Schlagabtausch:

Kornblume: FPÖ grüsst Gesslerhut der Mainstream-Medien



Kornblume von Odin Wiesinger
Bild Kornblume: Odin Wiesinger; Bild Parlament: © Parlamentsdirektion / Johannes Zinner

Die Spannung vor der Angelobung des neuen Nationalrats war groß. Gerätselt wurde darüber, ob die FPÖ-Mandatare wieder traditionell mit Kornblume erscheinen würden. Als die Abgeordneten der FPÖ schließlich mit Edelweiß an der Brust den Sitzungssaal betraten, dürfte die Freude bei manchen Gutmenschen groß gewesen sein.

Kommentar von Michael Scharfmüller

Die Kornblume ist nur ein Symbol. Ob die FPÖ-Nationalratsabgeordneten diese Blume tragen oder nicht, spielt angesichts der mannigfaltigen Probleme im Land überhaupt keine Rolle. Mit der Kornblume am Revers hätte die FPÖ nichts gewonnen. Ohne Kornblume auf der Brust hat die FPÖ und mit ihr das gesamte patriotische Lager aber viel verloren.

Politik ist ein Machtkampf – auch um Symbolik

Erneut wurde auf Druck einschlägiger Kreise eine legitime Position aufgegeben. Damit haben die blauen Nationalratsabgeordneten rot-grüne Gesinnungswächter als moralische Instanz anerkannt. Sie haben sich deren Sicht der Dinge gebeugt  – ihre Deutungshoheit akzeptiert und sich selbst damit kleiner gemacht als es notwendig gewesen wäre.

Der „linkslinken Jagdgesellschaft“ den Rücken gestärkt

In der FPÖ wundert man sich immer wieder darüber, welche Macht die „linkslinke Jagdgesellschaft“ hat. Bei genauerer Betrachtung ist es allerdings gar nicht so verwunderlich, dass die Macht dieser Netzwerke immer stärker wird, wenn man sie anerkennt, indem man sich ihren moralischen Urteilen unterwirft.

„Jetzt heißt es schlau sein“

Rot-grüne Tugendwächter haben einen weiteren Gesslerhut aufgestellt und die FPÖ hat brav ihren Hut davor gezogen. Ich höre die Stimmen schon, die jetzt sagen: „Wir befinden uns in Regierungsverhandlungen – jetzt müssen wir schlau sein“. Auch kann ich mir schon vorstellen, was als nächstes kommt: „Jetzt sind wir die ersten 100 Tage in der Regierung, da müssen wir schlau sein“. Danach hat Österreich den EU-Vorsitz, auch da werden „wir schlau sein müssen“. Als nächstes stehen dann Wahlen in den Bundesländern an …

Salamitaktik

Odin Wiesinger Kornblume
Zeichnung von Odin Wiesinger

Das ständige „schlau sein“ und die unnötigen Distanzierungen des patriotischen Lagers voneinander haben dazu geführt, dass scheibchenweise eine wertkonservative Position nach der anderen aufgegeben wurde. Die damit verbundene Toleranz für Symbole und Ansichten des politischen Gegners erledigt den Rest, sodass es in Deutschland bald offiziell drei Geschlechter geben wird. In ein paar Jahren werden dann wohl die ersten Patrioten wegen Hetze verurteilt werden, weil sie dieses dritte Geschlecht diskriminiert haben. Dann dürfen wir uns wieder darüber wundern, dass man ja eigentlich nichts mehr sagen darf. Dann heißt es wieder „jetzt müssen wir schlau sein …“

Eine Gradwanderung

Es ist unbestritten, dass man auch als Regierungspartei nicht all seine Positionen durchbringen kann. Es bleibt aber fraglich, ob die FPÖ durch ihren Blumenwechsel Reibungspunkte mit dem künftigen Koalitionspartner und den Mainstream-Medien tatsächlich abbauen konnte und nun deshalb wichtige Forderungen leichter durchsetzen kann. Die Medienberichte über die FPÖ sind dadurch nicht besser geworden, stattdessen hat man Teile der eigenen Basis schon am ersten Tag im Parlament vor den Kopf gestoßen. Der Maler und Bildhauer Odin Wiesinger drückt mit einer Zeichnung, die er am Tag der Angelobung eigens angefertigt hat, auf künstlerische Art aus, wie Teile des patriotischen Lagers das Ablegen der Kornblume empfunden haben. Ein Zitat von Ernst Jünger bringt dieses Dilemma auf den Punkt:

  „Man muss den Punkt kennen, bis zu dem man zurückweichen kann.“

Verpatzte Generalprobe

„Schlau sein“ heißt vor allem, vorausschauend zu denken und zu handeln. Die Kornblume abzulegen, war aus meiner Sicht keine „schlaue“ Entscheidung. Die Aufgaben, vor denen die FPÖ zukünftig stehen wird, werden einen höheren Aufwand und mehr Gegenwind mit sich bringen, als es das Anstecken einer Blume gewesen wäre. Bleibt zu hoffen, dass auf eine schlechte Generalprobe eine gute Premiere folgt. Einzelne FPÖ-Regionalpolitiker, wie Erhard Weinzinger aus Schärding, haben bereits jetzt angekündig,t bei regionalen Angelobungen die Kornblume weiterhin zu tragen.

Erhard Weinzinger Kornblume
Bildschirmfoto: Facebook

Dieser Kommentar von Michael Scharfmüller ist Teil eines Schlagabtauschs über die Verwendung der Kornblume durch die FPÖ. Die Gegenposition finden Sie im Kommentar von Richard Schermann: „Das Symbol ist verwelkt“ .

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