Vor kurzem ist Benedikt Kaisers viel erwartetes Buch „Der Hegemonie entgegen“ über Antonio Gramsci und dessen Hegemoniekonzept erschienen. Kaiser liefert dem Leser dabei weit mehr als ein politisches Lehrbuch, das sogar in den etablierten Medien diskutiert wird.
Eine Rezension von Karl Sternau
Mit klaren Worten erklärt Kaiser zunächst die zentralen Begriffe „Hegemonie“ und „Metapolitik“. Dazu liefert er neben einer Kurzbiographie von Gramsci eine Geschichte der sogenannten Neuen Rechten. Er zeigt die zahlreichen Wandlungen der Rechten in der BRD auf und betont, dass es die Neue Rechte nur „im konstruktiven Plural“ geben könne.
Rolle der Union
In diesem ersten Teil des Buches wird auch die Rolle der CDU/CSU bezüglich der grün-linksliberalen Hegemonie freigelegt. Der „unbedingte Machterhaltungstrieb“ der Union führte dazu, dass die Partei stets der herrschenden Hegemonie folgte. So konnten die Grünen, die nie über 14,8 Prozent bundesweit kamen, ihre Ideen verwirklichen. Ihnen reichte die Hegemonie im Alltag, die Parlamente zogen nach. Die Union hat unter Kanzler Merz übrigens nichts dazugelernt. Kaiser dazu treffend:
„Der heutige ‚Konservatismus‘ von Merz und Rödder ist der Linksliberalismus von gestern; man hechelt im Wortsinn re-aktionär hinterher, anstatt eigene hegemoniale Akzente zu setzen.“
Mehr als Kulturrevolution
Daraus ergibt sich für eine patriotische Rechte, dass sie hegemonial werden muss, um dieses Ziel zu erreichen, hat Kaiser sein Buch geschrieben. Er betont dabei, dass Gramsci Hegemonie nicht nur kulturell gedacht hat, wie es in bisherigen Rezeptionen, beispielsweise von Alain de Benoist, verkürzt dargestellt wurde. Den Kern von Kaisers Buch bilden deshalb jene Thesen von Gramsci, die dieser in seinen Gefängnisheften verstreut niedergeschrieben hat. Kaiser hat diese nun erstmals sehr anschaulich und nah am Original aufbereitet.
Hegemonie im Alltag
Immer wieder wird die Bedeutung der Hegemonie im Alltag der Menschen betont. Stellvertretend für die spannenden Konzepte des italienischen Vordenkers sei der „organische Intellektuelle“ vorgestellt. Darunter versteht Gramsci einen Akteur, der in seinem Kosmos eine bedeutende Rolle einnimmt und so sein „Denken im Alltag der Vielen“ platzieren kann. Dafür ist allerdings eine Weltanschauung dieses Akteures Grundvoraussetzung. Kaiser warnt hier zu Recht vor den „Verprellten“ des Mainstreams und „Selbstvermarktern“. Denn dem „organischen Intellektuellen“ geht es um die Sache und nicht um seine Person.
Kritik an der „Distanzeritis“
Am Beispiel der Fankurven in den deutschen Fußballstadien zeigt Kaiser auf, wie sich linke Fanstrukturen Stück für Stück durchsetzen konnten. Das lag vor allem daran, dass von rechter Seite der Kampf um die Hegemonie nicht verleugnet und dadurch verloren hat („Alles für den Verein“). Ein weiteres Problem der Rechten ist der bis heute fehlende Zusammenhalt im eigenen (heterogenen) Lager. Dazu verweist Kaiser auf Thor von Waldsteins Feststellung:
„Herrscht auf der Linken – trotz vieler Gegensätze – nach außen eine Kultur der Solidarität, so ist die Rechte häufig geprägt von einer Kultur der Selbstdenunziation.“
Fußnotenfest
Der interessierte Leser wird in Fußnoten zahlreiche Hinweise zum Weiterlesen finden. Dabei zitiert Kaiser auch Romanautoren, die ihm wichtig sind, wie Erwin Strittmatter („Der märkische Tolstoi“). Der Gramsci-Roman „36,9°“ von Nora Bossong findet sich natürlich ebenfalls in den Fußnoten. Hier ist mein einziger Kritikpunkt am Buch: Es fehlt ein Literaturverzeichnis.
Pflichtlektüre
Für alle patriotischen Politiker und Vorfeldakteure sollte das Buch selbstverständlich trotzdem Pflichtlektüre sein. Wenn jeder den folgenden Satz von Benedikt Kaiser verinnerlichen würde, wären wir schon weiter:
„Wahre Hegemonie äußert sich im Alltag, nicht am Wahltag.“
Wer jetzt entgegenhalten will, dass Gramsci doch Kommunist war oder dass er dem Autor Kaiser in wirtschaftlichen Fragen nicht zustimme, dem ist wohl nicht zu helfen.
Helfen Sie mit!
Kaiser lehrt in seinem jüngsten Werk die Grundlagen zur Erreichung von Hegemonie, die der politische Gegner längst verwirklicht hat. Für die Rechte gilt es in den Worten Kaisers
„den ressentimentgetriebenen Rechtspopulismus ebenso wie den erkenntnisfeindlichen Linksliberalismus ein[zu]hegen bzw. [zu] überwinden“.
Also warten Sie nicht darauf, dass sich der „gesunde Menschenverstand“ von alleine siegreich durchsetzt, sondern helfen Sie mit einer patriotischen Hegemonie entgegenzugehen! Tipps, was jeder dazu beitragen kann, finden Sie beispielsweise in diesem Magazin Info-DIREKT: Werde aktiv!
Das Buch „Der Hegemonie entgegen“ von Benedikt Kaiser ist beim „Jungeuropa Verlag“ 2025 erschienen. Es umfasst 276 Seiten und ist zum Preis von 24 Euro unter anderem direkt beim Verlag erhältlich: https://www.jungeuropa.de/jungeuropa/534/der-hegemonie-entgegen






