Schlagabtausch

Gerald Grosz: “Habt keine Angst vor der Ehe für alle!”

Habt keine Angst! Homosexualität ist nicht ansteckbar, weder durch Husten, noch durch Berührung! Obwohl die Homosexualität genauso alt ist, wie die Menschheit selbst, hat diese Form der zwischenmenschlichen Liebe in keinster Weise die quantitative Entwicklung unseres menschlichen Daseins eingeschränkt. Ganz im Gegenteil: Die Welt ist durch Sophokles, Sokrates, Platon, Alexander dem Großen, Thomas Mann, Oscar Wilde und viele andere klingende Namen der Menschheitsgeschichte nur bereichert worden.

Schlagabtausch von Gerald Grosz

Durch das jüngste Erkenntnis des Verfassungsgerichtshofes, die staatliche Ehe – und ich betone „die staatliche Ehe“ – auch gleichgeschlechtlichen Paaren zu ermöglichen, wird auch kein heterosexueller Mensch, keine klassische Familie in unserem Land in ihren Rechten beschnitten, kein Mensch wird in seiner Freiheit eingeschränkt. Keine verschiedengeschlechtliche Ehe wird dadurch geschieden, kein Rückgang der klassischen Ehe zwischen Mann und Frau wird dadurch zu verzeichnen sein.

Konservative sollen sich freuen

Auch einen befürchteten Geburtenrückgang werden wir nicht erleben. Kein Heterosexueller mutiert schlagartig zum Paradeschwulen im rosa Tutu. Die Konservativen unserer Gesellschaft sollten sich daher doch freuen, dass auch Homosexuelle so konservativ sind und die Lasten einer Ehe schultern wollen. Auch Homosexuelle sollen doch das Recht haben, Ehestreits zu erleben, sich die Vasen nachzuwerfen, sich scheiden zu lassen. Spaß beiseite: Homosexuelle sollen in erster Linie das verbriefte Recht haben, ihre gegenseitige Liebe, ihren gegenseitigen Respekt, ihre gegenseitige Fürsorgepflicht, auch gesetzlich abgesichert zu wissen.

Schluss mit Diskriminierung

Und sie sollen für ihre Liebe nicht diskriminiert werden! Das ist das Wesen der Weiterentwicklung des Menschen und unserer Gesellschaft, die mehrheitlich in dieser Frage übrigens viel weiter ist, als es das Denkvermögen einiger Politiker überhaupt zulässt. Im 16. Jahrhundert dachte man, die Sonne dreht sich um die Erde. Heute wissen wir, die Erde dreht sich im Planetenverband um die Sonne. Selbst der Heilige Vater Papst Franziskus meinte sinngemäß: „Wer bin ich, um zu richten“. Denn die Zeit des Richtens unserer Kirche ist längst überwunden. Und nachdem diese Änderung des Eherechts ausschließlich die staatliche Institution der Eheverbindung betrifft, sei auch den konservativen Kreisen unserer Kirche Mt. 22,21 in Erinnerung gerufen.

Wie die Islamisten

Die einzigen verbissenen Narren eben, die sich einbilden, mündige und freie Bürger in der Gestaltung ihres Privatlebens zu bevormunden, sind noch einige Politiker. Besonders bemerkenswert ist es aber, dass die Gegner der Ehe für Alle dieselbe Argumentation der Islamisten verwenden. Und wenn es nach den Wünschen einiger besonderer Hardcore-Konservativer ginge, sollten doch Homosexuelle am Galgen baumeln, wie es eben in islamischen Gottesstaaten zum guten Ton gehört. Wir in Europa mit unserer großen Geschichte der Aufklärung sind da viel weiter als Ewiggestrige im Geistesverband mit islamistischen Mullahs. Wir haben das Mittelalter hinter uns gelassen!

Bereits Lebensrealität

Wir haben viele Lebensrealitäten: Mutter, Vater und Kinder als Familie, alleinerziehende Mütter als Familie, alleinerziehende Väter als Familie, Patchworkfamilien als Familie, Geschiedene, wiederverheiratete Geschiedene und selbstverständlich gleichgeschlechtliche Paare, die Familie bilden. Überall wo Liebe und Respekt ist, ist Familie! Dies hat der Verfassungsgerichtshof festgestellt und gleichzeitig dem Parlament gezeigt, was es heißt, auf der Höhe der Zeit zu sein!

Für die Entscheidung des österreichischen Verfassungsgerichtshofes, das staatliche Ehegesetz auch für gleichgeschlechtliche Paare zu öffnen, haben die obersten Richter unseres Landes mehrere gute Gründe genannt. Und bei diesen Gründen sollten wir es bewenden lassen und diese aufgekochte Diskussion rasch beenden! Denn wie sagte der große Philosoph Immanuel Kant:

„Niemand kann mich zwingen, auf seine Art glücklich zu sein, sondern ein jeder darf seine Glückseligkeit auf dem Wege suchen, welcher ihm selbst gut dünkt, wenn er nur der Freiheit anderer, einem ähnlichen Zwecke nachzustreben, die mit der Freiheit von jedermann nach einem möglichen allgemeinen Gesetze zusammen bestehen kann, nicht Abbruch tut.“


Dieser Beitrag ist Teil eines Schlagabtauschs über die “Ehe für alle”. Die Gegenposition von Marcus Franz finden Sie >> hier << Der Autor Gerald Grosz war Obmann des BZÖ, Abgeordneter zum Nationalrat und der erste Politiker des dritten Lagers, der seine Homosexualität publik machte. Er lebt mit seinem Partner in einer eingetragenen Partnerschaft. www.geraldgrosz.at

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Anton Eibl

Und es ist schon Abenteuerlich wie sich die große Mehrheit von einer Minderheit am Nasenring durch die Manege, ach ja,die”Manege der Liebe”ziehen lässt!
Tja und dann auch noch der Vergleich von”verbissenen Narren”mit Islamisten!? Nur mehr ABENTEUERLICH,oder
sind nicht gerade solche Vergleiche diskriminierend wertester Herr Grosz??? Aber gut; Genau diese Islamisten, die Dank einer Lobby die wohl aus der selben Ecke kommt und welche gerade darob massenhaft im Land sind, werden ganz sicher dafür Sorge tragen,dass”Ihre”angeblich von uns,den “verbissenen Narren”so diskriminierte Minderheit nicht mehr diskriminiert werden wird,gell)?!

Aber vielleicht fehlt Ex-Politikern wie ihnen,auch nur der Überblick über-(für) das “Ganz Große” dahinter!?

Anton Eibl

Aber,aber; natürlich, klar doch! Alles Statementes von ein paar”Betroffenen”!?
Das durchziehen dieses “Ehe für alle”-Gesetzes von den “noch” im Amt befindlichen VfGh-Richtern hat doch wohl nur “einen” Hintergrund!
Und was kommt dann als nächstes, damit niemand diskriminiert wird? Die Ehe “für alles” ???

Artmann Christian

Dem kann ich mich als “Betroffener” nur anschließen. Niemand hat einen Nachteil davon. Es wird immer beklagt daß der Zusammenhalt familär wie gesellschaftlich schwindet und dann gibts Leute die füreinander einstehen wollen die man aber aus Ideologie nicht läßt und sie ausgrenzt. Wie paßt das zusammen? Ich würde denen gerne wünschen über Nacht in die selbe Situation zu geraten und jetzt den Blickwinkel aus “unserer” Perspektive zu “genießen” und auf das Verständnis der Mehrheit zu hoffen. Dann hätte es sich ganz schnell erledigt eine Diskussion darüber zu führen.