Den Haag

Angeklagter nach Gifteinnahme vor UNO-Tribunal verstorben



Bildquelle: APA

Slobodan Praljak, der frühere Befehlshaber des Kroatischen Verteidigungsrates (HVO) in Herceg Bosna, der am Mittwoch vor dem Haager UNO-Tribunal für Kriegsverbrechen in Ex-Jugoslawien rechtskräftig verurteilt worden ist, ist offenbar nach einer mutmaßlichen Gifteinnahme gestorben. Das berichteten mehrere Medien. Eine offizielle Bestätigung dafür gab es zunächst nicht.

Praljak sei in den frühen Nachmittagsstunden im Krankenhaus gestorben, meldeten bosnische Medien. Auch die kroatische Nachrichtenagentur Hina sowie mehrere kroatische Medien, darunter der Sender N1 und die Tageszeitung „Jutarnji list“, berichteten über den Tod des Kroaten.

Bosnisch-kroatischer Offizier

Der 72-jährige Praljak, ein ehemaliger bosnisch-kroatischer Offizier, soll nach seiner Verurteilung zu 20 Jahren Haft seine Unschuld beteuert und auf Kroatisch gerufen haben: „Ich weise Ihr Urteil zurück!“ Dann nahm er einen Schluck aus seinem kleinen dunklen Fläschchen oder Becher. Die Urteilsverkündung wurde sofort ausgesetzt, als der Anwalt Praljaks rief: „Mein Mandant sagt, er habe Gift genommen.“ Praljak wurde ins Krankenhaus eingeliefert. Das Tribunal in Den Haag bestätigte den Tod vorerst nicht.

Praljak war unter anderem angeklagt, im November 1993 die Zerstörung der Brücke von Mostar aus dem 16. Jahrhundert angeordnet zu haben. Dadurch sei der muslimischen Zivilbevölkerung „unverhältnismäßig großer Schaden“ entstanden, hatten die Richter im ersten Prozess erklärt, der 2006 begann.

In dem Berufungsverfahren vor dem UNO-Tribunal erfolgte die Urteilsverkündung nicht nur gegen ihn, sondern auch gegen fünf weitere ehemalige politische und militärische Führer der bosnischen Kroaten während des Krieges. Außer Praljak handelt es sich um den ehemaligen „Regierungschef“ der selbstproklamierten bosnisch-kroatischen Republik Herceg-Bosna, Jadranko Prlic, den ehemaligen Innen- und später Verteidigungsminister Bruno Stojic sowie drei Militärs. Gegen Prlic und Stojic wurde die 25-jährige bzw. 20-jährige Haftstrafe aus erster Instanz am Mittwoch bestätigt.

Sechs Angeklagte

Die sechs Angeklagten waren 2013 unter anderem für schuldig befunden worden, an der Vertreibung bosnischer Muslime beteiligt gewesen zu sein, um ein kroatisches Territorium zu gründen.

Das Haager Gericht hat in der Berufung zudem die Teilnahme aller sechs Angeklagten an einem gemeinsamen verbrecherischen Vorhaben unter Führung des damaligen kroatischen Präsidenten Franjo Tudjman bestätigt. Dieses zielte laut dem rechtskräftigen Urteil auf den Anschluss des Gebietes der damals selbstproklamierten Herceg Bosna unter Kontrolle der bosnisch-kroatischen Truppen an Kroatien ab. Die einseitig ausgerufene Republik Herceg-Bosna wurde international nicht anerkannt. Tudjman selbst war vom UNO-Tribunal nie angeklagt worden.

Im Bosnien-Krieg standen sich überwiegend bosnische Muslime und bosnische Serben gegenüber. Allerdings gab es zeitweise auch heftige Kämpfe zwischen bosnischen Muslimen und bosnischen Kroaten. Mostar war der Schauplatz der schwersten Gefechte, in deren Verlauf fast vier Fünftel des Ostens der Stadt zerstört wurden.

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Alex Simon

…mutmaßlichen Gifteinnahme..!?

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