Der Konservative Rebell:

Leitkultur: Der gemeinsame Nenner ist verloren

Bild: Hans Thoma: Kinderreigen (1872); Marcus Franz. Komposition: Info-DIREKT.

Homogene Gesellschaften haben immer auch homogene kulturelle Strukturen. Die längste Zeit wurden die kulturellen Grundbedingungen Europas zum überwiegenden Teil durch metaphysische (religiöse) und klassisch-philosophische Fundamente gebildet: Das Christentum und die Aufklärung waren die beiden Komponenten, die jene Synthese ergaben, auf die man sich quer durch den Kontinent, ja eigentlich in der gesamten westlichen Welt, mit Erfolg einigen konnte. Die europäischen Nationen besaßen zwar ihre spezifischen kulturellen Unterschiede, im Kern orientierten sich aber alle an der genannten Synthese. Mit der geplanten kulturellen Transformation der 68er versuchte man dies den autochthonen Völkern Europas zu nehmen.

Das Verständnis der beschriebenen Synthese ist durch eine tiefgreifende Umschichtung der Weltanschauungen in den letzten Jahrzehnten anders geworden. Genauer: Seit der sogenannten „68er-Revolution“ ist der europäische Konsens kein solcher mehr. Wir bekamen zwar 1989 Osteuropa zurück und konnten den Kommunismus endlich überwinden, aber die politische Orientierung, die uns die 68er hinterlassen haben, ist uns geblieben.  Das lange herrschende konservativ-bürgerlich-nationale Selbstverständnis wurde von den 68ern solange angegriffen, kritisiert und angepatzt, bis ihm ein gewisser Hautgout anhaftete, der zumindest mangelnde Modernität und ein irgendwie rückwärts gewandtes Denken vermittelte.

Das Metaphysische ist zugunsten einer säkularen Haltung in den Hintergrund getreten und die klassische Philosophie hat sich durch die Frankfurter Schule in eine moralisch-politische Erziehungsanstalt gewandelt, die nur mehr die ihr entsprechend orientierten Einstellungen guthieß und als Muster für die gesellschaftliche Gestaltung  eben nur diese Haltungen zuließ. Die sogenannten „Rechten“ – also die Konservativen, die Bürgerlichen, die Nationalen und die Wirtschaftsliberalen – haben sich diese Ummünzung gefallen lassen, weil die „Linken“ eine spezielle Waffe einsetzten (und dies noch immer tun): Die Rede ist von der Nazi-Keule. Traditionelle Werte wie Nation, Brauchtum, Staatsvolk und regionale kulturelle Identität verloren deswegen massiv an Bedeutung. Man fürchtete sich, in den massiv vom Kulturmarxismus der Frankfurter Schule geprägten Medienwelt öffentlich als „Brauner“ gebrandmarkt zu werden.

Zusatzfaktoren des Wandels

Aber auch andere Faktoren trugen zum Wandel bei: Das Erfolgsmodell „Familie“ erodierte zusehends, da die Frauen durch die Pille die Kontrolle über die Empfängnis erlangten und sich so vom biologischen Los der ständigen Schwangerschaften „befreien“ konnten. Die Geburtenraten gingen seither dramatisch zurück und haben sich nun bei einer Rate von 1,4 Kinder pro Frau auf einem stabil niedrigen Wert eingependelt. In der Realität ist dieser Wert langfristig mit einem Aussterben der europäischen Gesellschaften verbunden, da die Erhaltungsrate einer Population etwa 2,1 Kinder pro Frau beträgt. Die ersten Effekte sehen wir bereits: Das Generationsverhältnis beginnt, sich nachhaltig zu verschieben. Wir leben in einer Altengesellschaft, die am Kindermangel leidet.

Die kulturelle Transformation wurde von ihren treibenden Propagandisten stets mit wohlklingenden Etiketten versehen und damit erfolgreich verkauft: Begriffe wie die Freiheit des Einzelnen, die Selbstverwirklichung, die Gleichstellung und die Vielfalt sind nur einige der Schlagworte, von denen sich unzählige Leute verblenden ließen. „Einheit durch Vielfalt„, so lautet einer der Schlachtrufe unserer kulturmarxistischen Weltverbesserer. Gerade diese vor allem durch den Genderismus gekennzeichnete Vielfalt, die immer auch Gleichheit bedeuten soll, zeigt uns die monströse Absurdität des 68er-Projektes:  Eine Gesellschaft, in der die Diversity zum zentralen Dogma geworden ist, kann sich in letzter Konsequenz nur noch auflösen und lediglich eine Zweckgemeinschaft zahlloser „Ichs“ bilden, die mal diese und mal jene zufällig und kurzfristig gemeinsamen Interessen verfolgen.

