Die USA versuchen, die heute Morgen verkündete Waffenruhe mit dem Iran als Erfolg zu verkaufen. In Wahrheit haben die USA und Präsident Trump mit dem Iran-Krieg ihre eigene Glaubwürdigkeit massiv beschädigt. Die Auswirkungen dieser Niederlage sind noch nicht absehbar.
Ein Kommentar von Michael Scharfmüller
Donald Trump inszenierte sich lange als Friedenspräsident. Selbst zu Beginn des US-israelischen Angriffskrieges auf den Iran am 28. Februar 2026 waren seine Botschaften noch darauf abgestimmt. Als die ersten Bomben fielen, versprach er den Iranern:
„Die Stunde eurer Freiheit ist gekommen.“
Dabei betonte er:
„Alles, was ich will, ist Freiheit für die Menschen.“
Entlarvend: Trumps verbale Eskalation
Als sich der Iran als widerstandsfähiger zeigte als von den USA vermutet, eskalierte der Konflikt nicht nur militärisch, sondern auch verbal zunehmend. Als der Iran mehrere Ultimaten der USA verstreichen ließ, wütete Trump gestern (7. April 2026):
„Eine ganze Zivilisation wird heute Nacht sterben, sodass sie niemals wieder zurückgebracht werden kann.“
„America First“ oder doch "Israel First"?
Durch den Iran-Krieg wurde erneut deutlich, dass die USA im Zweifel bedingungslos an der Seite Israels stehen – unabhängig davon, wer zum US-Präsidenten gewählt wurde. Das wirkt sich nun negativ auf die Glaubwürdigkeit der USA und Trumps aus. Den Golfstaaten wurde mit dem Angriff auf den Iran gezeigt, dass sie sich auf die USA nicht verlassen können. Ihre Warnungen, dass der Iran im Falle eines Angriffs den Krieg auf seine Nachbarstaaten und international wichtige Handelsrouten ausweiten würde, wurden von den USA ignoriert. Die Botschaft, die die USA damit an ihre Partner im Nahen und Mittleren Osten ausgesandt haben, ist klar:
„Wer sich auf Washington verlässt, ist im Ernstfall verlassen.“
Trump als großer Verlierer
Die schwersten Schäden in einem sehr sensiblen Bereich musste vermutlich jedoch Donald Trump selbst einstecken. Mit seiner Vorgehensweise im Iran-Krieg hat er zahlreiche seiner Wahlversprechen gebrochen und damit nicht nur seine Wähler, sondern auch seine treuen Anhänger schwer enttäuscht.
Erschwerend kommt hinzu, dass Trumps Behauptung, er habe alle Kriegsziele erreicht, nicht der Realität entspricht. So mag es zwar sein, dass das Atomprogramm des Irans geschwächt wurde, das Regime in Teheran sitzt nun aber - wenig überraschend - fester im Sattel als zuvor.
Die Erfolgsstrategie des Irans
Zudem hat der Iran bewiesen, dass man den mächtigen USA durchaus die Stirn bieten kann, wenn es gelingt, die Kriegskosten für den Westen in die Höhe zu treiben. Diese Strategie hätte der Iran vermutlich noch länger durchhalten können. Die USA und der Westen standen hingegen auch aufgrund der explodierenden Energiekosten bereits stark unter Druck.
Diesen Druck kann der Iran jederzeit wieder ausüben, sein Raketen- und Drohnenprogramm dürfte nämlich noch intakt sein. Damit ist der Iran auch künftig in der Lage, wichtige Handelsrouten zu sperren und seine Nachbarstaaten in den Konflikt hineinzuziehen. Das hat zur Folge, dass diese als sichere Urlaubs- und Finanzstandorte unattraktiver werden. Ein weiterer Vorteil für den Iran ist, dass Drohnen vergleichsweise günstig hergestellt werden können, während die Abwehr solcher Angriffe enorme Kosten verursacht.
Midterm-Wahlen könnten zur Abrechnung für Trump werden
Damit steht fest: Die USA haben mit dem Iran-Krieg das dortige Regime nicht gestürzt, sondern ihre eigene Glaubwürdigkeit und Autorität beschädigt. Eine erste Abrechnung dafür könnte Trump bei den Midterm-Wahlen im November 2026 bevorstehen. Dann wird sich zeigen, ob ihm die Amerikaner verzeihen, dass er seine eigenen Versprechen gebrochen hat – mit spürbaren Folgen für die Lebenshaltungskosten im eigenen Land.






