"Mander, 's isch Zeit"

Warum Andreas Hofer immer aktuell bleibt



„Mander, ’s isch Zeit“ – Andreas Hofers bündiger Aufruf zum Widerstand. Jedem Tiroler Schulkind ist das geflügelte Wort zum Aufstand gegen Napoleon und dessen bayerische Statthalter ein Begriff. Heute gilt sein Gedenken als Bekenntnis zu heimatverbundener Politik – zum Leidwesen selbsternannter ‚fortschrittlicher‘ Mitbürger. Diese stoßen sich am eifrigen Patriotismus der unweigerlich mit der Person Andreas Hofer einhergeht – und an den christlich-abendländischen Werten, für die er einstand. Entsprechend zwiespältig ist seine Erinnerung heute. Dabei zeigt gerade die derzeitige Lage der Tiroler Heimat: die symbolische Strahlkraft des Sandwirts aus dem Passeier ist an seinem heutigen 250. Geburtstag heller und wichtiger denn je.

Kommentar von Julian P. Eschentharrn

Man schrieb das Jahr 1903. Ein entrüstetes Publikum hatte das Innsbrucker Stadttheater verlassen. Zurückgelassen wurde ein eigentlich freiheitlich-patriotischer Dramatiker, der die Welt nicht mehr verstand. Dabei hatte Franz Kranewitter dem Mythos Andreas Hofer ein Denkmal setzen wollen, indem er ihn als gezeichneten Mann, als Spielball der Weltpolitik porträtierte. Für die Innsbrucker hingegen grenzte diese differenzierte Sicht an Majestätsbeleidigung. Auszumalen war damals freilich nicht, dass man dort den Tiroler Freiheitskämpfer einst im Vorfeld des 200. Jubiläums der Bergiselschlacht gar als „Taliban“ und „glücklosen, bigotten Rebellen“ schmähen würde.

Schließlich gelang die von seinen Vernaderern bemühte Demontage nicht. Der Landesfestumzug 2009 konnte feierlich vor über 70.000 Zuschauern begangen werden – mehr als jeder zehnte Tiroler sah das Spektakel. Auch ohne die erfolgreich hinweg reklamierte Dornenkrone. Diese wurde zuvor bei den Gedenken 1959 und 1984 sinnbildlich für die schwere Bürde der Landesteilung mitgetragen. Wie das Portal Südtirol.Informations.Dienst im Frühjahr dokumentierte teilten sich die Lager auch heuer bei den Gedenkveranstaltungen gleich: in jene, welche an Tradition und Landeseinheit festhalten – und jene, welche diese Konzepte für überholt ansehen.

Schützenvereine pro Landeseinheit – Kompatscher wettert gegen Hofer

Unter den selbsternannten ‚Progressiven‘ findet sich auch der amtierende SVP-Landeshauptmann, Arno Kompatscher. Dieser geriet unlängst auch durch infame Bemühungen ins Kreuzfeuer. Er wollte möglichst viele Südtiroler Gemeinden zur Unterbringung von Asylwerbern anweisen. Verfochten mit einer Vehemenz, die sogar bei Funktionären seiner eigenen Partei für Befremdung sorgte. Bezeichnend: Kompatscher gibt sich auch in der Frage der Selbstbestimmung zögerlich – entgegen dem eigenen Parteistatut. Entsprechend linientreu seine Ansprache bei den traditionellen Feiern an Hofers Todestag (20. Februar): Er stellte abwertend fest, der Freiheitskämpfer und Volksheld Andreas Hofer stünde vor allem für Konservatives, „für ein Sich-Verschließen gegenüber Neuerungen.“

Einen ganz anderer Tenor vernahm man etwa von Matthias Hofer (30), Schützenoberleutnant und Gemeinderat der Süd-Tiroler Freiheit in Olang. Dieser lieferte tags zuvor in einer feurigen Rede vor dem Bozener Dom ein Bekenntnis zu einem vereinten und selbstbestimmten Tirol. Ganz im Geiste von Dr. Eduard Reut-Nicolussi („Selbst wenn Italien den Schlern mit Gold überziehen wollte, könnten wir dem Ziel der Landeseinheit nicht entsagen!“) erntete er dafür tosenden Beifall:

„Viele gedenken heute der Freiheitskämpfe und wissen oft gar nicht mehr, warum wir stolz auf unsere Vorfahren sein können. Wir müssen deshalb so stolz darauf sein, weil unsere Vorfahren in schwierigen Zeiten viel an persönlicher Verantwortung auf sich genommen haben, um die Fremdbestimmung zu verhindern, die Einheit und die Freiheit unseres Landes zu retten und so dem Land eine Zukunft zu geben. Ihr Erbe muss uns Auftrag und Verpflichtung sein.

Andreas Hofer als zeitloses Leitbild

Wie sehr der Tiroler Volksheld seit jeher zu edler Tat begeistern weiß, zeigt ein kleiner Exkurs. Nicht nur heimische Dichter und Maler widmeten dem Sandwirt einige Werke. Gerade vor dem Hintergrund eines Kampfes gegen Fremdbestimmung finden sich Hommagen an Andreas Hofer bis in die republikanische irische Literatur des ausgehenden 19. und beginnenden 20. Jahrhunderts. Sein am Denkmal am Bergisel verewigter Eintritt für ‚Gott, Kaiser und Vaterland‘ dürfte den ebenso gläubigen wie patriotischen Iren zusätzlich Pate gestanden haben. Selbst der Luxemburger Michel Eiffes, der den Gnadenschuss bei Hofers Hinrichtung an jenem Febermorgen 1810 gab, wusste nur Positives über den hünenhaften Mann aus St. Leonhard zu berichten.

Die Parallelen zur heutigen Situation sind zahlreich. Damals wie heute spielt sich der tatsächliche Angriff auf Heimat, Freiheit und Tradition nicht vordergründig im Felde ab. Der Widerstand der Tiroler Bauern regte sich nämlich erst, als man ihnen althergebrachte Privilegien, Bräuche und Ansichten verbieten wollte. Somit darf er nicht nur als Fahnenträger der Selbstbestimmung Südtirols gelten. Er ist auch Leitbild wider den generellen Angriff auf alpenländisches Brauchtum und Kultur in allen Facetten. Bemerkenswert ist hierbei: Das Andreas-Hofer-Lied wird auch in ladinischen und italienischen Orten in Süd- und Welschtirol inbrünstig geträllert. Ein Zeichen gewachsener Tiroler Identität jenseits der Volksgruppenfrage an Etsch und Eisack. Apropos Selbstbestimmung: Hier wurde dieser Tage ein Etappensieg errungen. Die im Oktober als sinnvoll beworbene doppelte Staatsbürgerschaft wurde im Südtiroler Landtag von einer Mehrheit abgesegnet und an die kommende österreichische Regierung als Auftrag gerichtet.

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