Scheitern des 68er-Dogmas vorprogrammiert

Das Scheitern dieses Dogmas ist programmiert. Wenn Individuen ihre jeweilige Selbstverwirklichung suchen sollen, dann müssen ihre Interessen ja individuell und daher völlig verschieden sein. Sie werden also ununterbrochen wechseln und andere sein müssen – und das kann nur zum Chaos führen. Wenn die kulturmarxistisch orientierte Gesellschaft dann andererseits auch noch die Gleichheit erreichen will (und das ist ihr futuristisches Credo), so muss sie am Ende nicht das freie Individuum, sondern den geschlechtslosen Einheitsmenschen hervorbringen, der in der Mao-Uniform sein Dasein fristet. Anders ist Gleichheit nicht zu haben. Dieser Widerspruch zwischen Gleichheit und Individuum ist unauflösbar und wir sehen an ihm zweifelsfrei: Der gesamte Kulturmarxismus und die 68er-Denke sind Lügengebäude und Hirngespinst in einem. Diese politische Philosophie stellt nur eine Karotte vor der Nase des sinnsuchenden Menschen dar, sie kann aber niemals ihre süßen Heilsversprechungen erfüllen.

Zeit der Erkenntnis, Zeit der Entscheidung

Doch die Zeit der Erkenntnis ist angebrochen. Die Massenmigration, die ein weiteres und zentrales Ziel der linken Denke darstellt, hat vielen Menschen die Augen geöffnet.  Die Zweifel an den hier geschilderten und  in großen Teilen der Politik und der Medien tief verankerten Positionen der Frankfurter Schule nehmen sichtlich und spürbar zu. Der Ausgang der österreichischen Nationalratswahl und die frisch angelobte bürgerlich-patriotische Regierung ist das sichtbare Zeichen dafür. Aber das ist erst der Anfang: Die Rückbesinnung auf die Traditionen und auf die konservativen Haltungen ist voll im Gange und die weltanschauliche Neuausrichtung hat unaufhaltsam begonnen. Allerdings wird eine Rückkehr zu einem gemeinsamen gesellschaftlichen Nenner in Europa sehr schwierig, wenn nicht sogar unmöglich werden.

Man wird sich daher überlegen müssen, ob man nicht lieber eine völlige politische Neuordnung des Kontinents anstreben sollte. Hier die Länder, Völker und Nationen, die ihre Stärke aus ihrer Geschichte und ihrer eigenen kulturellen Identität beziehen und dort die Regionen und Gesellschaftsgruppen, die sich dem Kulturmarxismus nicht mehr entziehen können oder wollen und sich schon jetzt auf neue Herren vorbereitet haben.  Das mag wie eine Vision klingen, ist aber womöglich die bessere Variante als eine permanente konfliktgeneigte Situation, die aufgrund der auseinander strebenden Interessen unseren Kontinent und den Kulturraum Europa in die Dauerkrise stürzen.

Marcus Franz ist praktizierender Arzt. Er begann seine politische Karriere 2013 als Quereinsteiger beim Team Stronach. Nach einem kurzen Ausflug in die ÖVP war er in der letzten Legislaturperiode parteifreier Abgeordneter ohne Klubzwang. Marcus Franz ist ein „konservativer Rebell“. Unter diesem Titel schreibt er eine wöchentliche Kolumne für Info-DIREKT.

 

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Wunderheiler

Also konkret gesagt: wem Österreich zu Rechts ist, soll doch einfach nach West-Deutschland gehen. Die territoriale Art der Konfliktlösung hat schon eine lange Tradition, auch wenn sie erst kurze Zeit „Standortwettbewerb“ genannt wird. Im Wettbewerb um die meissten armen unschuldigen schutzbedürftigen Opfer können wir allerdings nur verlieren, daher empfiehlt sich ein anderes Ziel für die richtige Standort-Optimierung.