Nach seinem „Kinderbetreuung würde ich nicht als Arbeit sehen“-Sager dürfte die Angst von Bundeskanzler Christian Stocker (ÖVP) vor weiteren Fettnäpfchen noch größer sein als zuvor. Nun werden bei seiner Österreich-Tour nicht nur das Publikum gezielt ausgewählt, sondern auch kritische Journalisten ausgesperrt.
Ein Kommentar von Thomas SteinreutnerMit seiner Tour „Österreich im Gespräch“ möchte sich Kanzler Stocker gerne als volksnah inszenieren. Wissend um die Schwächen des ÖVP-Chefs wollte seine Mannschaft dabei wohl nichts dem Zufall überlassen. Wer mit dem Kanzler ins Gespräch kommen möchte, muss sich dafür bewerben. Dazu muss man unter anderem Angaben zum Alter, Geschlecht (männlich, weiblich, divers, keine Angabe) und dem Bildungsstand machen. Zudem wird auch abgefragt, in welches politische Spektrum man sich einordne. Offiziell diene dieses Auswahlverfahren dazu, einen möglichst „repräsentativen Querschnitt“ bei den Veranstaltungen mit etwa 200 Teilnehmern zu gewährleisten.
Nur ausgewählte Medien
Wie eingeschränkt das Interesse des Bundeskanzlers an echter Vielfalt und Repräsentanz ist, offenbart der Umgang des Bundespressedienstes mit kritischen Medien. Zwar werden Medienvertreter explizit dazu eingeladen, Stockers Österreich-Tour zu besuchen, willkommen sind dabei jedoch nicht alle. Für Stockers Stopp am 25. August in Linz hatte sich Michael Scharfmüller als Medienvertreter für Info-DIREKT angemeldet. Nun kam jedoch die Absage:
„In Beantwortung Ihrer Anfrage vom 30.07.2026 teilen wir Ihnen mit, dass eine Akkreditierung nicht möglich ist.“
Eine Nachfrage, weshalb eine Anmeldung nicht möglich sei und welche Kriterien erfüllt sein müssen, um akkreditiert zu werden, blieb bis heute unbeantwortet.
Propaganda-Inszenierung statt echter Bürgernähe
Damit verstärkt sich der Eindruck, dass es Christian Stocker gar nicht um echte Bürgernähe geht, sondern nur darum, sich als bürgernah zu inszenieren. Kritisches Publikum und kritische Presse möchte sein Team dabei möglichst vermeiden. Aus parteipolitischer Sicht mag das legitim sein. Die Veranstaltungsreihe wird jedoch nicht aus der leeren Parteikasse der ÖVP, sondern aus dem Budget der Regierung finanziert. Und das ist eine Frechheit, schließlich haben die Österreicher keinen Mehrwert durch diese Propaganda-Tour.
Anders wäre das, wenn sich Christian Stocker wirklich für die Sorgen und Nöte der Österreicher interessieren würde. Um diese zu erfahren, bräuchte der brave Parteisoldat und gelernte Rechtsanwalt jedoch keine teure Rundreise, sondern nur etwas Gespür für die Leute oder zumindest den Mut, sich tatsächlich unter das Volk zu mischen.Bei den derzeitigen Regierungsvertretern hat man jedoch das Gefühl, dass sie sich vom Alltag der Menschen und deren Problemen eher angewidert als angezogen fühlen. Dazu passt auch, dass sich viele dieser hohen Herren und Damen über Stammtische, Bierzelte und Menschen ohne Studienabschluss meist nur verächtlich äußern und ÖVP-Landesrat Dörfel Menschen als „Idioten“ beschimpft, die Remigration etwas Positives abgewinnen können.
Angst vor unbestechlichen Medien
Dass Info-DIREKT bei ÖVP-Veranstaltungen unerwünscht ist, hat seit den Info-DIREKT-Interviews mit Kanzler Sebastian Kurz, Klubobmann August Wöginger und Ministerin Karoline Edtstadler übrigens fast schon Tradition. So wurde Info-DIREKT von der Präsentation des Rohrkrepierers „Österreichplan“ in Wels ausgeschlossen, während brave Journalisten kostenlos von Wien zur Veranstaltung gekarrt wurden. Als Info-DIREKT vom Parkplatz der Veranstaltung berichtete, versuchten zwei ÖVPler die Berichterstattung zu erschweren. Hier ein Video davon: Die feige ÖVP und der Pudertanz
Am Tag der letzten Nationalratswahl versuchte die ÖVP zudem, Info-DIREKT und andere alternative Medien aus dem Parlament auszusperren, was jedoch nicht gelang. Mehr dazu: ÖVP-Innenminister behandelt Journalisten wie Schwerverbrecher
Kritische Nachfragen zur Migrationspolitik der ÖVP waren auch bei einer Pressekonferenz im Bundeskanzleramt unerwünscht. Damals wurde Info-DIREKT zwar in die Räumlichkeiten gelassen, bevor die erste kritische Frage gestellt werden konnte, jedoch wieder entfernt. Mehr dazu: Hafenecker zu Info-DIREKT-Rauswurf: Massiver Angriff auf die Pressefreiheit!
Mit Medien, die als links wahrgenommen werden, hat die ÖVP hingegen kein Problem. Mehr dazu: Schwarzes Netzwerk? So kämpft die ÖVP gegen die blaue Opposition!Babler lief vor Info-DIREKT davon
Die Angst vor kritischer Presse, die sich weder mit Regierungsinseraten noch mit Förderungen besänftigen lässt, dürfte also groß sein. Und zwar nicht nur bei der ÖVP, sondern auch bei Andreas Babler (SPÖ), der, bevor er Vizekanzler und Medienminister wurde, sogar vor Info-DIREKT davongelaufen ist. Hier ein Video davon: SPÖ-Kandidat Andi Babler auf der Flucht vor kritischen Fragen!
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