Theodor Körner schrieb nicht nur über Freiheit, Vaterland und den Kampf gegen die Fremdherrschaft. Er war bereit, für seine Überzeugungen selbst zur Waffe zu greifen. Mit nur 21 Jahren fiel er 1813 als Angehöriger des Lützowschen Freikorps. Sein kurzes Leben steht für eine Epoche, in der aus kultureller Verbundenheit ein politisches deutsches Nationalbewusstsein entstand.
Ein Beitrag zur Körner-Woche, der in seiner vollständigen Länge und umrahmt von weiteren Texten zum Thema im nächsten Magazin Info-DIREKT erscheinen wird (63. Ausgabe).
Als Theodor Körner 1813 dem Lützowschen Freikorps beitrat, ließ er eine vielversprechende Laufbahn als Dichter und Dramatiker hinter sich. Der erst 21-Jährige hatte sich bereits einen Namen gemacht und war als Hoftheaterdichter in Wien tätig. Trotzdem entschied er sich, gegen die napoleonische Vorherrschaft in Deutschland zu kämpfen.
Diese Entscheidung war kein jugendliches Abenteuer. Körner verstand den Kampf gegen Napoleon als nationale Aufgabe. In einem Brief an seinen Vater erklärte er, dass er sich ein deutsches Vaterland erkämpfen wolle. Seine Überzeugung brachte er nicht nur mit Tinte zu Papier, sondern besiegelte sie schließlich mit seinem eigenen Blut.
Napoleon nutzte die deutsche Uneinigkeit
Wenige Jahre zuvor war eine politische Ordnung zusammengebrochen, deren Wurzeln rund tausend Jahre zurückreichten. Am 6. August 1806 legte Kaiser Franz II. die römisch-deutsche Kaiserkrone nieder. Das Heilige Römische Reich Deutscher Nation war damit Geschichte.
Napoleon hatte von der Uneinigkeit der deutschen Mächte profitiert. 1805 besiegte er Österreich, ohne zugleich gegen Preußen kämpfen zu müssen. 1806 schlug er Preußen, während Österreich nicht in den Krieg eingriff. Bayern, Württemberg und Baden standen zeitweise sogar auf Napoleons Seite.
Gemeinsam hätten die deutschen Mächte Frankreich ein gewaltiges Gegengewicht entgegensetzen können. Stattdessen ließen sie sich nacheinander bezwingen. An die Stelle der alten Reichsordnung trat in weiten Teilen Deutschlands die französische Vorherrschaft.
Die Fremdherrschaft stärkte das Nationalbewusstsein
Darin liegt eine der großen Ironien dieser Epoche: Napoleon nutzte die politische Zersplitterung Deutschlands für seine Siege. Gleichzeitig trug seine Herrschaft dazu bei, das Bewusstsein für die Gemeinsamkeiten der Deutschen zu stärken.
Schriftsteller, Philosophen und Publizisten fragten verstärkt danach, was Bayern, Preußen, Sachsen, Österreicher und andere Deutsche jenseits ihrer jeweiligen Staaten miteinander verband. Ihre Antworten fanden sie in der gemeinsamen Sprache, Kultur und Geschichte.
Johann Gottlieb Fichte wandte sich 1807 und 1808 im französisch besetzten Berlin mit seinen berühmten „Reden an die deutsche Nation“ nicht bloß an Preußen oder Berliner, sondern ausdrücklich an die Deutschen.
Auch Theodor Körner war von diesem erwachenden Nationalbewusstsein beseelt. Seine Gedichte verbanden Freiheitswillen, Vaterlandsliebe und Opferbereitschaft. Nach seinem Tod wurden sie unter dem Titel „Leyer und Schwerdt“ veröffentlicht. Einige seiner Werke wurden später von Carl Maria von Weber und Franz Schubert vertont.
Ein Leben als politisches Vermächtnis
Körner war mit seiner Entscheidung nicht allein. Auch Joseph von Eichendorff, einer der bedeutendsten Dichter der deutschen Romantik, schloss sich 1813 dem Lützowschen Freikorps an. Dass Dichter selbst zu den Waffen griffen, zeigt, wie eng der Kampf gegen die französische Herrschaft mit der Vorstellung einer gemeinsamen deutschen Sache verbunden war.
Theodor Körner fiel am 26. August 1813. Sein Leben war kurz, sein Nachwirken jedoch gewaltig. Er wurde zum Sinnbild einer Generation, die Freiheit nicht als grenzenlose Ungebundenheit verstand, sondern als Freiheit eines Volkes, über sein Schicksal selbst zu bestimmen.
Vertiefende Informationen
Mehr über Theodor Körner, die Befreiungskriege und die Entwicklung des deutschen Nationalbewusstseins lesen Sie in der nächsten Ausgabe von Info-DIREKT. Der thematische Schwerpunkt wird durch zwei weitere Beiträge ergänzt: Ein Text beleuchtet Carl Maria von Weber als nationalen Tondichter und erklärt, warum sein „Freischütz“ zur deutschen Nationaloper wurde. „Rot-weiß-rotes Nationbuilding“ zeigt hingegen, wie nach 1945 durch Sport, Austropop, den Mythos Córdoba und andere kulturelle Erzählungen eine eigenständige österreichische Identität geschaffen wurde.
Drei Beiträge zeichnen damit einen großen historischen Bogen: vom Erwachen des deutschen Nationalbewusstseins über seine kulturellen Ausdrucksformen bis zur bewussten Abgrenzung Österreichs von Deutschland nach 1945.
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