Gestern Abend erlebte die SPD in Baden-Württemberg ein historisches Debakel. Mit 5,6 Prozent rettet sich die einstige Volkspartei gerade noch über die Fünf-Prozent-Hürde — das schlechteste Ergebnis, das die SPD jemals bei einer Landtagswahl in der Bundesrepublik eingefahren hat. Für die SPÖ in Österreich sollte das ein Warnschuss sein. Denn auch hierzulande ist die Sozialdemokratie auf dem besten Weg, sich selbst abzuschaffen.
Ein Kommentar von Christoph Grubbinder
Die Grünen verteidigten in Baden-Württemberg mit 30,3 Prozent knapp den ersten Platz, dicht gefolgt von der CDU mit 29,7 Prozent. Die große Gewinnerin des Abends ist jedoch die AfD: Sie verdoppelte ihr Ergebnis von 9,7 Prozent im Jahr 2021 auf 18,7 Prozent und ist damit drittstärkste Kraft im Landtag. Die FDP kam nur auf 4,4 Prozent und flog damit aus dem Landtag. Und ganz unten die SPD — mit 5,6 Prozent kaum noch relevant. Die Partei, die einst den Kanzler stellte, kämpft in Baden-Württemberg ums nackte Überleben.
Was das für Österreich bedeutet
Was wie ein deutsches Problem aussieht, ist in Wahrheit ein europäisches Muster — und eines, das die SPÖ kennen sollte. Denn auch in Österreich verliert die Sozialdemokratie an Boden, ohne es wahrhaben zu wollen.
Laut der jüngsten INSA-Umfrage vom Februar 2026 liegt die SPÖ bei 19 Prozent. Das klingt noch halbwegs stabil, ist es aber nicht. Denn die SPÖ hat ein strukturelles Problem: SPÖ-Chef und Vizekanzler Andreas Babler bemüht sich darum, mehr linke Wähler anzusprechen. Anstatt sich um die Sorgen und Nöte von Arbeitern, Angestellten, kleinen Unternehmern und Pensionisten zu kümmern, setzt er ganz auf linke Elfenbeinturmthemen — beispielsweise auf den "Klimaschutz". Bei vielen dieser Themen sind die Grünen jedoch glaubwürdiger. Wer das Original wählen kann, braucht die Kopie nicht.
Zudem sind der SPÖ als Regierungspartei die Hände gebunden. Während die Grünen versuchen, mit der Erbschaftssteuer zu punkten, kann die SPÖ in der Koalition mit ÖVP und NEOS die Versprechen, die sie in diese Richtung machte, nicht umsetzen. Wie groß die Unruhe in der Partei bereits ist, zeigte der Parteitag vom Wochenende: Babler wurde mit nur 81,51 Prozent wiedergewählt — obwohl er keinen einzigen Gegenkandidaten hatte. Fast ein Fünftel der eigenen Delegierten verweigerte ihm die Zustimmung.
Ein europäisches Muster
Die SPD in Baden-Württemberg ist kein Einzelfall. In Frankreich stürzte die Parti socialiste von über 28 Prozent (2012) auf 6,4 Prozent (2017) ab — 2022 kam Kandidatin Anne Hidalgo auf nicht einmal zwei Prozent. In Griechenland fiel die PASOK von 43,9 Prozent (2009) auf 4,8 Prozent (2015), weil sie die Sparpolitik internationaler Institutionen verwaltete, statt für ihre Wähler zu kämpfen. In den Niederlanden verlor die Partij van de Arbeid über 23 Prozentpunkte. Das Muster ist immer dasselbe: Sozialdemokraten, die den Bezug zu den einfachen Leuten verlieren, werden von ihnen abgestraft.
Von zwei Seiten unter Druck
Für die SPÖ kommt erschwerend hinzu, dass sie von zwei Seiten schrumpft. Nach rechts verliert sie seit Jahren Wähler an die FPÖ, die bei 38 Prozent steht und das Thema soziale Gerechtigkeit längst für sich besetzt hat — ohne den ewiggestrigen Klassenkämpfer-, Klima- und LGBTQ-Schmarrn, den die SPÖ vor sich herträgt. Nach links fressen die Grünen und mittlerweile sogar die KPÖ an der Substanz.
Dänemark zeigt, es geht auch anders
Bablers Strategie, die SPÖ stramm links auszurichten, beschleunigt den Weg seiner Partei in die Bedeutungslosigkeit. Dass es auch anders geht, zeigt die Sozialdemokratie in Dänemark. Ministerpräsidentin Mette Frederiksen erkannte, dass die Arbeiter und kleinen Leute nicht über Gendersprache und Klimakleber reden wollen, sondern über Sicherheit, Einwanderung und bezahlbares Leben. Statt sich von linken Akademikern den Kurs diktieren zu lassen, setzte Frederiksen auf eine strenge Migrationspolitik — und gewann damit 2019 und 2022 zwei Wahlen in Folge. Die rechtspopulistische Dänische Volkspartei, die zuvor bei über 21 Prozent lag, halbierte sich auf unter neun Prozent. Und zwar nicht, weil man sie mit „Aktionsplänen" bekämpfte, sondern weil man ihre Sorgen ernst nahm und den eigenen Ankündigungen auch Taten folgen ließ.
SPÖler, hört die Signale
Das dänische Modell beweist: Sozialdemokratie muss nicht sterben. Sie wird aber auch in Österreich zugrunde gehen, wenn an ihrer Spitze weiterhin engstirnige Klassenkämpfer wie Andreas Babler und Co. den Ton angeben. Eine vernünftige SPÖ hätte sich längst für die FPÖ geöffnet, um Österreich endlich auch aus den Fängen von ÖVP und EU zu befreien und für neuen Aufschwung zu sorgen.






