Offener Brief:

Familien der Terroropfer werfen Merkel politisches Versagen vor



Bild: flickr; EU2017EE Estonian Presidency- Angela Merkel, Juha Sipilä [LIZENZ]

Die Hinterbliebenen der Opfer vom Berliner Breitscheidplatz klagen in einem offenen Brief die deutsche Bundesregierung und Kanzlerin Angela Merkel an.

Knapp ein Jahr nach dem islamistischen Terroranschlag in Berlin haben sich die Familien der Opfer an die Öffentlichkeit gewandt. In einem offenen Brief, den der „Spiegel“ veröffentlichte, beklagen sie die fehlende Unterstützung und Merkels „politische Untätigkeit“.

Anschlag als Folge des Regierungsversagens

„Frau Bundeskanzlerin, der Anschlag am Breitscheidplatz ist auch eine tragische Folge der politischen Untätigkeit Ihrer Bundesregierung“, heißt es im Brief.

In einer Zeit, in der die Bedrohung durch islamistische Gefährder „deutlich zugenommen“ habe, hätte Merkel es versäumt, „rechtzeitig den Ressourcenausbau und die Reformierung der wirren behördlichen Strukturen“ voranzutreiben.

Eine Frage des Respekts und Anstands

Außerdem beklagten die Hinterbliebenen den fehlenden Respekt der Kanzlerin:

„In Bezug auf den Umgang mit uns Hinterbliebenen müssen wir zur Kenntnis nehmen, Frau Bundeskanzlerin, dass Sie uns auch fast ein Jahr nach dem Anschlag weder persönlich noch schriftlich kondoliert haben. Wir sind der Auffassung, dass Sie damit Ihrem Amt nicht gerecht werden.“

Es sei „eine Frage des Respekts, des Anstands und eigentlich eine Selbstverständlichkeit“, dass Merkel im Namen der Regierung den Hinterbliebenen gegenüber den Verlust ihrer Familienangehörigen durch einen Terroranschlag anerkennen.

Zu wenig Unterstützung für Hinterbliebene

In den ersten Tagen und Wochen nach dem Anschlag hätte sich niemand von „offizieller Seite“ um die Hinterbliebenen gekümmert. Erst nach 22 Tagen sei das erste offizielle Schreiben der deutschen Behörden an einen Teil der Familienangehörigen angekommen. Zudem hatte es fast drei Monate gedauert, bis die Bundesregierung einen Beauftragten für die Opfer und Hinterbliebenen des Anschlags ernannte.

Doch die Unterstützung der Familien sei bis heute nicht ausreichend. Seit dem Anschlag stehen viele der Familien vor ungelösten finanziellen Schwierigkeiten.

„Es ist unsere konkrete Erwartung an Sie, Frau Bundeskanzlerin, dass die Bundesrepublik unseren Familien unbürokratisch und umfassend hilft und für die heutigen und künftigen finanziellen Schäden aufkommt“, heißt es im Schreiben weiter.

Denkmal für Terroropfer

Laut Bericht der „Welt“ teilte ein Regierungssprecher auf Anfrage mit, dass Merkel am Jahrestag des Anschlags an der Einweihung eines Denkmals für die Opfer teilnehmen werde. Vom Vortrag wolle sie zudem Angehörige zu einem Gespräch treffen.

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