bundeskanzlerin direkt zitiert.

Flüchtlingsdrama in Kaiser-Film

Dort spricht ein Berater mit Maria über die schwierige Flüchtlingssituation in der zeitweise zum Herrschaftsgebiet der Burgunder gehörenden Gent. Im Hintergrund sind die Klagelaute der vielen vor dem französischen König geflohenen Bauern zu hören. Marias Berater weist die Herzogin auf die drohenden Proteste der Einheimischen und die finanziell schwierige Lage hin. Darauf antwortet diese schließlich, im unverkennbaren Merkel-Slang: „Wir schaffen das.“

Die „Neue Zürcher Zeitung“ (NZZ) hat die Szene als einzige wichtige Zeitung benannt und kritisiert. Das historische Drama diene dazu, eindeutig „politische Botschaften“ zu verbreiten, kritisiert die Zeitung aus der Schweiz.

„Maria-Merkel“

„Doch die Heldengeschichte (Maximilian I., die Redaktion) war den Machern der deutsch-österreichischen Koproduktion, dem Emmy-Preisträger Andreas Prochaska und dem Drehbuchautor Martin Ambrosch, nicht genug. Sie zwingen die Geschichte auf eine andere Spur, sie biegen sie so, dass sie in die Gegenwart passt, ja, dass sie politische Botschaften der Gegenwart vermittelt“, heißt es in der Besprechung des Films.

Politische Zielrichtung leicht durchschaubar

„Maria von Burgund (gespielt von der französischen Schauspielerin Christa Théret) wird zur Feministin hochstilisiert“, urteilt die Kunsthistorikerin Katrin Schregenberger in der NZZ. Die politische Zielrichtung sei sehr leicht durchschaubar: „Maria-Merkel, die Verfechterin der europäischen Vereinigung. Die türkische Gefahr im Osten. Die bösen Ungarn – deren König Corvinus im Film übrigens der Einzige ist, der einen Akzent hat. Und wer wären die gierigen, französischen Imperialisten heute? Die Russen vielleicht?“

 

Share on FacebookShare on Google+Tweet about this on TwitterShare on LinkedInShare on VKShare on TumblrEmail this to someone