Seit Tagen versuchen Tiroler "Qualitätsmedien", den Besuch eines FPÖ-Gemeinderats beim Sommerfest des Antaios-Verlags in Schnellroda (Sachsen-Anhalt) zu skandalisieren. Dabei greifen sie auf Antifa-Denunziationsplattformen zurück, missachten teilweise Persönlichkeitsrechte und verwischen die Grenze zwischen Tatsachen, eigenen Interpretationen und Wunschvorstellungen.
Ein Kommentar von Michael Scharfmüller
Die Kampagne könnte damit zusammenhängen, dass nächstes Jahr in Tirol Landtagswahlen stattfinden und FPÖ erstmals die ÖVP als stärkste Kraft ablösen könnte. Für diesen Machtkampf dürften sich manche Medien bereits jetzt in Stellung bringen. Da die FPÖ keine wirklichen Skandale liefert, klammert man sich offenbar an jeden Strohhalm, um einen Keil in die freiheitliche Landespartei zu treiben.
Das Einfallstor selbst geöffnet
Anlass für die jüngste Anti-FPÖ-Kampagne war die Schnellroda-Reise des Innsbrucker Gemeinderats Fabian Walch. Die FPÖ Tirol hätte die aufgeregte Berichterstattung darüber schon im Keim ersticken können. Dazu hätte sie nur selbstbewusst erklären müssen, dass überhaupt nichts gegen den Besuch einer Veranstaltung des Antaios-Verlags einzuwenden ist. Schließlich ist das Sommerfest seit Jahren ein Treffpunkt für zahlreiche Autoren, Verleger und führende AfD-Politiker. Zudem hat Antaois-Chef Götz Kubitschek auf Einladung der FPÖ bereits im österreichischen Parlament gesprochen. Hier ein "Info-DIREKT Video-Bericht" darüber: Selbstbewusste Patrioten warnen vor Linksextremismus!
Ebenso hätte die Landespartei klarstellen können, dass sie von Name-Dropping und Kontaktschuld-Berichterstattung nichts hält und sich lieber mit den tatsächlichen Problemen Tirols beschäftigt – etwa den Folgen der Massenzuwanderung oder der linksextremen Antifa-Szene in Innsbruck, über die viele sogenannte "Qualitätsmedien" kaum bis gar nicht berichten.
Gegnerische Erzählungen nicht übernehmen
Mit der halbherzigen Antwort, Walchs Besuch in Schnellroda sei eine "Privatreise" gewesen, akzeptierte die FPÖ Tirol unausgesprochen die Erzählung ihrer politischen Gegner. Genau dieses Einfallstor nutzten ORF Tirol und Tiroler Tageszeitung (TT) in vollen Zügen aus.
Eigenwillige Schwerpunktsetzung
Innerhalb weniger Tage veröffentlichte TT-Journalist Peter Nindler gleich mehrere Texte zur "Causa Walch". Dass eine Tiroler Tageszeitung einem Innsbrucker Gemeinderat derart viel Aufmerksamkeit widmet, mag man noch als redaktionelle Schwerpunktsetzung ansehen. Ob dieser Ressourceneinsatz gerechtfertigt ist, muss letztlich die Chefredaktion entscheiden.
Wirklich fragwürdig ist allerdings die Art und Weise, wie Nindler seine Geschichte entwickelt. Beim Lesen entsteht mehrfach der Eindruck, dass der Wunsch Vater des Gedankens ist. So trägt ein hinter einer Bezahlschranke versteckter Beitrag die Schlagzeile:
"Parteispitze verärgert: Tiroler FPÖ pocht auf klare Abgrenzung zu Identitären und geht auf Distanz zu Walch"
Als Beleg für seine Behauptungen beruft sich Nindler auf interne FPÖ-Quellen. Dabei verwendet er Formulierungen wie "man hat offenbar die Nase voll von Walch" oder "Walch steht auf dem Abstellgleis". Was davon Tatsachen, Vermutungen, Interpretationen oder bloße Wunschvorstellungen sind, ist für den Leser schwer bis gar nicht zu erkennen. Ob tatsächlich überhaupt jemand mit Nindler gesprochen hat, lässt sich nicht abschließend überprüfen. Ich habe jedoch bei mehreren Vertretern der FPÖ Tirol nachgefragt. Keiner von ihnen hat nach eigenen Angaben mit Nindler über diese Angelegenheit gesprochen. Zudem konnte sich niemand vorstellen, dass Parteiinterna ausgerechnet an Nindler weitergegeben würden.
Nindlers Behauptungen im Faktencheck
Dass Nindler in den Raum stellt, dass FPÖ-Landesparteiobmann Markus Abwerzger mit dem "verhaltensauffälligen Auftritten" Walchs im Gemeinderat unzufrieden sei, lässt sich hingegen leicht überprüfen. Gegenüber Info-DIREKT erklärte Abwerzger gestern Abend telefonisch, dass er mit Walchs Arbeit im Gemeinderat selbstverständlich zufrieden sei.
Wo überprüfbare Tatsachen fehlen, ersetzt Nindler sie durch eigene Schlussfolgerungen. So schreibt er am Ende seines Artikels:
"Wie geht es jetzt weiter? In der FPÖ steht Walch auf dem Abstellgleis, zugleich ist er weiter eine Belastung für die Partei."
Damit maßt sich ein TT-Journalist an, der FPÖ zu erklären, wer für die Partei eine Belastung ist und wer nicht. Mit jener neutralen Berichterstattung, die "Qualitätsmedien" gerne für sich beanspruchen, hat das für mich nichts mehr zu tun.
ORF mit Antifa-Berichterstattung
Auch der ORF beteiligte sich an dieser Kampagne. In seinen Beiträgen griff der öffentlich-rechtliche Sender auf Material und Verlinkungen von Antifa-Denunziationsplattformen zurück und veröffentlichte unverpixelte Bilder privater Teilnehmer der Veranstaltung. Auf den Antaios-Verlag verlinkte der mit Zwangsgebühren finanzierte und gesetzlich zur Objektivität und Ausgewogenheit verpflichtete Sender jedoch nicht.
Das Sommerfest in Schnellroda
Hier ein Info-DIREKT-Video-Bericht über das Sommerfest in Schnellroda aus dem Jahr 2024: Sonne, Sommer, Sommerfest in Schnellroda






