Interview mit Sven Knoll, Abgeordneter zum Südtiroler Landtag

Sven Knoll: „Die Botschaft lautet: Südtirol ist nicht Italien“



Sven Knoll, Süd-Tiroler Freiheit"
Bild Seven Knoll und Schulkarte: "Süd-Tiroler Freiheit"; Bildkomposition: Info-DIREKT

Im Interview mit Info-DIREKT erklärt Sven Knoll, Fraktionssprecher der „Süd-Tiroler Freiheit“, mit
welchen Mitteln seine Partei für die Tiroler Landeseinheit kämpft. Dabei spielt nicht nur ein Merkheft für Schüler eine Rolle, das auf einer Karte Südtirol als Teil Österreichs zeigt, sondern auch das Ringen um die Doppelstaatsbürgerschaft für alle Südtiroler.

Info-DIREKT: Ist es um das Bewusstsein um die eigene Identität der Südtiroler Schüler so schlecht bestellt, dass es dazu jetzt ein eigenes Merkheft braucht?

Sven Knoll: In den Schulen Tirols, nördlich und südlich des Brenners, wird leider kaum mehr etwas über die jeweils anderen Tiroler Landesteile gelehrt. Es ist uns daher ein großes Anliegen, Schülern die Kenntnisse über die gemeinsame Heimat näherzubringen. Es gibt auch kein Schulmerkheft auf dem Markt zu kaufen, das einen Lokalbezug hat. Darum veröffentlichen wir alljährlich das Tiroler Merkheft, welches Informationen aus ganz Tirol enthält und kostenlos an Schüler verteilt wird. Wir möchten damit einen positiven Tirol-Patriotismus erzeugen, gleichzeitig aber auch deutlich machen, dass Patriotismus nichts mit Nationalismus zu tun hat.

Warum wird das Merkheft auch in Nordtirol verteilt?

Das Tiroler Merkheft ist von Jugendlichen aus ganz Tirol für Jugendliche aus ganz Tirol gemacht. Alljährlich beteiligen sich junge Menschen aus Nord-, Ost- und Süd-Tirol an der Erstellung des Merkheftes und liefern uns Beiträge und Fotos. Damit gelingt es uns, ein „Wir-Tiroler-Gefühl“ bei den Jugendlichen zu erzeugen. Genauso wichtig wie die Stärkung der Tiroler Identität in Süd-Tirol ist nämlich auch die Sensibilisierung für Süd-Tirol im Bundesland Tirol.

Wie sind die ersten Rückmeldungen auf das Tiroler Merkheft ausgefallen?

Von Beginn an ist das Merkheft auf große Begeisterung gestoßen. Jedes Jahr muss die Auflage erhöht werden. In diesem Jahr ist die Nachfrage besonders groß, da wir dem Merkheft eine Schul-Landkarte beigelegt haben, auf der Süd-Tirol nicht mehr als Teil von Italien, sondern wieder als Teil von Österreich eingezeichnet ist. Das hat zu heftigen Diskussionen und umfangreichen Medienberichten geführt. Genau das wollten wir damit erreichen. Die Botschaft lautet: Süd-Tirol ist nicht Italien!

Info-DIREKT: Wie ist es generell um die Vermittlung der eigenen Identität in Südtirol bestellt?

Die langjährige Teilung Tirols hat leider Spuren hinterlassen und dazu geführt, dass sich die Tiroler Landesteile in vielen Bereichen entfremdet haben. In Süd-Tirol hat sich im Laufe der Zeit eine „Wir-sind-wir-Mentalität“ herausgebildet, die vor allem darauf zurückzuführen ist, dass Süd-Tirol in den schlimmsten Jahren auf sich alleine gestellt war. Im Bundesland Tirol gibt es eine vergleichbare Entwicklung der getrennten Identitätswahrnehmung zwischen Nord-Tirol und Ost-Tirol. Umso wichtiger ist es daher, Gemeinsamkeiten zu schaffen, die nicht nur an Festtagen in schönen Sonntagsreden beschworen werden, sondern im Alltagsleben der Menschen spürbar sind. Mit dem Tiroler Merkheft wollen wir einen Beitrag dazu leisten, dass junge Menschen ganz selbstverständlich im Bewusstsein aufwachsen, dass Tirol nicht am Brenner aufhört.

Warum Sven Knoll „Süd-Tirol“ mit Bindestrich schreibt, welche Vorteile die doppelte Staatsbürgerschaft für Südtirol und Österreich bringen würde und was er sich von der nächsten österreichischen Bundesregierung erwartet, lesen Sie im aktuellen Info-DIREKT Printmagazin.

Das Interview führte Michael Scharfmüller

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