Info-DIREKT im Gespräch mit Robert Lugar, Nationalrat und "Team Stronach"-Klubobmann

Robert Lugar: „Man nimmt uns die Möglichkeit zu entscheiden“

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Robert Lugar
Robert Lugar

Das nennt man wohl bürgernah. Eine Anfrage über Facebook, ein kurzes Telefonat zur Terminabsprache und schon sitzen wir beim Nationalratsabgeordneten Robert Lugar in Wien, um mit ihm über Syrien, die USA und das System der „Fake News“ zu sprechen.

Info-DIREKT: Herr Lugar, Sie weisen bei Interviews immer wieder darauf hin, welche Umstände in Syrien zum Krieg geführt haben. Dabei werden Sie von den Journalisten jedoch meist unterbrochen, warum?

Robert Lugar: Weil es ein Übereinkommen gibt, dass die Welt in Gut und Böse aufgeteilt ist. Das heißt, es gibt Interessenslagen, es gibt Menschen, die von gewissen Entwicklungen profitieren und diese Menschen haben auch die Macht, alle Dinge, die nicht in ihre Richtung gehen, so zu diskreditieren, dass man das Gefühl bekommt, wenn man nicht für die Guten ist, dann ist man ein Böser. Putin ist der Böse und die Amerikaner sind die Guten. Es ist sehr willkürlich, wer zu den Guten gehört und wer weg gebombt wird: siehe Saddam Hussein, siehe Libyen, siehe jetzt Syrien. Das waren in der Vergangenheit jene, die das Spiel nicht mitgespielt haben. Dafür haben sie mit ihrem Leben bezahlt.

Info-DIREKT: Wer ist hier Ross und Reiter? Wer sind die von Ihnen angesprochenen Mächte?

Lugar: Die USA haben seit dem Zweiten Weltkrieg mit illegalen Angriffskriegen etwa zwanzig bis dreißig Millionen Menschen umgebracht. Wir wissen, dass die UNO Kriege verboten hat. Es gibt nur zwei Gründe warum man Kriege führen darf, nämlich zur Selbstverteidigung oder wenn der UNO-Sicherheitsrat ein Mandat erteilt. Alle anderen Kriege sind illegal. Die USA haben also unzählige illegale Kriege geführt, um ihre geopolitischen Interessen zu wahren. Das heißt, da geht es um Erdöl, da geht es um Erdgas, da geht es um Handelseinflüsse und so weiter. Da gibt es also eine ganz gewaltige Interessenslage – auch im Fall von Syrien.

Info-DIREKT: Momentan ist oft von Verschwörungstheorien und von „Fake News“ die Rede. Sind das nicht „Fake News“, die Sie hier verbreiten? Welche Quellen haben Sie für Ihre Thesen?

Lugar: Die Amerikaner selbst. Die geben das ja offen zu. Es gibt auch ein Wort dafür, das nennt man „Full-spectrum dominance“. Das ist das, was die Amerikaner anstreben und das ist auch der Grund, warum sie drei Mal so viel für Rüstung ausgeben wie der Nächstplatzierte. Weil sie eben ihre eigenen Interessen in der ganzen Welt vertreten, weil sie die ganze Welt als ihren Hinterhof betrachten und sich irgendwie berechtigt dazu fühlen, alles dafür zu tun, um ihren Interessen zu dienen.

Info-DIREKT: Kann es dann sein, dass der Kampf gegen „Fake News“ nur ein Werkzeug zur Unterbindung unliebsamer Meinungen ist?

Lugar: Natürlich. Man sagt, im Krieg ist das erste Opfer die Wahrheit und natürlich versuchen beide Seiten Propaganda zu machen, siehe Aleppo. Das ist genau der Punkt: das heißt im Krieg wird mit Waffen gekämpft, aber natürlich auch mit Worten. Denn man muss ja bei jedem Krieg auch jene an der Stange halten, die dafür zahlen. In einer Diktatur wäre das nicht notwendig, da entscheidet der Diktator: „Wir führen jetzt Krieg, Punkt!“

Info-DIREKT: Selbst da ist es wahrscheinlich schwierig. Braucht nicht auch ein Diktator einen gewissen Rückhalt?

Lugar: Ja genau, aber viel weniger als in der Demokratie, weil in der Demokratie muss der Krieg ja gerecht sein, er muss nachvollziehbar sein, er muss im Interesse des Landes sein. So wie die Deutschen die Freiheit am Hindukusch verteidigen. So muss der Bürger wissen, warum er Steuern dafür bezahlt, dass andere Menschen umgebracht werden, das muss ihm ja einleuchten. Dafür braucht man die Propaganda. Das ist nichts Neues.

Info-DIREKT: Das Neue ist jetzt wahrscheinlich, dass mit den alternativen und sozialen Medien eine neue Macht aufkommt, dass es da plötzlich Gegenstimmen gibt, oder?

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Das ganze Interview mit Robert Lugar lesen Sie im Magazin Info-DIREKT

Lugar: Genau. Das ist die große Errungenschaft der sozialen Medien, dass sozusagen jeder Bürger die Macht hat, News zu verbreiten ohne finanziell oder sonst irgendwie potent zu sein. Also sind wir jetzt in einem Zeitalter, wo plötzlich die Mächtigen nicht mehr den Einfluss haben auf das, was dem Volk als Wahrheit verkauft wird. Ich sage nicht, dass die immer alles falsch verkauft haben, sondern, sie konnten immer entscheiden, was dem Volk kredenzt wird. Der ORF hat dies in der Flüchtlingskrise beispiellos gemacht. Hier wurden ja permanent Leute manipuliert, indem man immer nur Frauen und Kinder gefilmt hat. Durch soziale Medien ist diese Deutungshoheit verloren gegangen. Diese will man jetzt mit der „Fake News“-Debatte wieder einkassieren.

Info-DIREKT: Was bedeutet das für die Demokratie, wenn bestimmte Meinungen zensiert werden?

Die Antwort auf diese Frage und was Robert Lugar von Projekten wie Info-DIREKT hält, lesen Sie im aktuellem Info-DIREKT Magazin.

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