Trotz der vernichtender Gerichtsurteilbegründung gegen Correctiv im Fall des Potsdam-Treffens versucht die linke Plattform, ihre Märchenerzählungen irgendwie aufrechtzuerhalten. Dazu präsentierte sie gestern, über zwei Jahre nach dem Treffen, "neue" Details. Diese sagen jedoch mehr über die Arbeitsweise von Correctiv als über die Teilnehmer des Potsdamer Treffens aus.
Ein Kommentar von Michael Scharfmüller
Im Zentrum des neuen Angriffs steht ein Gedicht des fast genau vor zwei Jahren verstorbenen Dichters Konrad Windisch. Correctiv bezeichnet ihn als "Nationalsozialisten aus Österreich", was historischer Unsinn ist. Belege für diese gemeine Unterstellung liefert Correctiv nicht, kein Wunder, von einem Toten muss man keine Klagen fürchten.
So war Konrad Windisch wirklich
Wer sich selbst einen Eindruck von Konrad Windisch machen möchte, ist eingeladen, sich das "Info-DIREKT Video-Gespräch" mit Konrad Windisch "Lebenswege - Patrioten im Portrait" anzusehen:
Um die eigene Behauptung theatralisch zu untermalen, behauptet Correctiv zudem, das Gedicht wäre "mit rollendem R." vorgetragen worden. Dabei verlinkt es auf eine Tondatei, auf der zwar mehrere Gedichte von Windisch vorgetragen werden, jedoch kein typisches rollendes R. zu hören ist, wie man es sich eigentlich vorstellt. Woher diese Tondatei stammt, ist zudem unklar.
Typische Correctiv-Vorgangsweise
Über Windischs Gedicht schreibt Correctiv:
"Wir haben uns dagegen entschieden, die übrigen sieben Strophen zu veröffentlichen, da sie historischen Revisionismus und eine offene Gewaltphantasie enthalten, die wir nicht reproduzieren wollen."
Das ist zum einen widersprüchlich, weil im Text zwar nur Auszüge aus Windischs Gedicht "Da fingen sie an, Europa zu suchen" zu lesen sind, dann aber auf eine Tondatei verwiesen wird, auf der man zahlreiche Gedichte aus der Feder des Dichters zu hören bekommt.
Viel interessanter ist jedoch, dass darin die Arbeitsweise von Correctiv sichtbar wird. Erneut werden dem Leser nach einer vernichtenden Einordnung nur Auszüge jenes Inhalts zur Verfügung gestellt, der einen Skandal darstellen soll. Diese Auszüge werden dann auch noch falsch interpretiert. In Windischs Gedichten gibt es nämlich keine Gewaltphantasien. In Wahrheit hat Windisch Gewalt immer abgelehnt. Um im Gedicht "historischen Revisionismus" festzustellen, braucht es schon sehr viel Fantasie.
Gemein, ungebildet oder beides?
Einer der zentralen Kritikpunkte am Gedicht ist, dass darin die Rede von "türkischen Hunden" ist. Dabei handelt es sich jedoch um keine Beschimpfung von Windisch, sondern um ein Zitat aus der Weltliteratur, was aus Windischs Zeilen auch ganz klar hervorgeht, wenn er schreibt, dass das Herz Europas schlug
"als der Cornet den türkischen Hunden entgegenzog".
Von linken Aktivisten kann man nicht erwarten, dass sie wissen, dass Windisch hier bewusst eine Formulierung aus Rainer Maria Rilkes "Cornet" verwendet hat.
Kennt Literaturexpertin Rainer Maria Rilke nicht?
Von der Literatur- und Kulturwissenschaftlerin Susan Arndt von der Universität Bayreuth, die Correctiv extra zum Gedicht befragt hat, hätte man eine solche Klarstellung jedoch schon erwarten können. Wahrscheinlich spielt das aber keine Rolle, aus Sicht einiger Linksextremisten ist schließlich auch der 1926 verstorbene Dichter ein "Nationalsozialist" oder zumindest ein Wegbereiter für rechtsextreme Ideologien. Mehr über Rilke übrigens in diesem "Info-DIREKT Live-Podcast" mit Martin Sellner:
Das vollständige Gedicht
Anders als bei Correctiv gehen wir bei Info-DIREKT davon aus, dass unsere Leser intelligent genug sind, um Gedichte selbst beurteilen zu können. Damit sich unsere Leser also selbst ein Bild vom Gedicht machen können und von dem, was Correctiv darüber schreibt, geben wir es hier vollständig wieder. Die eingefügten Anmerkungen sind für jene "Experten" gedacht, die hinter jeder Zeile eine Anspielung auf die NS-Zeit wittern:
"Da fingen sie an,
Europa zu suchen,
in den Hallen der Banken,
in den Sitzungssälen der Parlamente
und in den Büros der Parteizentralen.
Aber sie fanden nur einen Namen
und nicht das Herz.""Auch wir suchten das Herz
und fanden es lange nicht
und wenn wir es schlagen hörten,
ging es wieder verloren.
Nur,
daß wir den Glauben
an dieses Herz
nie aufgaben.Wir wußten um sein Dasein."
