Benjamin Kranzl

Interview zum Ramadan-Witz-Urteil: „Dafür gibt es einfach keine rationalen Argumente“



Ein Blick auf die Facebook-Seite von Benjamin Kranzl (25) zeigt einen jungen Mann, der seine Verbundenheit zur Heimat ebenso lebensfroh ausdrückt wie seine Belesenheit und seinen ausgeprägten Sinn für Humor. Letzterer wurde dem ehemaligen RFJ-Obmann von Schwaz zum Verhängnis. Denn am Mittwoch wurde der gebürtige Wiener am Innsbrucker Landesgericht schuldig gesprochen. Er hatte die Feier nämlich in Anspielung auf den zufällig am selben Tag beginnenden islamischen Fastenmonat Ramadan und das dortige Schweinefleischverbot scherzhaft mit den Worten „Ramadan mit dem RFJ Schwaz“ kommentiert (Info-DIREKT berichtete).

In einem exklusiven Interview für Info-DIREKT erzählt er nun zum ersten Mal über die kafkaesken Methoden des Rechtsstaats und die einseitige Berichterstattung der Mainstream-Medien.

Info-DIREKT: Du wurdest aufgrund eines Scherzes auf Facebook wegen ‚Herabwürdigung religiöser Lehren‘ verurteilt. Hatte dein Beitrag das Ziel, den Islam herabzuwürdigen?

Benjamin Kranzl: Nein, mein Beitrag war satirisch gemeint. Ich fühle mich auch nicht gekränkt, wenn mich etwa ein Moslem am Karfreitag zum Grillen einlädt.

Info-DIREKT: Eine Verurteilung kann ein einschneidendes Erlebnis sein. Wie hast du das Verfahren erlebt, wie gehst du damit um?

Benjamin Kranzl: Ich kam mir vor wie der Protagonist in Franz Kafkas Roman ‚Der Prozess‘. Erst standen zwei Beamte des Verfassungsschutzes vor meiner Haustür und klingelten mich und meine vierjährige Tochter aus dem Bett. Zuerst wollten sie nur Information über das Grillfest. Dann begannen sie mich zu fragen, ob ich NS-Devotionalien hätte. Einfach absurd! Auch auf die Frage, ob ich Drogen im Haushalt hätte, musste ich mangels Kontakten zur Innsbrucker Bahnhofsszene verneinen. Dabei sahen sich die beiden Beamten neugierig in meiner Wohnung um. Am nächsten Tag standen sie wieder da und begleiteten mich aufs Revier, wo ich plötzlich als Beschuldigter vernommen wurde.

Dann kam es zum Prozess. Es war dieselbe Richterin, die schon bei der Beleidigung von Norbert Hofer als ‚Nazi‘ einen Freispruch gefällt hat. Ihre Fragen zielten stets in eine eindeutige Richtung. Und wenn ich meine Antworten präzisieren wollte, um meine Sicht der Dinge zu erörtern, wurde ich oft von ihr unterbrochen. Innerhalb einer Stunde war der Spuk auch schon vorbei. Die Urteilsbegründung war dann skandalös: Angesichts des FPÖ- und RFJ-Hintergrundes des Angeklagten müsse davon ausgegangen werden, dass er das Posting mit einem bewussten Hintergedanken veröffentlicht habe. Durch seine politische Vorbildfunktion als Ersatzgemeinderat sei ein Schuldspruch „aus generalpräventiven Gründen“ notwendig, um die religiöse Freiheit in Österreich zu stärken.

Info-DIREKT: Wie haben deine Familie und dein Freundeskreis die Anschuldigungen wahrgenommen und inwiefern hat man dich unterstützt?

Benjamin Kranzl: Meine Familie und meine Freunde standen immer hinter mir. An dieser Stelle ein großes DANKE an euch. Die mediale Berichterstattung hingegen war – entschuldigt das Wortspiel – unter aller Sau. Es hagelte Anschuldigungen ohne Ende, Verleumdungen und Anfeindungen waren an der Tagesordnung. Selbst die Stadt Schwaz machte zwischenzeitlich mit ‚alternativen Fakten‘ von sich reden. Da wurde plötzlich von offenem Feuer und fehlenden Genehmigungen für unser Grillfest fabuliert.

Info-DIREKT: Das hört sich ja nach einem ziemlichen ‚Shitstorm‘ an, der da auf dich hereingeprasselt ist. Möchtest du ein paar der schlimmsten Äußerungen und Anfeindungen teilen?

Benjamin Kranzl: Gerne. So wollten etwa einige Facebook-User meinen Wohnort erfahren, andere verglichen mein Konterfei mit dem eines Schweinekopfes. Ein besonders intelligenter Zeitgenosse mit offenkundigen Sympathien zum politischen Islam meinte, ich müsse mich bemühen, noch eines natürlichen Todes zu sterben – mir gelänge wohl eher Gegenteiliges. Unsicher in meiner Haut fühle ich mich aber trotzdem nicht.

Besonders schockiert hat mich der Umgang der Leitmedien: Zuerst versuchten sie das Sommerloch zu überbrücken und hatten kein besseres Thema als die Tatsache, dass ein Schweinekopf vor einem türkisch-islamischen Kulturverein aufgetaucht war. Man konnte zwar nachweislich keinen von uns mit dieser Tat in Verbindung bringen – dennoch übertrafen sie sich in ihren Spekulationen, wie weit ich (!) Tierkadaver werfen könne. Hätten sie mich gefragt, hätte ich ihnen diese Antwort schuldig bleiben müssen, denn damit habe ich nichts zu tun. Dennoch reißen die Falschmeldungen in diese Richtung auch nach dem Prozess nicht ab. So titelte etwa die Tiroler Tageszeitung „Schweinskopfaffäre: Schuldspruch für Ex-FP-Jugendfunktionär.“ – Dabei stand das ja gar nicht zur Anklage, sondern mein Facebook-Bild mit dem Ramadan-Scherz. Als ob sie mich in ein ungustiöses Licht rücken müssten, um Verständnis für den Schuldspruch zu generieren…

Die einzigen Medien, die sich in all den Monaten direkt an mich wandten, waren übrigens DiePresse und Info-DIREKT. Alle anderen schrieben nur über mich, ohne ein einziges Mal mit mir zu sprechen.

Info-DIREKT: Hast du berufliche oder politische Konsequenzen zu befürchten?

Benjamin Kranzl: Mir wurde heute ein Energy Drink der Marke „Die blaue Sau“ am Arbeitsplatz hinterlassen – aber ich habe mich darüber gefreut. Danke dem anonymen Gönner. Aber nein, bisher nicht. Auch wenn sich das Denunzierungs-Forum dietiwag.at hier besonders hervortat und einige User meinten, man solle mich so schnell wie möglich bei meinem Arbeitgeber verpetzen, damit ich meinen Arbeitsplatz verliere. Wie ich dann meine Familie ernähren soll, ist ihnen freilich egal.

Info-DIREKT: Wenn es darum geht, das Christentum oder heimische Bräuche herabzuwürdigen, gilt oft jedes Mittel als legitim. Hast du den Eindruck, der Islam erfährt hier eine Sonderbehandlung?

Benjamin Kranzl: Absolut! Hier wird meines Erachtens nach mit zweierlei Maß gemessen. Ich kann beim besten Willen nicht nachvollziehen, warum eine Verspottung des Christentums und seiner Bräuche – siehe Monty Python, Deix, Haderer, South Park, die Werbung vom XXX-Lutz – von der Meinungsfreiheit gedeckt ist, aber eine Grillfeier unter dem Titel „Ramadan mit dem RFJ Schwaz“ einen Straftatbestand darstellt. Ich bin in den letzten Monaten öfter in mich gegangen, aber dafür gibt es einfach keine rationalen Argumente.

Info-DIREKT: Siehst du eine Bedrohung für die Meinungsfreiheit in Österreich? 

Benjamin Kranzl: Mein Schlusswort vor Gericht war ein abgewandeltes Zitat von George Orwell: „Meinungsfreiheit ist das Recht anderen zu sagen, was sie nicht hören wollen.“ Auch wenn ich es am eigenen Leibe erfahren musste – mir hat auch mein Prozess gezeigt, wie wichtig es ist, sich in diesem Land für jene Freiheiten und Grundrechte einzusetzen, für die wir lange kämpfen mussten und die wir oft als selbstverständlich ansehen. Gerade Meinungsfreiheit ist ein hohes Gut, dem allerdings auch ein hoher Grad an politischer Verantwortung innewohnt. Wenn wir uns dieses Recht nehmen lassen, haben wir das Recht verspielt, als mündige Bürger behandelt zu werden.

Wenn wir bedenken, dass sich just diese Woche das fürchterliche Massaker im Bataclan zum zweiten Mal jährt, muss es dabei legitim bleiben, auch Religionsgemeinschaften zu kritisieren, in denen gewisse Elemente unter dem Deckmantel des Glaubens bereit sind, schreckliche Verbrechen zu begehen.

Info-DIREKT: Man gewinnt bei solchen Urteilen oft den Eindruck, sie hätten den alleinigen Zweck, Menschen mit unliebsamen Meinungen ‚mundtot‘ zu machen. Wirst du politisch aktiv bleiben? 

Benjamin Kranzl: Ich werde auf jeden Fall weiterhin politisch tätig sein. Daran wird sich so schnell nichts ändern. Ich werde mich von Hetze, Lügen und Intrigen nicht von meinem Weg abbringen lassen.

Info-DIREKT: Vielen Dank für das interessante und aufschlussreiche Gespräch!

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