"Es schlug,
als der Cornet
den türkischen Hunden entgegenzog
und früher,
als Attila
mißmutig von den Katalaunischen Feldern wich,
und später,
als die Schützen
Brasseur, Holzmann und Alvarez Gonzales
vor Moskau fielen."
Anmerkungen: Der Cornet und die "türkischen Hunde" sind, wie bereits beschrieben, eine Anspielung auf Rilkes Werk „Die Weise von Liebe und Tod des Cornets Christoph Rilke“, das aus meiner Sicht sehr zu empfehlen ist. Mit Attila ist der Hunnenkönig gemeint, der bei der Schlacht auf den Katalaunischen Feldern durch ein römisch-germanisches Heer im fünften Jahrhundert zurückgeworfen wurde. Die genannten Schützen vor Moskau stammen vermutlich aus verschiedenen europäischen Ländern und nehmen auf den Russlandfeldzug Napoleons von 1812 oder/und auf den Zweiten Weltkrieg Bezug. Ohne Wissen darüber, wann das Gedicht entstanden ist, könnten es Von der Leyen, Merz, Macron, Meinl-Reisinger und Co. vielleicht auch auf den derzeitigen Krieg zwischen Russland und der Ukraine mit europäischer Unterstützung ummünzen.
"Und plötzlich wußten wir:
Wir konnten das Herz Europas nicht finden
weil wir das eigene
verloren hatten.Und ahnten,
daß das unsere
ein Teil des anderen war,
wir fühlten
das gleiche Blut
in den Adern des anderen
und dieselben Gedanken
im Hirn des Nachbarn,
wir sahen die Augen,
die uns vertraut vorkamen,
weil es die Augen
des Bruders waren."
Freilich wird von linker Seite auch diese Passage heftig kritisiert. Dass alle europäischen Völker eng miteinander verbunden und verwandt sind, bleibt aber trotzdem eine Tatsache. Nach den vielen Kriegen, die in Europa in den letzten Jahrhunderten stattgefunden haben, auf Brüderlichkeit zu bauen und das Gemeinsame vor das Trennende zu stellen, ist ein besonders schöner Ansatz des Gedichtes.
"Da hörten wir
unser eigenes Herz wieder schlagen,
glaubten wieder
an seine Unvergänglichkeit
und nannten uns stolz beim Namen –
Dies unser Volk!Da fanden wir
im Dom zu Burgos
die Züge des Hans von Köln
und am Dom der Vaterstadt
das Atmen der Rennaissance,
der Louvre war nicht mehr fremd
und nicht das Haus Rembrandts van Rijn,
das Grab Vasco da Gamas
erinnerte uns
an den Sang Prinz Eugens
und Friedrichs des Großen.Das Herz schlug wieder."
In dieser Passage betont Windisch, wie die europäischen Völker nicht nur bei Abwehrkämpfen zusammenstanden, sondern wie sehr sie auch kulturell miteinander verwoben sind. Als Beispiel dafür nennt er Hans von Köln, der als deutscher Baumeister am Dom von Burgos in Spanien mitwirkte. Zudem erinnert er an einen holländischen Maler, einen portugiesischen Seefahrer und an Feldherren deutscher Zunge. Damit erschließt er ein gemeinsames Europa nicht nur technokratisch, sondern auch auf der Gefühlsebene. Als Windisch vor über fünfzig Jahren dieses Gedicht schrieb, war das innerhalb der Rechten wohl schon fast revolutionär. Damit hat Windisch gezeigt, dass er kein Ewiggestriger ist, sondern seiner Zeit in vielem voraus war. Ihm deswegen Nationalismus oder gar Nationalsozialismus vorzuwerfen, ist absurd. Zwar nebensächlich, aber ebenfalls unwahr ist die Behauptung, dass Windisch für ein christliches Europa eintrat. Wer sich wirklich mit Konrad Windisch beschäftigt, oder zumindest dieses Video-Interview gesehen hat, weiß auch das.
Stimmungsmache statt Wahrheitssuche
Correctiv geht es in seiner Arbeit aus meiner Sicht aber nicht um Wahrhaftigkeit und echten Erkenntnisgewinn, sondern darum, die einzige Opposition in Deutschland, nämlich die AfD und ihr Umfeld, in ein kriminelles Licht zu rücken. In Wahrheit dürfte das auch Correctiv selbst bewusst sein, wenn es schreibt:
"Jeder journalistische Text entsteht durch Auswahl. Für die ursprüngliche „Geheimplan“-Recherche mussten wir die Dokumentation eines mehrere Stunden langen Treffens zusammenfassen und die wichtigsten Aussagen herausdestillieren. Das bedeutet auch, sich gegen einzelne Inhalte entscheiden zu müssen. Nicht, weil sie unwichtig wären, sondern weil Texte nicht überfrachtet werden dürfen, damit sie verständlich bleiben."
Was Correctiv hier als rein "journalistische Auswahl" darstellt, ist in Wirklichkeit eine bewusst hergestellte Destillation, mit der gezieltes Framing betrieben wird, um die eigenen Märchenerzählungen trotz Niederlagen vor Gericht zumindest in der eigenen, linken Blase aufrechterhalten zu können. Man darf gespannt sein, welche Enthüllungen Correctiv in zwei Jahren als ganz "neu" präsentiert!






